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VWS braucht das Geld
Barzahler müssen am Busfahrer vorbei

Der Barverkauf von Tickets in VWS-Bussen bleibt: Janosek Asanovic sitzt neuerdings in weißen Handschuhen am Steuer seines VWS-Busses, seine ganz persönliche Maßnahme zum Schutz vor dem Coronavirus.
  • Der Barverkauf von Tickets in VWS-Bussen bleibt: Janosek Asanovic sitzt neuerdings in weißen Handschuhen am Steuer seines VWS-Busses, seine ganz persönliche Maßnahme zum Schutz vor dem Coronavirus.
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  • hochgeladen von Michael Roth (Redakteur)

mir Siegen. Janosek Asanovic ist ein positiv denkender Mensch. Als Busfahrer in Diensten der Wern-Group wird er in diesen Corona-Seuchentagen hart auf die Probe gestellt. Weil: An jeder Haltestelle steigen neue Fahrgäste ein und lösen mit Bargeld ein Ticket. Steht da ein Infizierter? Oder hat er nur einen glasigen Blick, weil der Obstler beim Frühschoppen so gut geschmeckt hat?

Asanovic hat sich ein simples Hilfsmittel für die stressige Arbeit am Steuer besorgt: weiße Handschuhe aus Baumwollstoff. Die sehen sogar noch modisch aus, sie sollen ihn aber vor allem vor dem Super-Virus schützen. „Ich weiß, das ist kein perfekter Schutz. Aber was soll ich machen? Ich muss bei jeder Fahrt Bargeld von den Fahrgästen kassieren“, sagt der Busfahrer.

mir Siegen. Janosek Asanovic ist ein positiv denkender Mensch. Als Busfahrer in Diensten der Wern-Group wird er in diesen Corona-Seuchentagen hart auf die Probe gestellt. Weil: An jeder Haltestelle steigen neue Fahrgäste ein und lösen mit Bargeld ein Ticket. Steht da ein Infizierter? Oder hat er nur einen glasigen Blick, weil der Obstler beim Frühschoppen so gut geschmeckt hat?

Asanovic hat sich ein simples Hilfsmittel für die stressige Arbeit am Steuer besorgt: weiße Handschuhe aus Baumwollstoff. Die sehen sogar noch modisch aus, sie sollen ihn aber vor allem vor dem Super-Virus schützen. „Ich weiß, das ist kein perfekter Schutz. Aber was soll ich machen? Ich muss bei jeder Fahrt Bargeld von den Fahrgästen kassieren“, sagt der Busfahrer.

Chinesin mit Mundschutz

Vorige Woche schon war es schlimm: „Da hat jemand beim Einsteigen in seine recht Hand gehustet und mir anschließend mit dieser Hand auch das Bargeld gereicht.“ Mehr noch: Leute mit schwitzenden Köpfen steigen ein. Niesen und lautes Husten sind allgegenwärtig. Bei einer Fahrt nach Neunkirchen herrschte schlagartig Ruhe: „Eine Chinesin mit Mundschutz ist eingestiegen. Keiner sagte einen Ton. Alle drückten sich in die Ecken der Sitze.“ Nur eine Frau vorne in der ersten Sitzreihe tuschelte: „Panik, Panik.“

Fakt ist aber auch: Die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd können und wollen nicht auf das Bargeld aus dem Ticketverkauf verzichten. Ein flächendeckendes Online-Bezahlsystem gibt es nicht, unsere holländischen Nachbarn sind da sehr viel weiter. Auf Texel zum Beispiel ist der Kauf von Busfahrscheinen mit Bargeld nicht mehr möglich, diese Alternative existiert dort schlicht nicht mehr – alles passiert online.

Die VWS haben einen festen Standpunkt: „Wir sind ein eigenwirtschaftlich arbeitendes Unternehmen. Bei uns werden bisher die Defizite, die durch einen Verzicht auf den Barverkauf entstehen würden, nicht durch die öffentliche Hand ausgeglichen.“

Ab Mittwoch Ferienfahrplan

Vorige Woche haben die VWS beim Aufgabenträger, dem Zweckverband Personnahverkehr Westfalen-Süd, nachgefragt, ob und was in der Frage möglich ist. Antwort von Günter Padt, ZWS-Geschäftsführer: „Wir haben keine Veranlassung, etwas zu zahlen.“ Padt verweist dabei auf die Bundesregierung und deren Zusage, Verluste solcher Unternehmen ausgleichen zu wollen: „Der Bund zahlt ja auch für die Ausfälle im Taxigewerbe.“ Noch ein Detail: Ab Mittwoch fahren die Linienbusse nach dem Ferienfahrplan, „das ist doch schon eine Ersparnis für das Unternehmen“, meint Padt.

Die VWS wollen sich mit der Antwort allerdings nicht zufrieden geben. Unternehmenschef Klaus-Dieter Wern sucht das Gespräch mit der Politik und hier besonders den Kontakt mit den beiden Landräten der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe.

Das Ringen um Einnahmen ist für die Wern-Group nicht allein ein Selbstzweck. „Drei bis vier Wochen auf die Einnahmen aus dem Barverkauf zu verzichten, das geht gar nicht. Das wäre Selbstmord“, sagt VWS-Betriebsleiter Gerhard Bettermann. Damit würde ungefähr ein Viertel aller Einnahmen wegbrechen. Bettermann: „Vorne die Türen geschlossen halten, damit sind die Probleme in Zeiten des Coronavirus nicht gelöst.“

Hilfsmittel nicht verfügbar

Mit Beginn des Ferienfahrplanes am morgigen Mittwoch soll die Kapazität pro Bus auf 50 Prozent gesenkt werden. Jeder Fahrer bekommt seinen Bus zugewiesen, das bisher übliche Ablösen während des Tages entfällt. Es soll noch mehr als bisher auf Hygiene und Sauberkeit geachtet werden. Die Fahrer sollen und müssen Einmalhandschuhe tragen, die bestellten Hilfsmittel sind aber noch nicht verfügbar. Den Fahrern will man Informationen an die Hand geben: Wie erkennt man Symptome des Coronavirus? Alle Maßnahmen gelten zunächst bis zum Ende der Osterferien.

Einigen Wirbel in der Branche hat ein Schreiben der VWS an ihre Auftragsunternehmen verursacht: Den Barverkauf einzustellen und die Sitze unmittelbar beim Fahrer zu sperren, sei unter den Gesichtspunkt des Arbeitsschutzes sinnvoll. Andererseits habe man eine wirtschaftliche Verantwortung, massive Umsatzrückgänge seien die Folge. Mit der Politik wolle man möglichst kurzfristig einen Lösungsweg für einen angemessenen finanziellen Ausgleich erreichen.

Die SZ fragte bei den Auftragsunternehmen nach und erreichte zum Beispiel Lars Becker, das Unternehmen August Becker (Niederfischbach) gibt es seit 1927: „Ja, der Barverkauf findet noch statt. Die VWS entscheiden in der Frage, sie sind uns gegenüber weisungsbefugt.“

Busse jeden Tag desinfiziert

Täglich werden Beckers Worten zufolge die Busse des Unternehmens gereinigt, im Fahrerbereich alle Oberflächen mit Desinfektionsmitteln behandelt. Lars Becker: „Die Fahrer versuchen sich zu schützen, wie es eben geht. Wenn ein Fahrer eine Maske aufsetzen möchte, würde ich ihm das nicht verbieten. Alle Mitarbeiter ziehen voll mit, das ist sehr wichtig.“

Noch zwei Details: „Der Reiseverkehr ist voll zum Erliegen gekommen“, sagt Becker. Und: Für die Fernlinien hat das Unternehmen noch keine Vorgabe erhalten, ob die Tür beim Fahrer geschlossen bleiben muss: „Flixbus hat noch nichts mitgeteilt.“ Allerdings ist Barzahlen im Flixbus eher die absolute Ausnahme.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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