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Naturdenkmäler sollen "zugänglich und erlebbar" sein
Baum hinterm Zaun

Eigentlich kann man die prächtige Linde an der Königstraße in Bad Laasphe ganz gut sehen. Aber sie steht auf einem Privatgrundstück. Michael Düben vom Nabu fürchtet, dass sie deshalb von der Denkmalliste verschwindet.
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  • Eigentlich kann man die prächtige Linde an der Königstraße in Bad Laasphe ganz gut sehen. Aber sie steht auf einem Privatgrundstück. Michael Düben vom Nabu fürchtet, dass sie deshalb von der Denkmalliste verschwindet.
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ihm Siegen/Bad Berleburg. Die stattliche Linde an der Bad Laaspher Königstraße steht neben der alten Synagoge, bei der ehemaligen Hof-Apotheke. Der Baum ist schön und vital. Er ist als Naturdenkmal geschützt – noch. Denn er hat ein Manko: Er steht auf einem privaten Grundstück und ist deshalb nicht so ohne Weiteres „erlebbar“. Deshalb könnte ihm die Streichung von der Denkmalliste blühen. Der Kreis Siegen-Wittgenstein will eine neue Verordnung zum Schutz von Naturdenkmälern und geschützten Landschaftsbestandteilen erlassen. Bis Ende des Jahres soll der Kreistag über die neuen Regeln abstimmen – aber bei den Baumdenkmälern sind die Naturschutzverbände ganz und gar nicht einverstanden mit den neuen Ideen aus dem Kreishaus.

ihm Siegen/Bad Berleburg. Die stattliche Linde an der Bad Laaspher Königstraße steht neben der alten Synagoge, bei der ehemaligen Hof-Apotheke. Der Baum ist schön und vital. Er ist als Naturdenkmal geschützt – noch. Denn er hat ein Manko: Er steht auf einem privaten Grundstück und ist deshalb nicht so ohne Weiteres „erlebbar“. Deshalb könnte ihm die Streichung von der Denkmalliste blühen. Der Kreis Siegen-Wittgenstein will eine neue Verordnung zum Schutz von Naturdenkmälern und geschützten Landschaftsbestandteilen erlassen. Bis Ende des Jahres soll der Kreistag über die neuen Regeln abstimmen – aber bei den Baumdenkmälern sind die Naturschutzverbände ganz und gar nicht einverstanden mit den neuen Ideen aus dem Kreishaus.

„Ich habe das Gefühl, dass der Kreis immer mehr Bäume aus dem Schutz herausnehmen will“, argwöhnt Michael Düben vom Naturschutzbund Nabu. Auch die Grünen machten jüngst im Kreisumweltausschuss deutlich, dass sie die Denkmalwürdigkeit eines Baums nicht davon abhängig machen wollen, ob er auf privatem oder öffentlichem Grund wurzelt.

Naturdenkmäler nach Verordnung bewerten 

Baudezernent Arno Wied erklärt die neue Marschroute so: „Eigentlich spielt es keine Rolle, wo ein Denkmal steht. Aber Bäume, die für die Öffentlichkeit nicht erlebbar sind, weil sie nicht zugänglich sind, erfüllen nicht unbedingt das Kriterium für ein Denkmal.“ Man werde deshalb alle vorhandenen Naturdenkmäler nach der neuen Verordnung bewerten und über die Fortführung als Denkmal entscheiden. Im Amtsdeutsch liest sich das so: „Für die visuelle und haptische Erlebbarkeit (z. B. Erfassen des Stammumfanges und der Größendimension) der einzelnen Baumindividuen als Natur-,Denk‘mal ist es grundsätzlich unerlässlich, dass eine gebotene Zugänglichkeit bzw. vollumfängliche Einsehbarkeit und Erfahrbarkeit der Objekte durch die Bürgerinnen und Bürger gewährleistet ist. Sofern Bäume auf privaten Grundstücken stehen und aus dem öffentlichen Raum von Dritten nur eingeschränkt oder gar nicht wahrgenommen werden können, sind sie im Regelfall aus der Denkmalverordnung zu streichen.“ Das Ergebnis der Abwägung nimmt die Kreisverwaltung schon vorweg: „Hieraus ableitend ist zu erwarten, dass zukünftig deutlich weniger Objekte als bisher als Naturdenkmal einem Schutz unterstellt werden.“

Die Bäreneiche in Niederholzklau ist ein wirklich mächtiger Baumriese und steht natürlich unter Denkmalschutz.
  • Die Bäreneiche in Niederholzklau ist ein wirklich mächtiger Baumriese und steht natürlich unter Denkmalschutz.
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Schon in der Vergangenheit seien immer wieder Bäume aus der Liste verschwunden, beklagt Michael Düben. Derzeit stehen 267 Naturdenkmäler und geschützte Landschaftsbestandteile im gesamten Kreis in dieser Liste. Denkmalwürdig sind „Einzelschöpfungen der Natur“, die schutzwürdig sind wegen ihrer „Seltenheit, Eigenart oder Schönheit“ oder aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen.

Wuchsform, Größe, Alter spielen für Beurteilung eine Rolle

Bei der Beurteilung von Bäumen spielen Wuchsform, Größe, Alter und landschaftsästhetische Bedeutung eine Rolle. Wenn man die bundesweit empfohlenen Kriterien zugrunde legen würde, wäre in Siegen-Wittgenstein nur ein einziger Baum ein Denkmal: die Bäreneiche in Niederndorf. Alle anderen Bäume kämen aufgrund ihres zu geringen Umfangs nicht als Naturdenkmal in Frage, schreibt Arno Wied. Verlangt werden zum Beispiel für die Stieleiche 6 Meter Stammumfang, für die Rotbuche 5 Meter und für Linden sogar 8 Meter.

Weil sich in Südwestfalen aufgrund der klimatischen Bedingungen und Bodenverhältnisse keine solchen Baumgiganten entwickeln können, weicht man davon ab: Bäume mit mindestens 3 Meter Stammumfang können im Kreis Denkmal werden – wenn sie selten oder einfach außergewöhnlich schön sind. Und wenn sie nicht auf Privatgrundstücken stehen, denn das wäre nach den neuen Richtlinien wohl ein „Denkmalverhinderungsgrund“. Bernd Schneider von den Grünen formulierte es im Kreisumweltausschuss so: „Das leistet doch den Leuten Vorschub, die einen Zaun ziehen und dann den Baum wegmachen.“

Eigentlich kann man die prächtige Linde an der Königstraße in Bad Laasphe ganz gut sehen. Aber sie steht auf einem Privatgrundstück. Michael Düben vom Nabu fürchtet, dass sie deshalb von der Denkmalliste verschwindet.
Die Bäreneiche in Niederholzklau ist ein wirklich mächtiger Baumriese und steht natürlich unter Denkmalschutz.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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