Bedarf hat Bestand

 Das Mutterhaus der Olper Franziskanerinnen, hoch über Olpe auf dem Kimicker Berg: Als es 1966 gebaut wurde, waren die Schwestern sicher, dass sie in Zukunft mehr Platz brauchen. Dies hat sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Foto: win
  • Das Mutterhaus der Olper Franziskanerinnen, hoch über Olpe auf dem Kimicker Berg: Als es 1966 gebaut wurde, waren die Schwestern sicher, dass sie in Zukunft mehr Platz brauchen. Dies hat sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Foto: win
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win - Hoch über der Stadt Olpe steht das Mutterhaus der Olper Franziskanerinnen, genauer: der „Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung zu Olpe“. Erbaut wurde das großzügige Kloster 1966, als der Orden 103 Jahre alt war. Das alte Mutterhaus in der Stadtmitte, dort, wo heute das Rathaus steht, war zu klein geworden. Die Schwestern waren damals sicher, in die Zukunft investieren zu müssen.

Heute ist das Mutterhaus eigentlich viel zu groß. Nur wenige Schwestern leben dauerhaft hier. Doch haben die Franziskanerinnen nicht einfach weitergemacht: Sie haben ihr Kloster angepasst. Es ist ein offenes Haus. Hier sind Gäste willkommen. Und die gesamte untere Etage wird heute von der Verwaltung der ordenseigenen Firma, der GFO (Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe) genutzt, die über ein Dutzend Krankenhäuser in Deutschland, zahlreiche Altenheime, das Kinderhospiz „Balthasar“, einige Kindergärten und die Olper St.-Franziskus-Schule betreibt.

Das Thema „Zukunft“ ist für einen Orden wie die Olper Franziskanerinnen omnipräsent, gerade weil immer weniger Frauen sich entschließen, Ordensschwester zu werden. Im Gespräch mit der SZ bezog Schwester Magdalena Krol, Generaloberin der Olper Franziskanerinnen, Stellung zum Thema.

„Steuern kann ich die Zukunft nicht, daher schaue ich auf die Gegenwart“, so die Ordensfrau. „Und das sind vor allem unsere altgewordenen Schwestern, mit denen wir gut zusammenleben wollen, denen wir altersgerecht ein Leben ermöglichen wollen, das unserer Lebensform entspricht.“

Gleichzeitig gelte es, zu ermöglichen, dass die aktiv tätigen Schwestern so arbeiten könnten, dass sie jungen Menschen zeigen, dass das Leben im Orden nicht antiquiert, sondern zeitgemäß ist. „Vor vielen Jahren gab es mal eine Aktion der Berufungspastoral unter dem Motto ,Den Boden bereiten für die Berufung‘. Das ist, was wir versuchen müssen: zeigen, dass das Leben als Ordenschrist Zukunft hat.“ Zwar wisse niemand, welche Orden bestehen blieben, „es gab im Lauf der Geschichte so viele Orden, die aufgeblüht sind, aber ihre Aufgabe erfüllt haben. Aber ich glaube, dass die Lebensform an sich eine Zukunft hat“, so Schwester Magdalena. Denn trotz Kirchenkrise, trotz immer weniger Gottesdienstbesuchern gebe es genügend Beispiele, dass in den Menschen immer noch Bedarf nach Kirche, dass Glaube da sei.

Ordensgründerin Maria Theresia Bonzel selbst habe durch die Gründung der heutigen GFO dafür gesorgt, dass ihr Werk eine Zukunft haben werde, denn die Firma ist so strukturiert, dass sie auch ohne Orden weiterlaufen kann. „Und ich bin stolz darauf, dass in solch einer Firma nicht nur auf Gewinn geachtet, sondern dass bei allen wichtigen Entscheidungen wirklich überlegt wird: Ist das im Sinn von Mutter Maria Theresia?“ Ohne die GFO im Hintergrund „würde ich besorgter in die Zukunft schauen“.

Und auch die Spiritualität der Franziskanerinnen werde eine Zukunft haben. Seit fünf Jahren existiere eine Weggemeinschaft mit dem Namen „Ge(h)meinsam“, in der Laien die spirituellen Wurzeln des Heiligen Franziskus und von Mutter Maria Theresia auf das heutige Leben übertragen. „Wie die Form aussehen wird, wird sich zeigen.“ Hier gelte Jesu Wort, dass Gesetze für die Menschen gemacht würden und nicht Menschen für Gesetze.

Die beiden Standbeine des Ordens, „Anbetung“ und „Werke der Barmherzigkeit“, werden nach Überzeugung von Schwester Magdalena beide eine Zukunft haben: die eine, etwa in Krankenhäusern, stark institutionalisiert, „aber das andere wird auch gebraucht“. Eine amerikanische Schwester habe einmal ein Altenheim des Ordens als „unsere Powerstation“ (Kraftwerk) bezeichnet, denn dort lebten alte Schwestern, die das Gebet als Kraftquelle praktizierten.

Ein ganz wichtiger Schritt für den Orden sei die Seligsprechung von Maria Theresia Bonzel im Jahr 2013 gewesen. „Damit wird so nachhaltig an die Person und an ihr Werk erinnert, wie wir als Orden es gar nicht schaffen können.“ Die Entscheidung, das Grab der Seligen vom Kloster in die St.-Martinus-Kirche mitten in die Stadt zu verlegen, sei den Schwestern nicht leichtgefallen, dies sei aber ebenfalls zukunftsweisend gewesen.

Dass die ehemalige Grabkapelle zur Gedächtniskapelle umgestaltet worden ist, habe damit zu tun, dass Zukunft sich aus Vergangenheit und Gegenwart bilde. „Man muss ja einen Faden spinnen, wenn man ihn weitergeben will.“

Und selbst wenn die Zeit der Olper Franziskanerinnen irgendwann zu Ende gehen sollte, sei das nichts Schlechtes: „Jedes Leben ist wertvoll und geht irgendwann einmal zu Ende.“ Für die Schwestern sei es zwar schwer, weil sich fast jede angesichts des mangelnden Nachwuchses frage, ob sie etwas falsch gemacht habe. „Aber wir reden ja von Berufung. Und wer beruft uns denn? Das tun wir ja nicht selbst. Man weiß irgendwann: Das ist mein Weg. Das ist Berufung, da kommt Gott ins Spiel.“

Schwester Magdalena sagt auch: „Ich traue der Zukunft, weil Gott sie mit mir lebt. Das ist nicht zu unterschätzen. Wir werden nicht alleingelassen.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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