SZ

Busfahrerin angegriffen
Beleidigungen gehören in ihrem Job dazu

Lässt sich das Lächeln nicht nehmen: Nicole Weber wurde
kürzlich von einem Fahrgast attackiert. So etwas komme
aber nur ganz selten vor, betont die 47-Jährige.
  • Lässt sich das Lächeln nicht nehmen: Nicole Weber wurde
    kürzlich von einem Fahrgast attackiert. So etwas komme
    aber nur ganz selten vor, betont die 47-Jährige.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ap Siegen. Am Samstagnachmittag, 27. Februar, wurde Nicole Weber von mehreren Fahrgästen drangsaliert und attackiert (die SZ berichtete). Nun hat sich die Busfahrerin selbst zu dem Vorfall geäußert und erzählt, wie häufig es in ihrem Berufsalltag zu verbalen Bedrohungen und handfesten Auseinandersetzungen kommt.
„Man hat schon immer ein wenig Respekt“, nimmt die 47-Jährige vorweg. Vor allem nachts habe sie manchmal ein mulmiges Gefühl, öffne deshalb immer nur die vorderen Türen an der Haltestelle. Nur dann könne sie genau sehen, wer bei ihr einsteigt. Im hinteren Teil des Busses hielten sich häufig größere Gruppen auf. In den Pandemie-Monaten sei ihr das sogar verstärkt aufgefallen. Meistens seien die Jugendlichen nur laut, teilweise aber auch gewaltbereit.

ap Siegen. Am Samstagnachmittag, 27. Februar, wurde Nicole Weber von mehreren Fahrgästen drangsaliert und attackiert (die SZ berichtete). Nun hat sich die Busfahrerin selbst zu dem Vorfall geäußert und erzählt, wie häufig es in ihrem Berufsalltag zu verbalen Bedrohungen und handfesten Auseinandersetzungen kommt.
„Man hat schon immer ein wenig Respekt“, nimmt die 47-Jährige vorweg. Vor allem nachts habe sie manchmal ein mulmiges Gefühl, öffne deshalb immer nur die vorderen Türen an der Haltestelle. Nur dann könne sie genau sehen, wer bei ihr einsteigt. Im hinteren Teil des Busses hielten sich häufig größere Gruppen auf. In den Pandemie-Monaten sei ihr das sogar verstärkt aufgefallen. Meistens seien die Jugendlichen nur laut, teilweise aber auch gewaltbereit. Wenn es zu Verspätungen kommt, habe sie schon häufig die Erfahrung gemacht, dass die Fahrgäste ein wenig ungehalten sind. Beleidigungen kämen dann „immer mal wieder“ vor. Aber unangenehme Kunden gebe es doch überall, sagt sie und lächelt dabei.

Handfeste Übergriffe sind selten

Eine sinkende Hemmschwelle bei den Fahrgästen ist auch ihrem Vorgesetzen schon aufgefallen. Zu handfesten Übergriffen sei es bislang jedoch nur sehr, sehr selten gekommen. „Das sind absolute Ausnahmefälle“, bestätigt auch Stefan Pusch von der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. Nicole Weber musste bislang in zwei Situationen polizeiliche Verstärkung anfordern. Den Job macht sie nun schon im siebten Jahr.

Männer waren alkoholisiert

Einer dieser Tage: der vergangene Samstag. „Es war strahlender Sonnenschein“, erzählt die 47-Jährige, „und wir hatten viertel nach fünf.“ Haltestelle, Türen auf, einige steigen aus, andere steigen ein. Ein Fahrgast zeigt (s)ein Schülerticket. „Das kam mir schon irgendwie ein bisschen komisch vor“, erinnert sich Weber. Aber manchmal sehe man einem das Alter eben nicht an. Stutzig sei sie aber auch deshalb geworden, weil der Zugestiegene das Ticket offensichtlich an seine Freunde weitergereicht hatte. „Ich bin die letzte, die nicht Mal ein Auge zudrückt, wenn jemand seine Fahrkarte vergessen hat“, sagt sie, „aber wenn sich einer versucht durchzumogeln, dann bin ich hart.“ Dass die Männer alkoholisiert waren, habe sie zu dem Zeitpunkt (noch) nicht bemerkt. „Durch den Spuckschutz riecht man den Alkohol nicht“, erklärt die erfahrene Busfahrerin. Weber fordert die Gruppe auf, ihre Tickets vorzuzeigen. Die Lage eskaliert.

Polizei kommt zur Hilfe

Pöbeleien, Beleidigungen, ein Schlag gegen die Plexiglasscheibe. Schnell entsteht eine Dynamik, die außer Kontrolle zu geraten droht. Der fliegenden Faust kann Weber noch gerade so ausweichen. „Unser Fahrpersonal muss sich nicht beleidigen lassen“, betont VWS-Betriebsleiter Gerhard Bettermann mit großer Bestimmtheit, und sei deshalb dazu angehalten, in brenzligen Situationen sofort die Polizei zu rufen. Nicole Weber habe sich „vorbildlichst verhalten” und genau das getan, lobt ihr Chef. Sie sei ruhig geblieben und habe mit all ihrem Tun versucht, zu einer Deeskalation der Situation beizutragen. „Das ging alles so schnell“, blickt die Busfahrerin zurück und gesteht: „Eigentlich stehe ich fest im Leben. Aber nach diesem Vorfall musste ich schon dreimal schlucken, bevor ich meine Fahrt fortsetzen konnte.“

Fahrer werden geschult

Um in solchen Situationen so souverän zu agieren, würden alle Fahrer einmal im Jahr geschult, erzählt Bettermann – auch wenn jeder Vorfall individuell sei. „Diesen werden wir aber trotzdem auf jeden Fall als Positivbeispiel mit in die nächste Schulung nehmen.“ Geschützt würden seine Angestellten zudem durch eine Echtzeit-Überwachung des Standortes ihrer Busse. Des Weiteren könnten die Fahrer zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Verkehrsmeister ins Fahrzeug zuschalten. „Unsere Busfahrer sind somit nie allein unterwegs“, fasst der VWS-Leiter zusammen. Sicherheit habe immer höchste Priorität. Und das spüren seine Angestellten auch, wie Nicole Weber erzählt.
Trotz des Vorfalls am vergangenen Samstag fühle sie sich sicher und trete ihre Schichten weiterhin ganz unbefangen und mit guter Laune an. „Wenn ich den Leuten mit einem Lächeln begegne, dann bekomme ich auch meistens eins zurück.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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