Ergebnis nach den ersten Streiktagen
Benteler-Belegschaft atmet auf

Der letzte Trumpf hat gestochen: Nach kurzem Streik legte die Benteler-Geschäftsführung ein Angebot vor.
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kay Weidenau. Paukenschlag in Weidenau: Im Tarifstreit beim Automobilzulieferer Benteler wurde am Donnerstagmorgen eine Einigung zwischen den Verhandlungsführern der IG Metall und dem Unternehmen erzielt. Bei den Gesprächen ging es schon lange nicht nicht mehr um eine Abwendung, sondern nur um das „Wie“ der Betriebsschließung. Die Perspektive für die Zukunft der 270 Mitarbeiter und deren Angehörigen hat nun Gestalt angenommen.

Kundgebung wieder abgesagt

Ursprünglich hatte IG-Metall-Bevollmächtigter Andree Jorgella im Rahmen der seit Mittwoch laufenden Streikmaßnahmen vor den Weidenauer Werkstoren für 14 Uhr zu einer Kundgebung aufgerufen. Die wurde auf Grund des unverhofft erzielten Tarifergebnisses kurzfristig abgesagt. Stattdessen traten Jorgella und Gewerkschaftsvertreter Peter Richter bereits um 12 Uhr vor die streikende Belegschaft, um die Ergebnisse der ebenso zähen und lange andauernden Verhandlungen persönlich zu erläutern.

„Es waren harte Verhandlungen. Wir haben keinen Tarifabschluss. Den Tarifabschluss entscheidet ihr nächste Woche. Wir haben etwas, das wir euch als Tarifkommission vorstellen und zur Diskussion stellen möchten“, so Gewerkschafter Jorgalla an die Benteler-Mitarbeiter. Es sei zwar nicht das schönste Ergebnis, aber man habe Erfolge gegenüber dem Arbeitgeber errungen, führte er weiter aus.

Benteler: Betrieb steht seit Mittwochmittag still

Abfindungen für Mitarbeiter "eingetütet"

In einem Eckpunktepapier zusammengefasst, sieht es jetzt so aus, dass jeder Beschäftigte pro Jahr Betriebszugehörigkeit eine Abfindung von einem Dreiviertel des letzten Monatsgehaltes erhält. Dieser Betrag ist auf eine Maximalabfindung in Höhe von 80 000 Euro gedeckelt. Darüber hinaus werden alle Beschäftigten ab dem 44. Lebensjahr in eine Transfergesellschaft übernommen. „Uns war es wichtig, dass es für alle Kolleginnen und Kollegen eine vernünftige Abfindung gibt, mit der man etwas anfangen kann. Mehr war nicht herauszuholen“, so Jorgalla weiter. Jetzt liegt es an der Belegschaft, in einer Urabstimmung über das Eckpunktepapier zu entscheiden. Erst dann gibt es einen gültigen Tarifvertrag. Bis zur endgültigen Abstimmung wird der Streik ausgesetzt.

50 tschechische Streikbrecher

Eines verärgerte Jorgalla enorm: „50 Tschechen haben heute Morgen im Auftrag der Unternehmensführung darauf gewartet, hier als Streikbrecher einzufallen und die Maschinen zu besetzen. Das haben wir zu Verhandlungsbeginn auch gestoppt.“ Darüber hinaus wisse er von 40 Spaniern, die ebenfalls bekundet hätten, den Siegenern in den Rücken zu fallen. „Die hätten nie im Leben eure Leistung und eure Qualität gebracht. Die hätten uns aber dennoch Tag für Tag das Leben schwer gemacht“, führte er weiter aus.

Am Donnerstagmorgen wurde beim Benteler-Tarifstreik eine Einigung erzielt.
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Auch Siegens Bürgermeister Steffen Mues stattete der Belegschaft einen Besuch ab, um einige Worte an sie zu richten. „Ich bin erleichtert, dass dann doch noch so viel Bewegung in die Sache gekommen ist. Da habe ich eigentlich nicht mehr mit gerechnet“, sagte das Stadtoberhaupt an die Belegschaft gerichtet. Neben dem lachenden habe er allerdings auch ein ganz großes weinendes Auge, denn es tue ihm in der Seele weh, dass rund 300 Arbeitsplätze am Weidenauer Standort vernichtet werden. „Die letzten Monate zeigen, dass es sich lohnt, für eine gerechte Sache zu kämpfen und solidarisch zusammenzustehen“, zeigte sich Mues zufrieden.

Auch Siegens Bürgermeister Steffen Mues richtete einige Worte an die Belegschaft.
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Eine Lösung im Dialog

Auch das Unternehmen selbst meldete sich am Nachmittag mit einer Pressemitteilung zu Wort. So sei es Zielsetzung des Unternehmens seit Beginn des Verhandlungsprozesses gewesen, eine Lösung im Dialog zu erzielen. Dies sei nun nach intensiven Gesprächen und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten erfolgreich gelungen, erklärte Michael Baur, Chief Restructuring Officer der Benteler-Gruppe.

Entscheidung über Zukunft der Benteler-Mitarbeiter fällt am Dienstag

Es bleibt weiterhin spannend. Die endgültige Entscheidung über ihre Zukunft fällen die Mitarbeiter des Unternehmens in der Urabstimmung am kommenden Dienstag.

Die endgültige Entscheidung fällen die Mitarbeiter am Dienstag.
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Autor:

Kay-Helge Hercher (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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