Doppelter Boden für die Flugsicherung
BER-Fluglotsen nutzen Technik „made in Siegen“

Fluglotsen bei der Arbeit: Obwohl der Hauptstadt-Airport erst jetzt eröffnet wurde, ist der Tower BER bereits seit acht Jahren in Betrieb und steuerte bisher den Flugverkehr des benachbarten Flughafens Schönefeld.
  • Fluglotsen bei der Arbeit: Obwohl der Hauptstadt-Airport erst jetzt eröffnet wurde, ist der Tower BER bereits seit acht Jahren in Betrieb und steuerte bisher den Flugverkehr des benachbarten Flughafens Schönefeld.
  • Foto: Deutsche Flugsicherung GmbH
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

tile Siegen/Berlin. Früher wurde noch applaudiert, sobald der Pilot eine Passagiermaschine landete. Aus ehrlichem Beifall ist mit den Jahren vereinzeltes, pflichtschuldiges Klatschen geworden. Damals wie heute galt die Anerkennung für das unbeschadete Aufsetzen den Männern und Frauen im Cockpit. Das sichere Ende einer Reise durch die Luft verdankt sich aber weit mehr Personen. Allen voran den Fluglotsen in den Kontrollzentren und Towern, die auf Informationsfluss in Echtzeit angewiesen sind. Um dies zu gewährleisten, setzt die Deutsche Flugsicherung (DFS) bereits seit Jahren auf eine technische Komponente aus dem Siegerland. Jüngst wurde deren neueste Generation im gerade in Betrieb genommenen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) installiert.
Dass sich die Eröffnung des Hauptstadtflughafens um Jahre verzögerte, lag mitnichten am KVM-System (System zum Übertragen und Schalten von Computersignalen wie Keyboard, Video und Mouse) von Guntermann & Drunck. Der Tower des Airports ist schon seit 2012 aktiv in Betrieb und steuert seit nunmehr acht Jahren den gesamten Flugverkehr des angrenzenden Flughafens Schönefeld. Die Technologie aus dem Siegener Leimbachtal ermöglicht es seither, die Rechner – und somit störende Wärme- und Geräuschimissionen – vom Arbeitsbereich der Lotsen auszulagern, ohne dass ein Zeitverlust in der Datenübertragung entsteht.

"Brücke zwischen Server und Arbeitsplatz“

„KVM ist die Brücke zwischen Server und Arbeitsplatz“, erklärt G&D-Sprecherin Martina Bersch. Die Signale werden in Echtzeit vom Sender zum Empfänger „verlängert“. Bis zu 10 Kilometer überbrückt die Technik vom Rechnerraum bis zum Monitor.
Zusätzlich läuft im Hintergrund ein sogenanntes Redundanznetz, in dem alle Prozesse zeitgleich ein zweites Mal oder auch mehrere Male abgebildet werden. „Alle für die Sicherheit wichtigen Systeme werden auf komplexe Fehlersituationen ausgelegt. Dabei werden die KVM-Komponenten von Guntermann & Drunck zur Umschaltung von Betriebs- und Reservesystemen eingesetzt“, erklärt Klaus Hommel, Leiter Digitale Netzwerke der DFS.
Was heißt das? Bei einem Ausfall des Hauptsystems kann umgehend und ohne Informationsverlust auf die parallel geschaltete Reserve (Fallback-System) gewechselt werden. „Alle Systeme sind mindestes einfach redundant“, bestätigt DFS-Sprecherin Ute Otterbein. Warum das so wichtig ist? „Wir gehören zur kritischen Infrastruktur, uns muss es immer geben.“
Mithilfe der KVM-Systeme aus Siegen können die Lotsen zwischen verschiedenen Rechnern, die räumlich ausgelagert sind, umschalten und sich die Informationen verschiedener für den Flugverkehr relevanter Dienste (z. B. Radar, Wetter etc.) aufrufen. „Unverzichtbar für die Arbeit der Fluglotsen ist eine leistungsstarke und zuverlässige Technik. Dabei spielt die Kopplung verschiedener Systeme eine große Rolle, diese müssen rückkopplungsfrei arbeiten und zusätzliche Systemredundanzen abbilden“, sagt Klaus Hommel.

Tausch der Geräte im laufenden Betrieb

Während die bundesweit verteilten Radar-Weitbereichsanlagen Daten des Luftverkehrs vergleichsweise langsam aktualisieren, ist das bei Nahbereichsanlagen, die in Nähe der Tower stehen, anders: Die Datenerneuerungsrate ist höher, die Aktualisierungen deutlich schneller. Denn hier werden die Piloten „auf den letzten Meilen“ angeleitet, vorher sind sogenannte Kontrollzentren zuständig. Auch hier kommt die Siegener Technik zum Einsatz. Die Lotsen, die beispielsweise Flüge zum BER sowie den relevanten Luftverkehr überwachen und steuern, bis der Tower übernimmt, sitzen im Kontrollzentrum in Bremen. Für Landeanflüge sind Detailinformationen und eine sekundengenaue Darstellung entscheidend, um die Piloten korrekt und sicher einzuweisen. „Zuverlässige Signalübertragungen bei höchster Bildqualität ohne Laufzeitverluste spielen eine große Rolle im Umfeld der Flugsicherung“, erklärt Klaus Hommel.
Um der neuesten Computertechnologie Rechnung zu tragen, wurden die KVM-Systeme des Berliner Towers nun überprüft und nach acht Jahren durch modernere Technik erneuert. Ohne die Arbeit der Fluglotsen und den Flugbetrieb zu unterbrechen, wurde der Tausch der Geräte im laufenden Betrieb durchgeführt, was zusätzliche Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit mit sich brachte. G&D und DFS sind daher froh, dass alles reibungslos verlief und die Systeme weiterhin mit „doppeltem Boden“ laufen.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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