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Digitalisierung der Schulen in Siegen
Beschwerlicher Weg ans schnelle Netz

Schnelles Internet und passende Endgeräte – hier ein iPad – sind Grundvoraussetzung für einen Unterricht auf Distanz. Bis die Siegener Schulen und Schüler flächendeckend ausgestattet sind, gehen wohl noch ein paar Jahre ins Land.
  • Schnelles Internet und passende Endgeräte – hier ein iPad – sind Grundvoraussetzung für einen Unterricht auf Distanz. Bis die Siegener Schulen und Schüler flächendeckend ausgestattet sind, gehen wohl noch ein paar Jahre ins Land.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Siegen. Nein, auch wenn die Weihnachtsferien länger ausfallen in diesem Winter: Sie haben noch nicht begonnen. Noch immer läuft die Schule, nur eben nicht mehr mit voller Besetzung auf den Schulbänken. Distanzunterricht steht auf dem Stundenplan, zumindest für einen großen Teil der Schüler. Wirklich neu ist diese Erfahrung nicht, sie wurde bereits im Frühling eingeübt, sollte jetzt also rund laufen. Auch die Ausstattung in den Schulen dürfte inzwischen angepasst worden sein, alle Lehrer, Kinder und Jugendlichen sollten mit entsprechenden Endgeräten versorgt sein – oder etwa nicht?

js Siegen. Nein, auch wenn die Weihnachtsferien länger ausfallen in diesem Winter: Sie haben noch nicht begonnen. Noch immer läuft die Schule, nur eben nicht mehr mit voller Besetzung auf den Schulbänken. Distanzunterricht steht auf dem Stundenplan, zumindest für einen großen Teil der Schüler. Wirklich neu ist diese Erfahrung nicht, sie wurde bereits im Frühling eingeübt, sollte jetzt also rund laufen. Auch die Ausstattung in den Schulen dürfte inzwischen angepasst worden sein, alle Lehrer, Kinder und Jugendlichen sollten mit entsprechenden Endgeräten versorgt sein – oder etwa nicht?

Vollausstattung eine Herausforderung

„Der Weg zu einer Vollausstattung“ – eine Versorgung aller Schüler an den Siegener Schulen mit einem Endgerät – sei „sowohl in zeitlicher, vor allem aber in finanzieller Hinsicht eine Herausforderung für die nächsten Jahre“, erklärt André Schmidt, Schuldezernent der Krönchenstadt. Auf Anfrage der Volt-Fraktion berichtete er am Dienstag im Rat, wie es um die mediale Infrastruktur der kommunalen Schulen bestellt ist am Ende des Corona-Jahrs 2020.

Schnelles Internet und WLAN

An „zahlreichen städtischen Schulen“ gebe es eine WLAN-Ausleuchtung, die es möglich mache, aus dem Unterricht heraus zu streamen. Sieben Grundschulen und alle weiterführenden Schulen seien versorgt, wenn auch nicht in allen Gebäudeteilen. Für die nicht weniger wichtige Anbindung ans schnelle Internet hat die Stadt Siegen Förderprogramme angezapft. Das Land NRW bezuschusst die Glasfaseranschlüsse von 14 städtischen Schulen mit 884 000 Euro. Bis Ende 2021 sollen damit folgende Schulen ans Gigabit-Netz angebunden werden: Realschule Am Häusling, Altert-Schweitzer-Schule, Geisweider Schule, Grundschule Eiserfeld, Friedrich-Flender-Schule, Giersbergschule, Grundschule Kaan-Marienborn, Nordschule, Obenstruthschule, Diesterwegschule, Sonnenhangschule, Grundschule Auf dem Hubenfeld sowie der Förderschulverbund Pestalozzischule und die Montessori-Schule Siegen.
Die restlichen Schulen sollen mithilfe von Bundesfördermitteln angeschlossen werden. Vollständig und flächendeckend mit WLAN ausgestattet sind die Schulen, in denen in den vergangenen Monaten Baumaßnahmen durchgeführt wurden (Friedrich-Flender-Schule, Weiterbildungskolleg, Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Standort Giersbergstraße). „Spätestens bis zum Auslaufen des Digitalpakts soll ein Großteil der städtischen Schulen mit flächendeckendem WLAN versorgt sein.“ Also bis zum 31. Dezember 2024. Erklärtes Ziel ist es laut Schmidt, bis dahin wirklich alle Schulen auszustatten. Es sei aber schon absehbar, dass die Fördertöpfe nicht ausreichten.

Ausstattung mit Endgeräten

„Auch wenn nach Rückmeldung der Schulen die Schülerschaft überwiegend über digitale Endgeräte verfügt, gibt es in vielen Familien höchstens einen Laptop, einen Computer oder ein Tablet – was den dort lebenden Kindern Probleme mit dem Fernunterricht bereiten kann“, berichtet die Verwaltung. Dank des NRW-„Sofortausstattungsprogramms“ stehen der Stadt Siegen gemäß der entsprechenden Förderrichtlinie förderfähige Gesamtausgaben in Höhe von knapp 700 000 Euro zur Verfügung. Davon muss die Stadt Siegen 10 Prozent, also knapp 70 000 Euro, selbst aufbringen, um schulgebundene mobile Endgeräte (Laptops, Notebooks und Tablets mit Ausnahme von Smartphones) für sozial benachteiligte Schüler zu besorgen. Die Stadt rechnet damit, auf diese Weise etwa 1390 solcher Geräte finanzieren zu können. Die Aufträge sind erfolgt, wann die iPads geliefert und installiert werden können, ist derzeit noch offen, es gebe Lieferschwierigkeiten. „Microsoft-Surface-GO“-Geräte wurden bereits an die Schulen ausgeliefert und können in der aktuellen Situation bereits an Schüler verliehen werden. „Die Stadt Siegen wird bis zum Auslaufen des Förderprogrammes den vollen Förderbetrag ausschöpfen“, so Dezernent Schmidt.

Hybridunterricht

Hybridunterricht, der aus Düsseldorf noch Anfang November per Weisung untersagt wurde, hat im Siegener Stadtgebiet allein das Evangelische Gymnasium eingeführt (die SZ berichtete)– es befindet sich in kirchlicher Trägerschaft. Dass das Schulministerium bislang jedoch auf reinen Präsenzunterricht bestanden und ein Wechselmodell mit Beschulung auf Distanz abgelehnt habe, sei aus Sicht der Stadt Siegen jedoch nicht nachzuvollziehen und risikobehaftet. „Die aktuellen Entwicklungen und Entscheidungen zeigen, dass die Einschätzung der Schulträger hier richtig war und frühzeitiger die Möglichkeit zur individuellen, lagebedingten Entscheidungen hätte gegeben werden müssen“, lautet die städtische Kritik. Andere Bundesländer hätten Konzepte erstellt, die auf Hybridunterricht und verkleinerte Lerngruppen setzten. In NRW gebe es das noch nicht. „Nach unserer Auffassung hätten die Schulträger in einer Situation, in der die Sieben-Tage-Inzidenz vielerorts deutlich über 200 liegt, Handlungsoptionen benötigt, um einen sicheren Schulbetrieb gewährleisten zu können.“ Notwendig sei ein Handlungsrahmen mit landesweit gültigen, an die Infektionsentwicklung angepassten Szenarien, um rechtssicher handeln zu können. Präsenzunterricht sollte solange wie möglich stattfinden, meint Schmidt. „Der Infektionsschutz muss aber neben pädagogischen und bildungspolitischen Aspekten im notwendigen Abwägungsprozess ebenso Berücksichtigung finden.“

Über die Hälfte der Schüler zu Hause

In dieser Woche, mit dem verschärften Shutdown, ist Distanzunterricht erlaubt. Eine Abfrage an allen Schulen hat laut Schmidt ergeben, dass mehr als die Hälfte der Schüler zu Hause geblieben sei. Der „digitale Vorreiter“ der Stadt, die Gesamtschule am Schießberg, schalte ab heute komplett in den Distanzunterricht um.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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