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Hohe Strafen drohen
Bestatter kämpfen und hadern mit den Corona-Auflagen

Beerdigungen in Zeiten von Corona sind für Angehörige besonders schwer. Aber auch Bestatter spüren die Herausforderungen für ihre Arbeit.
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  • Beerdigungen in Zeiten von Corona sind für Angehörige besonders schwer. Aber auch Bestatter spüren die Herausforderungen für ihre Arbeit.
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Entschleuniger, Tröster, Helfer, Eventmanager und Problemlöser – der Beruf des Bestatters hat viele Gesichter. Doch das ist noch nicht alles. Denn seitdem die Corona-Pandemie unseren Alltag bestimmt, kommt auf die Trauerbegleiter jetzt noch eine weitere Aufgabe hinzu – eine ziemlich zeitaufwendige. Sie müssen die entsprechenden 3-G-Nachweise der Trauergäste kontrollieren. Dass es hierbei auch zu unangenehmen Situationen kommen kann, ist mittlerweile leider an der Tagesordnung. Welche Corona-Regeln aktuell gelten, wie die Bestatter in der Region mit den Corona-Auflagen umgehen und welche Strafen drohen.

gro Si

Entschleuniger, Tröster, Helfer, Eventmanager und Problemlöser – der Beruf des Bestatters hat viele Gesichter. Doch das ist noch nicht alles. Denn seitdem die Corona-Pandemie unseren Alltag bestimmt, kommt auf die Trauerbegleiter jetzt noch eine weitere Aufgabe hinzu – eine ziemlich zeitaufwendige. Sie müssen die entsprechenden 3-G-Nachweise der Trauergäste kontrollieren. Dass es hierbei auch zu unangenehmen Situationen kommen kann, ist mittlerweile leider an der Tagesordnung. Welche Corona-Regeln aktuell gelten, wie die Bestatter in der Region mit den Corona-Auflagen umgehen und welche Strafen drohen.

gro Siegen. Auch Bestatter Philipp Zapatka vom Bestattungsinstitut Zapatka und Edith Kellner in Mudersbach haben in den vergangenen Monaten die ein oder andere schwierige Situation meistern müssen. „Es kommt tatsächlich vereinzelt vor, dass wir nahestehende Verwandte oder Bekannte zunächst nicht hereinlassen können, weil eben der entsprechende 3-G-Nachweis oder in den meisten Fällen der Lichtbildausweis fehlt“, verrät er. Und: „Oft sind wir in solchen Situationen dann natürlich der Buhmann, nur weil wir die Anweisungen befolgen.“ Ihm bleibt oft jedoch nichts anderes übrig – denn was viele nicht wissen: Auch auf die Bestatter kommen im schlimmsten Fall hohe Bußgelder zu, wenn sie die Kontrollen nicht ordnungsgemäß durchführen.

Corona-Auflagen: Bestattern drohen hohe Strafen

„Das können Strafen bis zu 2000 Euro sein“, weiß der 30-Jährige. Eine unangenehme Situation – für alle Beteiligten. Denn alle Umstände, die damit verbunden sind, gehen an den Trauerbegleitern selbstverständlich nicht spurlos vorbei. „Es zerbricht einem ehrlich gesagt das Herz, wenn man am Ende die Ehefrau oder den Enkel nicht hereinlassen darf“, gibt der Bestatter in zweiter Generation zu. Aus diesem Grund sei es ihm ein Anliegen, dass Corona-Maßnahmen und Regelungen besser kommuniziert würden, damit in Zukunft jeder ohne große Einschränkungen Abschied nehmen könne.

Philipp Zapatka vom Bestattungsinstitut Zapatka steht angesichts der Corona-Auflagen immer wieder vor großen Hürden.
  • Philipp Zapatka vom Bestattungsinstitut Zapatka steht angesichts der Corona-Auflagen immer wieder vor großen Hürden.
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Denn dies sei extrem wichtig: „Jemandem die letzte Ehre erteilen zu können, ist sehr, sehr bedeutend für die Trauerarbeit. Ich erlebe es häufig, wie sehr und wie lange es Angehörige belastet, wenn sie das nicht konnten.“ Sehr schlimm sei die Phase gewesen, als die Krankenhäuser erneut abgeriegelt worden seien und die Angehörigen nicht mehr zu den Sterbenden konnten. „Da bleibt überhaupt keine Zeit, Abschied zu nehmen. Die Hygienebestimmungen sind aus meiner Sicht unumgänglich, aber wir müssen bei aller Gesetzgebung noch Menschen bleiben.“

Nicht alle Bestatter kontrollieren die 3-G-Vorgaben konsequent

Wütend mache ihn jedoch die Tatsache, dass es hin und wieder Beerdigungsinstitute gebe, die die Kontrollen nicht oder nur teilweise durchführten. „Wir stecken in einer Pandemie und die Regelungen gibt es ja nicht umsonst. Sie schützen auch uns Bestatter vor einer Ansteckung“, betont Zapatka. Man dürfe in diesem Zusammenhang also auch nicht vergessen, dass es bei Beerdigungen derzeit keine Personenbegrenzung gebe und deshalb auch viele Leute, richtigerweise, zusammen kommen dürften. „Dennoch gilt gleiches Recht für alle. Und ein Test- oder Impfnachweis ist da sicherlich das geringere Übel“, findet der junge Bestatter.

Wenn es keinen Abschied gibt

Auch Tobias Bell vom Beerdigungsinstitut Pietät in Siegen hat aufgrund der Corona-Maßnahmen deutlich mehr zu tun. „Wir haben derzeit einen doppelten Personalaufwand“, verrät er gegenüber der SZ. Denn neben dem Empfang der Angehörigen gehöre eben auch die Kontrolle der Nachweise und die Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen dazu. „Das fängt beim Auffüllen des Desinfektionsmittels an und hört beim Lüften auf“, sagt Bell und betont weiter: „Wir sind also quasi nicht nur Bestatter, sondern auch Türsteher und Hygienebeauftragter.“ Auch der Eigenschutz nehme Zeit in Anspruch.

Bestatter sehnen das Ende der Corona-Pandemie herbei

Um zu vermeiden, dass Trauernde nach Hause geschickt werden müssten, sei er in der Vergangenheit gut damit gefahren, die Verwandtschaft mehrfach über die 3-G-Regelung zu informieren. „Wenn es beispielsweise eine Zeitungsanzeige gibt, bitten wir die Familien, dies darin zu kommunizieren. Das funktioniert gut.“
Auch wenn sich die Bestatter nach und nach an die vielen Zusatzaufgaben gewöhnen, wünschen sich dennoch alle das gleiche: Ein Ende der Pandemie – damit vor allem die Angehörigen der Verstorbenen in Ruhe trauern können.

Bestattungen: Die Corona-Regeln im Überblick

  • In allen Innenräumen, sowie im Freien in Warteschlangen ist eine Maske zu tragen.
  • Kinder bis zum Schuleintritt sind von der Verpflichtung zum Tragen einer Maske ausgenommen.
  • Auch das Singen ist nur mit Maske gestattet.
  • Es gilt die 3-G-Regelung. Die Nachweise einer Immunisierung oder Testung sind beim Zutritt zu den Veranstaltungen dem Veranstalter (Bestatter) vorzuzeigen.
  • Neben dem Nachweis muss auch immer ein amtliches Ausweispapier (z.B. Personalausweis) vorgezeigt werden.
  • Ein Antigen-Schnelltest darf nicht älter als 24 Stunden alt sein, der PCR-Test höchstens 48 Stunden.
  • Schüler, die einen entsprechenden Schülerausweis vorzeigen können, gelten aufgrund ihrer Teilnahme an den verbindlichen Schultestungen als getestete Personen.
Beerdigungen in Zeiten von Corona sind für Angehörige besonders schwer. Aber auch Bestatter spüren die Herausforderungen für ihre Arbeit.
Philipp Zapatka vom Bestattungsinstitut Zapatka steht angesichts der Corona-Auflagen immer wieder vor großen Hürden.
Autor:

Sarah Groos

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