Knatsch um Herrengarten
Beton liegt Grünen schwer im Magen

Viel Grün, viel offene Fläche und ein Betonrahmen: So soll der Herrengarten künftig aussehen.
  • Viel Grün, viel offene Fläche und ein Betonrahmen: So soll der Herrengarten künftig aussehen.
  • Foto: Rehwaldt
  • hochgeladen von Marc Thomas

js Siegen. Kurz vor dem Ziel gibt es noch einmal Knatsch. Der Siegener Bauausschuss nickte die Entwurfsplanung zur Neugestaltung des Herrengartens am Mittwoch zwar einstimmig ab – „grünes Licht gab die Politik jedoch nicht aus vollem Herzen, zumindest nicht die Fraktion der Grünen. Die hatte sich in der vergangenen Woche zu Wort gemeldet und einem wesentlichen Gestaltungselement des künftigen Innenstadtparks an der Sieg eine Absage erteilt: der Betonumrandung.

Bei dieser handele es sei „mal wieder eine typisch Siegener Lösung“, gossen die Grünen Wasser in den Wein. „Wir wollen endlich weg von Beton-dominierten Gestaltungen.“ Vielmehr solle auf Bruchsteinmauern, unterbrochen von Bänken und kleinen Hecken in unterschiedlicher Höhe gesetzt werden. Auch bei der Bepflanzung solle „eher auf heimische Bäume und Sträucher“ gesetzt werden – Besucher sollten lieber Äpfel pflücken können als Feigen. Letztere sind im Entwurf vorgesehen, als Zitat aus der Geschichte des Gartens, in dem es auch eine Orangerie mit exotischen Früchten gab.

Richtiger Zeitpunkt in Wettbewerbsphase

Die Kritik zu später Stunde sei ihm „übel aufgestoßen“, ärgerte sich Stadtbaurat Henrik Schumann am Dienstag, als der Umweltausschuss einen Blick auf die Entwurfsplanung warf. „Schade, dass so ein Signal ausgesendet und das Projekt zerredet wird.“ Der richtige Zeitpunkt, dies einzubringen, sei bereits in der Wettbewerbsphase gewesen. Schumann warnte: „So etwas wird auch vom Zuschussgeber beobachtet.“ Unterstützung kam von CDU-Mann Henner Klaas: Die Betonstützmauer sei stilprägendes Element der Herrengarten-Planung. Sie im Nachhinein in Frage zu stellen, sei unverständlich. Klaas befürchtete eine „Fißmeranlage 2“ – aus deren bereits beschlossener Umgestaltung wurde am Ende auch nichts.

Im Umweltausschuss hielten sich die Grünen bedeckt, im entscheidenden Bauausschuss kam tags darauf der Beton wieder aufs Tapet. Angela Jung (Grüne) bat um nochmalige Prüfung. Beton sei einfach nicht das Material der Zukunft. An dieser Stelle sollte der Entwurf korrigiert werden. Die Vertreterin des Dresdner Planungsbüros Rehwaldt hingegen bezeichnete Beton als „genialen Baustein“. Im Hochbau könne er ersetzt werden, im Tiefbau nicht. So stabil und vandalismussicher sei kein anderer Baustoff. Ihr Vorschlag: Bei der Ausführungsplanung solle auf „nachhaltige Konstruktionslösungen“ gesetzt werden; es solle zwar Beton verwendet werden, das aber in begrenztem Volumen, durch aufgeständerte oder hohle Bauweisen etwa.

Herrengarten-Areal: Bodentiefe Betoneinfassung

Zur Erklärung: Das begrünte Herrengartenareal soll eine Betoneinfassung bekommen, die an einigen Stellen bodentief und somit barrierefrei ist, andernorts aber Sitzgelegenheiten in zwei Höhen bietet. Dieser „Rahmen“ ist eine Reverenz an die frühere Mauer um den Herrengarten, der erst 1977 überbaut wurde.

Keine große Diskussion ist übrigens über die Zukunft des Windspiels zu erwarten, das derzeit auf einer langen Stange vor dem dem Abbruch geweihten Herrengarten-Geschäftshauses steht. Dessen Schöpfer, der Kasseler Künstler Friedel Deventer, legt keinen Wert auf Werk und Urheberrecht. Es kann also komplett aus dem künftigen City-Park verschwinden.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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