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Deutlich weniger Lehrverträge als üblich abgeschlossen
Betriebe müssen um Azubis kämpfen

Sie befinden sich im dritten Jahr ihres dualen Studiums und lernen derzeit im Aus- und Weiterbildungszentrum Bau Fellinghausen ihr „Handwerk“, bevor es nächste Woche wieder in den Betrieb geht und Klausuren anstehen.
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  • Sie befinden sich im dritten Jahr ihres dualen Studiums und lernen derzeit im Aus- und Weiterbildungszentrum Bau Fellinghausen ihr „Handwerk“, bevor es nächste Woche wieder in den Betrieb geht und Klausuren anstehen.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

nja Fellinghausen. „Die Industrie braucht Nachwuchs! Vor 15 Jahren gab es zu wenige Ausbildungsplätze. Heute ist die Situation grundlegend anders: Die Betriebe müssen sich bei den jungen Leuten bewerben.“ Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen-Wittgenstein/Olpe, nannte die Lage am Montagmorgen im Fellinghausener Aus- und Weiterbildungszentrum Bau (AWZ) besorgniserregend. In den zehn Jahren vor Corona seien im IHK-Bezirk im Schnitt pro Jahr 2272 Lehrverträge in Industrie und Handel unterzeichnet worden. 2020 seien es nur noch 1820 gewesen. Sollte 2021 ähnlich verlaufen, bedeute dies im zweiten Jahr rund 450 Lehrverträge weniger als üblich.

nja Fellinghausen. „Die Industrie braucht Nachwuchs! Vor 15 Jahren gab es zu wenige Ausbildungsplätze. Heute ist die Situation grundlegend anders: Die Betriebe müssen sich bei den jungen Leuten bewerben.“ Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen-Wittgenstein/Olpe, nannte die Lage am Montagmorgen im Fellinghausener Aus- und Weiterbildungszentrum Bau (AWZ) besorgniserregend. In den zehn Jahren vor Corona seien im IHK-Bezirk im Schnitt pro Jahr 2272 Lehrverträge in Industrie und Handel unterzeichnet worden. 2020 seien es nur noch 1820 gewesen. Sollte 2021 ähnlich verlaufen, bedeute dies im zweiten Jahr rund 450 Lehrverträge weniger als üblich.

Aktuelle Probleme im Fokus

Die Christliche Demokratische Arbeitnehmerschaft Siegen-Wittgenstein hatte zu einem Gespräch eingeladen, um unter der Überschrift „Ausbildung in der Krise?“ über aktuelle Probleme zu sprechen. Mit in der Runde saßen neben AWZ-Geschäftsführer Horst Grübener u. a. auch Ulf Richter, Kanzler der Universität Siegen, Holger Rüthing, Berufsberatung der Agentur für Arbeit, Matthias Rink von der Kreishandwerkerschaft Olpe, CDA-Kreisvorsitzender Hartmut Steuber sowie die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Anke Fuchs-Dreisbach und Jens Kamieth. Grübener ist durchaus optimistisch, im AWZ die Ausbildungszahl des Vorjahresniveaus zu erreichen. Da waren es 128 gewerbliche: „Es gab 2020 keinen Rückgang bei uns.“

Hier werden Grundfundamente gesetzt.
Horst Grübener
AWZ-Geschäftsführer

Im Fokus stand die Sorge um die Zukunft der Unternehmen, Auswirkungen des Azubi-Mangels auch auf die Bildung von Berufsschulklassen – und die Frage, wie junge Leute für einen Ausbildungsberuf begeistert werden können. Mit dem dualen Studium gehe man einen richtigen und wichtigen Schritt, waren sich alle einig. „Hier werden Grundfundamente gesetzt, hier wird fundiertes Wissen mit Praxis unterlegt“, schwärmt Grübener. Hier, so ergänzt Innungsobermeister Stephan Hundhausen, merke manch dualer Student: Ich bin im Handwerk doch besser aufgehoben.

Duale Ausbildung ein gutes Modell

Im AWZ nutzen pro Jahr zwischen 25 und 30 junge Leute diese zweigleisige Chance. Eine von ihnen ist Antonia Germann: Sie packe gerne an, liebe es, mit den Händen zu arbeiten, erzählt sie. Uni-Kanzler Richter fragt nach der Arbeitsbelastung. „Das Zeitmanagement ist schon mal ein Problem“, berichtet Batuhan Yilmaz, dualer Student. Nächste Woche beginne der nächste Block im Betrieb – „und parallel dazu kommen Klausuren“. Empfehlen würde er die duale Ausbildung aber auf alle Fälle. „Es ist für die Region extrem wichtig, andere junge Menschen fürs duale Studium hierher zu ziehen“, betont Richter. Gräbener lenkt den Blick auf die Schulen: „Wir haben im Moment immer mehr Schüler in Schulen, die nicht in erster Linie ihren Bildungsauftrag darin sehen, sich aufs Berufsleben vorzubereiten, sondern auf ein Studium. Wir haben eine Praktikumslücke und eine Berufswahl-Lücke“, weil wegen Corona ein Jahr lang so gut wie keine Berufswahl-Orientierung stattgefunden habe.

Gewaltige Einbrüche erwartet

Gespräche für eine dringend notwendige regionale Praktikums-Offensive liefen. Am Ende des Ausbildungsjahres werde es zum zweiten Mal also gewaltige Einbrüche geben: „Wenn das noch ein, zwei Jahre so weiter geht, dann werden wir in der Industrie auch in der Fachklassenbildung der Berufskollegs Probleme haben, die das Handwerk schon lange Jahre kennt.“ Matthias Rink fordert von der Politik in dieser Frage mehr Toleranz ein. Im Vorjahr gab es in seinem Beritt einen mehr als zehnprozentigen Rückgang an Ausbildungsverträgen. Wenn es in diesem Jahr eventuell leichte Zuwächse geben sollte, könne man  aber dieses Minus nicht auffangen.

Bewerberzahlen deutlich zurückgegangen

„Die Bewerberzahlen sind auch bei uns deutlich zurückgegangen“, bestätigt Holger Rüthing von der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. 464 Jugendliche suchten offiziell noch eine Lehrstelle. „Dem gegenüber stehen 1300 Stellen“: Er spricht von einem „El Dorado“. „Wir sind an den Jugendlichen dran, versuchen, alternative Zugänge zu schaffen.“ Ein Telefonat oder Kurzsteckbrief z. B. als Ersatz für das klassische Bewerbungsverfahren sei denkbar. In seinem Olper Zuständigkeitsbereich komme das „Mobilitätsproblem“ hinzu. Ein Beispiel: Für einen Jugendlichen  aus Wenden habe sich jüngst eine Stelle in Finnentrop oder Grevenbrück allein deshalb erübrigt.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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