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Benteler: Mitarbeiter protestieren gegen Standortschließung
Betriebsrat attackiert Management

Die Benteler-Belegschaft am Standort Weidenau will die Entscheidung des Konzerns nicht geräuschlos akzeptieren.
  • Die Benteler-Belegschaft am Standort Weidenau will die Entscheidung des Konzerns nicht geräuschlos akzeptieren.
  • Foto: Betriebsrat
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vö Weidenau. Nach der völlig überraschenden Ankündigung des Benteler-Konzerns, den Standort Weidenau Mitte 2022 zu schließen (die Siegener Zeitung berichtete), meldet sich jetzt der Betriebsrat des Automobilzulieferers mit deutlichen Worten in der Öffentlichkeit – und kritisiert das Management in schärfster Form.

„Die Art und

Weidenau. Nach der völlig überraschenden Ankündigung des Benteler-Konzerns, den Standort Weidenau Mitte 2022 zu schließen (die Siegener Zeitung berichtete), meldet sich jetzt der Betriebsrat des Automobilzulieferers mit deutlichen Worten in der Öffentlichkeit – und kritisiert das Management in schärfster Form.

„Die Art und Weise, mit welcher unfassbaren Dreistigkeit, emotionalen Lustlosigkeit und unbeschreiblichen Kaltschnäuzigkeit sich Arbeitgebervertreter den etwa 150 anwesenden Mitarbeitern mit der Nachricht ihrer zukünftigen Arbeitslosigkeit präsentierten, um sie dann in Urlaub zu schicken, ist selbst eingefleischten Gewerkschaftssekretären und erfahrenen Betriebsräten noch nicht entgegengebracht worden.“ Respektloser gehe es nicht mehr.

Warmformwerk eiskalt abserviert

Das Vertrauen, das 270 Mitarbeiter wiederholt über die vergangenen vier Jahre in das Unternehmen mit Verschiebung von Lohn- und Tarifzusatzleistungen, Sozialleistungen, Stundenkonten, Kurzarbeit und vielen Opfern im sozialen Bereich in Familie und Vereinen durch angepasste Schichtarbeit eingebracht hätten, werde mit einem leidenschaftslosen Satz zur Werksschließung zerstört. Mehr sei dem Management die 40-jährige Tradition des Standortes Weidenau nicht Wert gewesen. Den Mitarbeitern sei statt dessen ein Arbeitsplatz in Osteuropa angeboten worden – zu den dortigen Bedingungen.

270 Existenzen vernichtet

Der Betriebsrat bezieht Position: Dass Märkte, Preise, Absatzfragen oder Mitbewerber sich veränderten – ja, dies geschehe Mitbewerbern auch. Aber: „Leider ist es dem Management in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten nicht gelungen, Benteler auf den richtigen Kurs zu führen.“ Ohne Vorwarnung, ohne Gespräche über Konzepte, ohne Vorschläge oder Anhörung des örtlichen Betriebsrates, des Gesamtbetriebsrates oder des Konzernbetriebsrates würden Entscheidungen getroffen, die 270 Existenzen vernichteten.

"Leider ist es dem Management
in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten nicht gelungen,
Benteler auf den richtigen Kurs zu führen."

Betriebsrat
Benteler-Standort Weidenau

Gesetzlich vorgesehene Gremien würden übergangen, ignoriert und für dumm verkauft. Und weiter: „Es ist, entgegen der Pressemitteilung der Benteler Automobiltechnik, nicht richtig, dass es bereits Gespräche mit den Betriebsräten gegeben hat. Hier vor Ort definitiv nicht.“ Ein abgeschlossener Zukunftsdialog von 2017, der die Zukunft des Werkes stärken sollte, sei nur einen Tag nach Auslauf mit Füßen getreten und verbrannt worden.

Maximale Ausbeutung beim Werk in Weidenau

Vom Versprechen, dass keine Werke aufgegeben würden, sei nichts übrig geblieben. Das Werk in Weidenau habe seit den 1990er-Jahren unter anderem mit geringen Investitionen und maximaler Ausbeutung leben müssen. Trotzdem identifizierten sich die meisten Mitarbeiter seit Jahrzehnten für und mit der Benteler-Familie. Fabriken öffne man in der ganzen Welt, dafür sei Geld vorhanden, kritisiert der Betriebsrat. „Geld, das von einem über 140-jährigen Familienunternehmen auch in Deutschland und auch in Siegen verdient wurde.“

Am Tage der Verkündung zur Schließung des Werkes Weidenau werde ein neues Werk in Brasilien feierlich eröffnet. „Paradox“, sagt der Betriebsrat. Die Vertretung der Arbeitnehmer gibt sich kämpferisch: „Wir werden als Teil der Benteler-Familie nicht aufgeben und werden alle Kräfte mobilisieren, die uns zur Verfügung stehen, um mit Mitarbeitern, Betriebsräten und Gewerkschaft sogenannten Managern die Stirn zu bieten. Die haben über Jahre versagt und stehlen mit einer Dreistigkeit, Arroganz und einer Kaltschnäuzigkeit 270 Familien in und um Siegen die Existenz und ein Stück Heimat.“

Langer und teurer Arbeitskampf

Nach SZ-Informationen will die Konzernführung die Abwicklung des Werkes über den Gesamtbetriebsrat realisieren, in Weidenau stimmt sich der Betriebsrat auf „einen langen und teuren Kampf“ ein.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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