Betrug und Insolvenzverschleppung?

 Mit über 1,3 Mill. Euro steht die Geschäftsführerin der Emmaburg bei vier Handwerksbetrieben in der Kreide. Jetzt haben die Betroffenen Klage erhoben und Strafanzeige gestellt – auch wegen Betrugs und möglicher Insolvenzverschleppung. Archivfoto: Timo Karl   Der Bad Laaspher Rechtsanwalt Olaf Plum informierte gestern mit Erlaubnis seiner Mandanten über den aktuellen Sachstand. Foto: Holger Weber
  • Mit über 1,3 Mill. Euro steht die Geschäftsführerin der Emmaburg bei vier Handwerksbetrieben in der Kreide. Jetzt haben die Betroffenen Klage erhoben und Strafanzeige gestellt – auch wegen Betrugs und möglicher Insolvenzverschleppung. Archivfoto: Timo Karl Der Bad Laaspher Rechtsanwalt Olaf Plum informierte gestern mit Erlaubnis seiner Mandanten über den aktuellen Sachstand. Foto: Holger Weber
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howe - „Ich verfüge derzeit privat nicht über freie Vermögenswerte.“ Diesen Satz der Emmaburg-Investorin und Geschäftsführerin aus Kasachstan hat der Bad Laaspher Rechtsanwalt Olaf Plum schriftlich. Aus ist es also mit der großen Geldherrlichkeit. Von wegen „wohlhabende Dame“, die in der Lahnstadt etwas Tolles aufbauen will. Die Worte der damaligen Geschäftsführerin Irina Perrone klingen noch in den Ohren. Stattdessen geht es jetzt um den Vorwurf des Betrugs, der möglichen Insolvenzverschleppung, um vier Zivilklagen gegen die Investorin Nadeshda Yailidi und um Ansprüche gegen die Emmaburg Immobilien GmbH als Gesellschaft.

Am Freitag informierte Olaf Plum im Auftrag seiner vier Mandanten sehr sachlich über den Stand der Dinge. Die hiesigen Handwerksbetriebe sind es, die sich auf die Investorin Nadeshda Yailidi verlassen und etliche Arbeiten an der Emmaburg ausgeführt hatten. Jetzt steht die aktuelle und alleinige Geschäftsführerin der Emmaburg Immobilien GmbH mit über 1,3 Mill. Euro Abschlagszahlungen bei den Handwerkern in der Kreide. Gezahlt hat sie bislang nicht – und das, obwohl sie es angekündigt und zum Gespräch eingeladen hatte. Was Olaf Plum gestern in seiner Kanzlei mit Erlaubnis seiner Mandanten an Fakten auf den Tisch legte, löste in der Medienrunde Kopfschütteln aus. Nach telefonischem und schriftlichem Kontakt hatte es zunächst ganz gut ausgesehen. Nadeshda Yailidi signalisierte nicht nur Gesprächsbereitschaft hinsichtlich der bestehenden Forderungen der Handwerker, sie ließ über ihren Wetzlarer Anwalt auch eine schriftliche Einladung aussprechen. „Am 21. Juni wollten wir schauen, wo die Reise hingeht“, erläuterte Olaf Plum.

Denn schon am 3. Mai habe die Investorin ja gemeinsam mit Dolmetscher, Rechtsanwalt und den Handwerkern die Forderungen besprochen. Dort hatte sie erklärt, den Forderungen zu folgen und zugleich ihren Anwalt beauftragt, eine entsprechende Vereinbarung aufzusetzen, die am 6. Mai allen Mandanten, also den Handwerkern, vorgelegt wurde. Zahlungsziel sei der 10. Juni gewesen. Der ist nun schon längst vorüber, also traf man sich an besagtem 21. Juni. An diesem Tag wartete die Investorin mit einer unangenehmen Überraschung auf. Denn im Laufe des Gesprächs habe sich herausgestellt, so Olaf Plum, dass der anwesende Rechtsanwalt von „Frau Yailidi“ kein Kollege der Wetzlarer Kanzlei sei, sondern ein neuer Beauftragter aus Berlin. „Ich habe versucht, den Kollegen in Wetzlar später zu kontaktieren. Intern weiß niemand, wer jetzt die Sache betreut.“ Das Prozedere an jenem 21. Juni sei „mehr als befremdlich“ und der Sache nicht dienlich gewesen, so Plum. Zumal der neue Rechtsanwalt aus Berlin zum Sachverhalt nichts habe sagen wollen. Ihm lägen keine Unterlagen vor, die müssten die Handwerker ihm erst einmal vorlegen. Mehr noch: Der Kollege aus Berlin habe einen Sachverständigen beauftragen wollen, die ausgeführten Arbeiten der heimischen Handwerker zu überprüfen. „Es stand die Behauptung im Raum, unsere Handwerker hätten die Leistungen mehrfach abgerechnet“, verriet Olaf Plum. Sämtliche Fragen seinerseits seien von der Investorin nicht beantwortet worden. „Hier werden aus Opfern Täter gemacht.“

Die Strategie der Gegenseite sei nun Anlass für die Handwerker und für ihn gewesen, die Sitzung zu beenden. Olaf Plum und die vier Geschädigten fahren nun andere Geschütze auf. Dass „Frau Yailidi“ persönlich geradestehe, habe sie im Vorfeld unstreitig erklärt, das liege ihm auch schriftlich vor. Ebenso schriftlich liegt eine durchaus brisante Aussage der Emmaburg-Geschäftsführerin vor – nämlich, dass sie zurzeit nicht über freie Vermögenswerte verfüge. In diesem Zusammenhang berichtete Olaf Plum von einem Privatgrundstück in Reiskirchen, für das die Investorin die eidesstattliche Versicherung abgegeben habe. Zugleich stehe die Privatimmobilie aber im Internet für 1,45 Mill. Euro zum Verkauf. Es sei zu vermuten, dass sie das Haus „frei verkaufen“ wolle, ohne Insolvenzverwalter. Für einen seiner Mandanten habe er übrigens die Sicherung von Ansprüchen auf das Privatgrundstück in Reiskirchen beantragt, betonte Olaf Plum, sozusagen als Zwangssicherungshypothek. Außerdem habe die Emmaburg-Geschäftsführerin im April vor einem Gießener Notar eine Generalvollmacht für den damaligen Manager Manfred Perrone erteilt – übrigens im Beisein einer Dolmetscherin. „Sie hat die Vollmacht unterzeichnet.“ Jetzt streite sie dies ab. Sie sei missverstanden worden.

Für Olaf Plum und die vier Handwerker steht fest: „Nach dem 21. Juni ist die Glaubwürdigkeit von Frau Yailidi stark in Frage gestellt.“ Verfüge sie wirklich über keine freien Vermögenswerte, sei die Immobilien GmbH nicht zahlungsfähig. Dann hätte sie Insolvenz anmelden müssen. Und dann hätte sie auch am 3. Mai keine Ratenzahlungsvereinbarung treffen dürfen. Schließlich habe die Gesellschaft über keine eigenen Einnahmen verfügt. Der Betrieb sei ja da noch gar nicht gestartet. Was die SZ gestern auch erfuhr: Schon am 25. Mai habe die Gesellschafterversammlung der Emmaburg Service GmbH, eine Tochter der Immobilien GmbH, beschlossen, den Betrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen. Olaf Plum hat diese Information aus dem arbeitsgerichtlichen Verfahren, das gekündigte 20 Arbeitnehmer gegen die Emmaburg-Gesellschaft betreiben. Termin ist hier am 21. Juli vor dem Arbeitsgericht. Was auf die Handwerker jetzt in den Verfahren zukommt, ordnete Olaf Plum so ein: „Machen wir uns nichts vor, das wird ewig dauern.“

Immerhin gab es gestern auch eine positive Nachricht: Andere Handwerksbetriebe aus der Region hatten sich solidarisch mit den Geschädigten gezeigt und – trotz Wettbewerbssituation – ihre Hilfe angeboten, sofern die Betriebe wegen der Angelegenheit in die wirtschaftliche Schieflage gerieten. „Das finde ich erwähnenswert“.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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