SZ

40-Jähriger erneut mit Drogen erwischt
Bewährung "fast ein Abenteuer"

Seine wohl letzte Chance erhielt am Dienstag vor dem Landgericht Siegen ein 40 Jahre alter Mann, der erneut mit Drogen erwischt worden war. Da der Lennestädter aber viele Jahre straffrei lebte und einer festen Arbeit nachgeht, kam er noch einmal mit einem blauen Auge davon.
  • Seine wohl letzte Chance erhielt am Dienstag vor dem Landgericht Siegen ein 40 Jahre alter Mann, der erneut mit Drogen erwischt worden war. Da der Lennestädter aber viele Jahre straffrei lebte und einer festen Arbeit nachgeht, kam er noch einmal mit einem blauen Auge davon.
  • Foto: kalle (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen. „Der Angeklagte sollte das jetzt als seine letzte Chance ansehen“, mahnte Staatsanwalt Moritz Faßbender vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts. Dort wurde am Dienstag ein 40-Jähriger aus Lennestadt wegen des Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unter Mitführung von Schusswaffen in einem minderschweren Fall zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. „Das muss der Endpunkt seiner Drogenkarriere sein“, meinte auch Verteidiger Martin Kretschmer. Und Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach nannte die erneute Bewährungsstrafe „fast ein Abenteuer. Wir haben wirklich alle Augen zugedrückt.“
Prall gefüllte Vorstrafen-AkteTatsächlich ist die Vorstrafen-Akte des Deutschen prall gefüllt.

cs Siegen. „Der Angeklagte sollte das jetzt als seine letzte Chance ansehen“, mahnte Staatsanwalt Moritz Faßbender vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts. Dort wurde am Dienstag ein 40-Jähriger aus Lennestadt wegen des Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unter Mitführung von Schusswaffen in einem minderschweren Fall zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. „Das muss der Endpunkt seiner Drogenkarriere sein“, meinte auch Verteidiger Martin Kretschmer. Und Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach nannte die erneute Bewährungsstrafe „fast ein Abenteuer. Wir haben wirklich alle Augen zugedrückt.“

Prall gefüllte Vorstrafen-Akte

Tatsächlich ist die Vorstrafen-Akte des Deutschen prall gefüllt. Dieses Mal ging es um den Besitz von 63 Gramm Amphetaminen, 145,6 Gramm Marihuana, fünf Ecstasy-Tabletten sowie zwei geladene und schussbereite CO2-Schusswaffen, die Beamte der Kreispolizeibehörde Olpe bei einer Wohnungsdurchsuchung im November 2017 sichergestellt hatten. Eigentlich hatten die Ermittler einen anderen Verdächtigen aus dem Milieu im Visier – abgehörte Telefonate brachten die Polizisten jedoch auf die Spur des Lennestädters.

Angeklagter räumte die Vorwürfe ein

Die Beweisaufnahme ging zügig vonstatten. Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ein und gab an, im engen Freundes- und Bekanntenkreis Handel mit den Betäubungsmitteln betrieben zu haben. Teilweise seien die Drogen für den Eigenkonsum bestimmt gewesen, diesen habe er durch den Weiterverkauf finanziert. Die CO2-Waffen habe er geschenkt bekommen und mit diesen hin und wieder auf einem Schießplatz geschossen. Zum Zeitpunkt der Wohnungsdurchsuchung habe er mit seiner damaligen Lebensgefährtin und deren kleiner Tochter zusammengelebt. „Deswegen hat er die Drogen und die Waffen im Schlafzimmerschrank gelagert“, erklärte Verteidiger Martin Kretschmer, der zu Beginn eine schriftliche Einlassung seines Mandanten vortrug. Die Frau gab im Zeugenstand an, nichts von den Drogen in der gemeinsamen Wohnung gewusst zu haben. Sie sei „ein bisschen entsetzt“ gewesen, meinte die 35-jährige Lennestädterin, obwohl sie von den Vorstrafen ihres damaligen Freundes gewusst habe.

Fester Job und deutlich reduzierter Drogenkonsum

Das Leben der Angeklagten habe sich in den vergangenen Monaten gewaltig gewandelt, führte Verteidiger Kretschmer weiter aus. Bereits seit April 2018 stehe der 40-Jährige in einem dauerhaften Beschäftigungsverhältnis bei einem Unternehmen in Elspe. Er arbeite hart und fleißig – auch, um seinen Schuldenberg abzubezahlen, der bereits von rund 12 000 auf 8000 Euro geschrumpft sei.
„Drogenfrei lebt er noch nicht“, gab der Rechtsanwalt unumwunden zu. „Durchschnittlich am Wochenende einen Joint, Amphetamine vielleicht alle sechs Wochen mal“, gab der Angeklagte zu Protokoll. „Betäubungsmittel spielen in Ihrem Leben schon ganz lange eine Rolle“, resümierte Elfriede Dreisbach. „Können Sie uns das erklären?“, wandte sie sich direkt an den in Polen geborenen und im Alter von zehn Jahren nach Deutschland gekommenen Mann. „Wenn ich es mir selbst erklären könnte, könnte ich es auch Ihnen erklären“, antwortete der 40-Jährige.

Sauerländer trat Anfang der 2000er erstmals in Erscheinung

Erstmals trat der Sauerländer, der 1996 die Hauptschule zu Ende brachte und danach erfolgreich eine Bäckerlehre absolvierte, zu Beginn der 2000er-Jahre in Erscheinung. Besitz von Betäubungsmitteln, Diebstahl, Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz – das Vorstrafenregister des Mannes ist vielfältig. Im Jahr 2004 wurde er wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr erstmals zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Bis 2012 folgten weitere Verurteilungen, in sämtlichen Fällen wurde die Bewährung widerrufen und die Freiheitsstrafe vollstreckt. Von 2009 bis 2012 saß der Mann im Gefängnis, „in der Zeit haben Sie vier Strafen verbüßt“, stellte Elfriede Dreisbach fest.

Staatsanwaltschaft möchte Teufelskreis vermeiden

Gegen den Angeklagten sprächen seine erheblichen Vorstrafen sowie die Tatsache, dass er keine seiner Bewährungen durchgehalten habe, führte Moritz Faßbender in seinem Plädoyer aus. „Außerdem hat er hier lediglich vage Therapie-Bemühungen geäußert“, meinte der Staatsanwalt weiter. Dennoch: Seine letzte Verurteilung liege zehn Jahre zurück, danach habe er acht Jahre lang straffrei gelebt. „Und wir müssen bedenken, dass eine erneute Haftstrafe zum Verlust des Arbeitsplatzes führen würde, wodurch der Angeklagte in einen Teufelskreis geraten könnte“, wog Faßbender ab. Verteidiger Martin Kretschmer pflichtete den Ausführungen der Staatsanwaltschaft bei und bescheinigte dem 40-Jährigen „immense Fortschritte“.

"Es ist Ihr Leben. Machen Sie was draus"

Ein Selbstläufer wird die Bewährung nicht: Der Angeklagte muss sich auf eigene Kosten alle drei Monate einem Drogen-Screening unterziehen sowie eine ambulante Drogen-Entzugstherapie nachweisen. „Machen Sie was draus“, appellierte Richtern Elfriede Dreisbach an den Mann: „Es ist Ihr Leben.“

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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