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Urteil vor dem Landgericht Siegen
Bewährung für Flaschen-Schläger

Vor dem Landgericht Siegen fiel jetzt das Urteil gegen einen 32-Jährigen, der seiner Ex-Freundin eine Flasche an den Kopf geschlagen hatte - die Frau verstarb noch am gleichen Tag.
  • Vor dem Landgericht Siegen fiel jetzt das Urteil gegen einen 32-Jährigen, der seiner Ex-Freundin eine Flasche an den Kopf geschlagen hatte - die Frau verstarb noch am gleichen Tag.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mick Siegen. Zwei Jahre auf Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge, das ist das Urteil gegen den 32-jährigen Siegerländer, der am 3. August 2018 seiner Partnerin mit einer PET-Flasche ins Gesicht geschlagen hat. Dabei erlitt die junge Frau eine Platzwunde an der rechten Schläfe, die heftig blutete. Sie verstarb einige Zeit später.
Mann soll Ex-Freundin Flasche an den Kopf geschlagen haben
Der Gerichtsmediziner hat keine Zweifel, dass der Tod des Opfers auf zwei Komponenten beruht, die jeweils nicht weggedacht werden können: Zum einen litt die Verstorbene unter einem schweren Alkoholproblem, hatte auch an jenem Tag heftig getrunken und mindestens 2,84 Promille im Blut.

mick Siegen. Zwei Jahre auf Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge, das ist das Urteil gegen den 32-jährigen Siegerländer, der am 3. August 2018 seiner Partnerin mit einer PET-Flasche ins Gesicht geschlagen hat. Dabei erlitt die junge Frau eine Platzwunde an der rechten Schläfe, die heftig blutete. Sie verstarb einige Zeit später.

Mann soll Ex-Freundin Flasche an den Kopf geschlagen haben

Der Gerichtsmediziner hat keine Zweifel, dass der Tod des Opfers auf zwei Komponenten beruht, die jeweils nicht weggedacht werden können: Zum einen litt die Verstorbene unter einem schweren Alkoholproblem, hatte auch an jenem Tag heftig getrunken und mindestens 2,84 Promille im Blut. Zum anderen war es zu einem großen – nicht genau bezifferbaren – Blutverlust gekommen, was in Kombination das Herz-Kreislaufsystem irgendwann zusammenbrechen ließ. Der Angeklagte hatte gemerkt, dass etwas nicht stimmte und sich ausgiebig bemüht, die heftige Blutung zu stillen.

Angeklagter wollte den Tod der Frau keinesfalls

Aus Sicht der Kammer ist ihm der Tod der Frau aufgrund des Schlages zuzurechnen. Er habe ihn aber keinesfalls gewollt oder erwartet, weshalb die Kammer einen minderschweren Fall zugrundelegte. „Was hier geschehen ist, ist ganz furchtbar“, beschreibt Richterin Elfriede Dreisbach das Geschehen. Eigentlich gebe es gar keine passende Strafe dafür. Im Grunde sei das vorliegende Geschehen ein schrecklicher Unglücksfall, eine sehr unglückliche Verkettung von Umständen und zugleich Teil einer ganzen Reihe von Gewaltvorgängen, die das Zusammenleben des Paares über Monate bestimmt habe.

Eine Geschichte von Alkohol, Drogen und Gewalt

Sie hatten sich im Herbst 2017 in einem Siegener Krankenhaus bei einer Entgiftung kennengelernt. Der Angeklagte trank und nahm seit Jahren Drogen jeder Art. Die junge Frau litt dagegen seit längerem an Depressionen, hatte versucht, diese mit Trinken zu bekämpfen – außer in der Zeit ihrer Schwangerschaft – und dabei ein schweres Alkoholproblem entwickelt. Drei Monate Verliebtheit folgten, dann „begann die schreckliche Zeit“, fasst Richterin Dreisbach zusammen. Es gab Streit und Gewalt von beiden Seiten, wobei das spätere Opfer freilich immer die schwereren Verletzungen erlitten habe.

Polizei permanent vor Ort

Die Polizei wurde zum Dauergast in der Wohnung, manchmal mehrmals in der Woche. Zwei Polizistinnen hatten als Zeuginnen den steten Verfall der Wohnung und beider Menschen beschrieben, wie die junge Frau ständig mit geschwollenem Gesicht und überall erkennbaren Hämatomen angetroffen wurde. Die Beamtinnen waren sehr bemüht gewesen, die beiden auf einen anderen Weg zu bringen, erfolglos. Keiner von ihnen hätte die Kraft gehabt, die Beziehung zu beenden, bedauert die Vorsitzende. Die Mutter der Toten war am Abend des Tattages in die Wohnung gekommen und hatte ihre Tochter bewusstlos gefunden. Irgendwann vorher müsse es wieder einmal zum Streit gekommen sein – und leider habe der Angeklagte „wie üblich“ mit Gewalt reagiert. Das ist der entscheidende Begriff, der letztlich zum Bewährungsurteil geführt hat. Das Tatgeschehen war nichts Besonderes.

Schlag mit der Flasche nichts ungewöhnliches

Über das Frühjahr hatte der Mann seiner Partnerin eine Parfümflasche ins Gesicht geworfen, ihr die Rippen und später mit einem Schlag auch noch die Nase gebrochen. Der Einsatz der Plastikflasche gegen den Kopf sei bedauerlicherweise nicht ungewöhnlich gewesen. Allerdings könne ein Schlag gegen den Kopf theoretisch immer schlimme Folgen haben, daher müsse er sich den Tod des Opfers zurechnen lassen.
Der Angeklagte leidet an einer Schizophrenie, war aber zur Tatzeit uneingeschränkt schuldfähig. Seine Vita, seine Bemühungen, die Blutung der Frau zu stillen und sich bis zum Eintreffen der Mutter um sie zu kümmern, haben zur Annahme eines minderschweren Falles geführt. Die zweite angeklagte Körperverletzung mit dem angeblichen Versuch, die Wunde mit Hilfe einer Nadel zu schließen, ist nicht nachgewiesen: „Und wenn, wollte er ihr nur helfen.“

"Wir wollten ihn nicht ins Gefängnis schicken"

Das Gericht zeigt sich überzeugt, dass keine Wiederholungsgefahr bestehe, vor allem eine solche Verkettung fataler Umstände kein zweites Mal zu fürchten sei. „Deshalb wollten wir ihn jetzt nicht ins Gefängnis schicken“, erklärt die Vorsitzende. Der 32-Jährige habe versucht, sein Leben zu ändern und die Chance auf einen Arbeitsplatz. Die vorherige Bewährung laufe weitgehend gut. Sie wisse, dass die kleine Tochter der Toten, deren Mutter und Schwester, „ihr Leben lang mit dieser Sache zu tun haben werden“. Allerdings sei die Kammer überzeugt, dass dies auch für den Täter gelte. Während der Staatsanwalt keine Erklärung abgibt, nimmt der Verurteilte die Strafe nach Absprache mit seinem Verteidiger sofort an.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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