Bewegung im Fall Sögüt

Der Siegener Unternehmer Özel Sögüt wurde in Antalya verhaftet. Seine Familie hat noch immer keinen Kontakt zu ihm. Foto: privat
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sz -Im Fall des in der Türkei inhaftierten Özel Sögüt hat die Diplomatie endlich mit der Arbeit begonnen. Hieß es schon vor gut einer Woche, dass der Siegener Unternehmer, der bis vor Kurzem in Antalya und Umgebung aktiv war, vom deutschen Generalkonsulat in der Küstenstadt am Mittelmeer betreut werde, kam erst nach der Berichterstattung in den vergangenen Tagen Bewegung in die Sache: Inzwischen haben sich das Auswärtige Amt in Berlin und das deutsche Generalkonsulat in Antalya eingeschaltet und Kontakt zu der Familie, die in Birlenbach lebt, aufgenommen. „Der Betroffene wird konsularisch betreut“, so die Behörden erneut – Details wollte man auf Anfrage aber nicht nennen.

Dabei ist die Ungewissheit groß. Bereits am 7. Dezember war Sögüt zur Staatsanwaltschaft in Antalya gegangen, um zu erfahren, warum sein Unternehmen beschlagnahmt worden war. Er wurde verhaftet. Seither hat die Familie keinen Kontakt zu ihm. Auch gab es seitens der türkischen Behörden keine Kontaktaufnahme zu der Familie. Sie weiß nicht, in welchem Gefängnis der Türkischstämmige, der deutscher Staatsbürger ist, untergebracht ist. Die Ehefrau befürchtet, dass der Gesundheitsszustand ihres Mannes sehr stark leidet. „Eine unabhängige ärztliche Untersuchung ist dringend erforderlich. Wir müssen sicherstellen, dass meinem Mann nichts angetan wurde,“ so Ayse Sögüt.

Unklarheit herrscht auch immer noch hinsichtlich des Vorwurfs. Aus einem Papier des für Sögüt zuständigen Richters geht hervor, dass dem 50-Jährigen unter anderem die Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terror-Organisation vorgeworfen wird. Die Ehefrau beteuert indes immer wieder, dass ihr Mann nichts mit Terror zu tun hat: „Mein Mann hat Solar- und Bioenergieanlagen vertrieben und betrieben!“

Offiziell hat sich die Staatsanwaltschaft noch nicht geäußert; nahe liegt jedoch, dass Sögüt verdächtigt wird, Mitglied der Terrororganisation FETÖ sein, der sogenannten Fethullahschen Terrororganisation. Hinter der FETÖ soll der in den USA lebende Prediger Fethullah Gülen stehen. Er und seine Anhänger sollen den Putschversuch vom 15. Juli organisiert haben, lautet der Vorwurf des türkischen Präsidenten Erdogan. Rund 100 000 Menschen wurden seit dem Umsturzversuch unter demselben Vorwurf im Sommer verhaftet – unter den Verhafteten viele Lehrer, Polizisten, Ärzte und Journalisten. Für den Unternehmer Sögüt, der früher in Siegen gelebt und dort einen Lebensmittelhandel und ein Immobiliengeschäft betrieben hat, bedeutet das nichts Gutes. Diejenigen, die wegen Mitgliedschaft bei der FETÖ im Gefängnis sitzen, gelten als Staatsfeinde.

Ein Problem offenbar für viele Betroffene: Sie haben keinen Rechtsbeistand. Anwälte fürchten den Zorn des Staatsoberhaupts. Viele der Anwälte, die bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht fordern, geraten selbst ins Visier der Justiz, heißt es. Sogenannte Dekrete, wie das Dekret mit der Nummer 676, erlauben es den Gerichten, den Kontakt zwischen Anwalt und Inhaftiertem für sechs Monate zu verbieten.

Das macht der Familie nach eigenem Bekunden Angst; sie fühlt sich hilflos. Immerhin, inzwischen wächst die Solidarität mit der Familie Sögüt, Hilfsangebote zeichnen sich ab. „Ich möchte, dass die Türkei zur Rechtsstaatlichkeit zurückkehrt“, äußerte sich etwa der SPD-Bundestagsabgeordnete Willi Brase, der hinter den oft zitierten Kulissen von Politik und Diplomatie aktiv geworden ist. Auch das Europa-Parlament fordert von Erdogan die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit.

Ayse Sögüt und ihre Kinder – 19, 16 und zwölf Jahre alt – freuen sich über diese wachsende Solidarität. Sie gibt ihnen Kraft. „Nur wenn wir Özel nicht vergessen, wird es ihm gutgehen. Ich werde für meinen Mann weiterkämpfen, bis er zu uns zurückkommt.“ Der größte Wunsch der Birlenbacherin ist es momentan, mit ihrem Mann zu telefonieren: „Ich will wissen, wie es ihm geht!“ Erkan Pehlivan

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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