Wieder Wirbel um E10
Biosprit beeinträchtigt langfristig Kfz-Filtersysteme

Wer länger den Biosprit E 10 tankt, könnte Probleme mit dem Filtersystem bekommen. Forscher der Universität Siegen haben das in einer Langzeitstudie unter Laborbedingungen herausgefunden.
  • Wer länger den Biosprit E 10 tankt, könnte Probleme mit dem Filtersystem bekommen. Forscher der Universität Siegen haben das in einer Langzeitstudie unter Laborbedingungen herausgefunden.
  • Foto: Universität Siegen
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

howe Siegen. Seit fast zehn Jahren wird der Bio-Kraftstoff E 10, der überall an den Tankstellen verfügbar ist, als umwelt- und klimafreundlich angepriesen. Für den ADAC, so verkündet er es auf seiner Internetseite, verringert E 10 die Treibhausgas-Emissionen, verursacht keine Schäden bei den Fahrzeugen und wird von den meisten Wagen vertragen. Der Sprit ist also bekömmlich? Nicht unbedingt. Aus Siegen kommt da zumindest labortechnisch eine ganz andere Kunde, die den Verbraucher durchaus aufstoßen lässt.

Wissenschaftler  der Uni Siegen beteiligt

Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Siegen um Prof. Dr.-Ing. Thomas Seeger (Institut für Fluid- und Thermodynamik) hat in einer Studie herausgefunden: Der Biosprit E 10 beeinträchtigt langfristig die KfZ-Filtersysteme. Knackpunkt des Ganzen sind die sogenannten Kraftstoffdampfrückhaltesysteme (KDRS). Dabei handelt es sich – und jetzt wird es fachlich – um einen „mit Aktivkohle gefüllten Kunststoffbehälter, in dem Benzindämpfe und flüchtige Kohlenwasserstoffe (VOC) im Stillstand bzw. in der Leerlaufphase des Motors adsorbiert werden.“ Bei laufendem Motor werde abhängig vom Betriebspunkt die KDRS-Anlage umgeschaltet. Die Kohle werde dann im Filter mit feuchter Umgebungsluft gespült, da diese die Benzindämpfe von der Kohle desorbiert. Die mit VOCs angereicherte Spülluft werde daraufhin vom Motor angesaugt und dort verbrannt.
Prof. Thomas Seeger für den Laien: „Das Filtersystem selbst dient dazu, dass Dämpfe nicht austreten.“ Als Beispiel sei hier die Garage genannt, die eben nicht nach Kraftstoff rieche. „Das kann ja auch nicht ganz ungefährlich sein“, so der Wissenschaftler im Gespräch mit der Siegener Zeitung. „Die Systeme halten normalerweise ein Autoleben.“ Nun hat das Forscherteam eben jenes KDRS genau unter die Lupe genommen. Dabei ging es darum, etwa die Gasphase – also die Spülluft und die VOC‘s – zu untersuchen, ebenso in mehreren Langzeittests das Absorptionsverhalten der Aktivkohleproben zu beobachten. Überdies führten die Wissenschaftler Langzeitexperimente mit Kraftstoffen und feuchter bzw. trockener Spülluft durch.

Nicht „für gesamten Lebenszyklus einsatzfähig“

Mit dem fachlichen Ergebnis: „Während die Aktivkohlefilter bei Verwendung reinen Pentans und trockener Spülluft langzeittauglich blieben, konnte bei E 10 mit feuchter Spülluft festgestellt werden, dass die Filter nach mehreren Hundert Testzyklen keine hinreichende Adsorptionskapazität mehr besitzen.“ Ergo: Sie seien also nicht „für den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs einsatzfähig“, falls diese Aktivkohlebehälter der KDR-Systeme unter ähnlichen Versuchsbedingungen betrieben würden, heißt es in einer Pressemitteilung. Professor Thomas Seeger relativiert: Die Untersuchungsergebnisse seien auf die Laborbedingungen zu beziehen. „Das muss natürlich nicht jedem Pkw auf der Straße so gehen.“ Im Grunde liefere die Uni-Studie wertvolle Hinweise und Ergebnisse. Sinnvoll wäre, so der Rat des Wissenschaftlers, die KDR-Systeme regelmäßig – also im Rahmen der üblichen Hauptuntersuchung – auf ihre Funktionstüchtigkeit während der Laufzeit des Pkw’s zu prüfen. Bislang würden die KDR-Systeme nur einmalig vor ihrem Einbau untersucht.
Prof. Thomas Seeger hatte bewusst neben dem Institut „Fraunhofer UMSICHT“ einen projektbegleitenden Ausschuss aus Automobil-, Aktivkohle-, Aktivkohlefilter-Herstellern, Bioethanol-Herstellern und Analyselabors im Boot. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), vertreten durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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