Birkelbach-Bankräuber vor Gericht

bw/sz - Am 2. Oktober hat vor dem Limburger Landgericht der Prozess gegen einen 45-jährigen Birkelbacher begonnen. Der mutmaßliche Serienbankräuber soll laut Anklage 20 Banküberfälle in Hessen, NRW und Rheinland-Pfalz begangenen haben. Am 7. August hatte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main Anklage gegen den 45-jährigen Mann erhoben, der am 13. März mit einem Großeinsatz der Polizei in seinem Birkelbacher Wohnsitz festgenommen worden war. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt.

16 Jahre lang soll sich der Angeklagte seinen Lebensunterhalt durch die Banküberfälle finanziert haben - seine Familie soll davon nichts mitbekommen haben. Ihr spielte der der Jurastudent ohne Abschluss eine Festanstellung als Jurist vor. Insgesamt soll er durch die Überfalle rund 400.000 Euro erbeutet, aber dennoch ein bodenständiges Leben geführt haben. Sein erste Tat soll der Mann im Oktober 2002 in Gießen, seine letzte im Januar 2018 in Diemelsee-Adorf verübt haben. Die Anklage geht von schwerer räuberischer Erpressung in 20 und erpresserischem Menschenraub in 16 Fällen aus. 

Die Verlesung der Anklage dauerte rund eine dreiviertel Stunde. Der Birkelbacher, der die Anklage meist mit starrem Blick auf den Tisch verfolgte, machte anschließend direkt reinen Tisch: "Ich habe diese Überfälle begangen, was mir unheimlich leid tut." Er berichtete über die schwierige familiäre Situation mit seinem Vater, was ihm schon den Start in sein Jura-Studium erschwert habe. Die finanzielle Situation habe sich immer weiter zugespitzt. "Ich wollte mir Zeit verschaffen, um mein Studium doch noch beenden zu können." Er habe sich seine Scheinwelt aufgebaut, "das war der größte Fehler meines Lebens". Ausweglos sei seine Situation gewesen, "ich war verzweifelt". Immer wieder habe er gehofft, diesmal sei es der letzte Überfall gewesen. Aber seine Ideen seien naiv gewesen, mit dem Geld habe er Lotto gespielt und auf den großen Gewinn gehofft. Die Verhaftung sei letztlich die Lösung für ihn gewesen. "Ich bin froh, dass ich niemandem mehr Leid zufügen kann. Vielleicht kann ich durch den Prozess zeigen, dass ich kein schlechter Mensch bin." Die Anwesenden bei den Überfällen seien nie in Gefahr gewesen, denn der Birkelbacher trug immer Waffenattrappen oder Spielzeugwaffen bei sich.

Ausführlich befragte das Gericht um den Vorsitzenden Richter Marco Schneider den Angeklagten über den Hergang der einzelnen Taten. Der 45-Jährige offenbarte, dass er sich im Prinzip von Überfall zu Überfall gehangelt habe - immer aus akuter finanzieller Not heraus. Jedes Mal habe er gehofft, dass es diesmal der letzte Überfall gewesen wäre. Ein Trugschluss, denn sein Traum vom Lottogewinn oder einer zündenden Geschäftsidee sei naiv gewesen, wie er vor Gericht feststellte. "Die Beute war immer als Puffer gedacht, um Lösungen zu finden, wie ich aus dem Teufelskreis raus komme", sagte der Familienvater, der immer wieder das Gesicht in seine Hände vergrub, weil ihm die Tränen kamen.

Die Taten habe er versucht zu verdrängen, erst nach seiner Festnahme im März in Birkelbach habe er in der Untersuchungshaft eine Liste mit den Überfällen erstellt, an die er sich 100-prozentig erinnern habe können. Welche Folgen seine Taten für die Angestellten und die Kunden in den Banken hatten, sei für ihn abstrakt gewesen und ihm letztlich erst bei der Anklage richtig bewusst geworden. Vieles sei im Verlauf der Verhöre wieder zutage getreten. Mit seiner Festnahme sei eine große Last von ihm abgefallen. Nun müsse er niemanden mehr täuschen. Seine über Jahre hinweg aufgebaute Scheinwelt ist in sich zusammengestürzt. "Für mich ist es eine Erlösung, dass ich jetzt hier sitze", meinte der 45-Jährige.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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