Bittere Lektion der Geschichte begriffen

Zentrale Feierstunde zum Volkstrauertag auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach

Gosenbach. Volkstrauertag. Ein Tag, der dazu dient, Menschen zu Frieden, Verständigung und Versöhnung aufzurufen. So auch gestern: Bei zumeist strömendem Regen fanden vielerorts Gedenkveranstaltungen oder Bittgottesdienste statt. Zur zentralen Feierstunde im Altkreis Siegen hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Vormittag auf die Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach eingeladen. Die Gedenkrede hielt Landrat Elmar Schneider.

Dessen persönliches Verständnis vom Volkstrauertag „geht über die beiden Weltkriege und ihre Opfer hinaus”. So erinnerte der Landrat daran, dass nach 1945 weltweit etwa 200 weitere Kriege stattgefunden hätten, die schätzungsweise noch einmal so viele Menschenleben gekostet hätten wie der Zweite Weltkrieg, dem 55 Millionen Menschen zum Opfer gefallen seien: „Die Menschenverachtung der politischen Regime ist offenbar unverändert.”

Vor solch bedrückendem Hintergrund hob Elmar Schneider die gewaltlose Wiedervereinigung Deutschlands hervor. Allerdings erscheine es ihm, als ob der Blick zu einseitig auf Kosten-Nutzen-Betrachtungen gelenkt werde.

„Dass 18 Millionen Deutsche ganz ungeahnte, über Jahrzehnte hinweg eingeschränkte Freiheiten erfuhren, ist bei vielen offenbar schon in Vergessenheit geraten oder wird nachrangig eingeordnet.” Neben der Gesundheit taucht der Friede ganz oben auf der Wunschliste zu jedem Jahreswechsel auf. Doch Bemühungen um Frieden werden oft auf eine harte Probe gestellt. Gerade auf junge Menschen kommt nach Einschätzung des Landrats „eine große Aufgabe und Verantwortung zu, wenn es um Toleranz und Völkerverständigung geht”.

Den Volkstrauertag empfand Elmar Schneider einerseits als Zeitpunkt, an dem man bestürzt und betroffen zurückblicke. Auf der anderen Seite ständen die Hoffnung und der Wille, Zukunft zu gestalten. Dies aber könne nur derjenige, der sich erinnere und die Mahnung der Toten höre. Hoffnung, so Schneider, lebe aus dem Verstehen, das jeder einzelne aufbringen müsse: „Nur wenn wir der Intoleranz wehren, wenn wir dazu beitragen, Aggressionen abzubauen, wenn wir in dem anderen den Menschen sehen, wird es möglich sein, den Frieden zu bereiten.” Bereitschaft zum Frieden dürfe man nicht nur den Mächtigen überlassen. Jeder sei gefragt im Alltag.

In gewisser Weise verstand der Redner den Volkstrauertag somit auch als eine Aufforderung gegen die Gleichgültigkeit. Beim Thema Rechtsradikalismus angelangt, meinte der Landrat: „Ich halte die seit über 50 Jahren bestehenden demokratischen Strukturen für sehr viel gefestigter als zur Zeit der Weimarer Republik, so dass ich keine Zweifel daran habe, dass wir diese Herausforderung bestehen werden. Es gilt jedoch, wachsam zu sein; wehret den Anfängen. Neben eine erschreckende geschichtliche Unkenntnis, Geschichtsverfälschung und tumbe Torheit tritt eine große Gewaltbereitschaft von Minderheiten, der mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln des Rechtsstaates entgegen getreten werden muss.” Von großer Bedeutung ist für den Landrat in diesem Zusammenhang die Prävention, beginnend im Kindesalter. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen, dessen ist sich Schneider sicher, habe die „bittere Lektion der Geschichte” sehr wohl verstanden und sei bereit, sich für eine wehrhafte Demokratie einzusetzen.

Die Erinnerung wach zu halten, mahnte auch Dirk Vetter als Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Gosenbach. Kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo auf der Erde ein grausamer Krieg geführt werde – und die eigene Kriegsvergangenheit klage noch heute an. „Was ist der Mensch”, fragte der Pfarrer, „dass er zu solchen Taten fähig ist?” Kirche und Gesellschaft ständen in der Pflicht, Geschehenes nicht zu verdrängen, sondern zu bewältigen. Neben der Mahnung zu Frieden, Menschlichkeit, Versöhnung und Gerechtigkeit sah Vetter in dem Gedenktag nicht zuletzt auch eine Gelegenheit, falsche Ideale kritisch zu hinterfragen.

Das Totengedenken vor den Kranzniederlegungen sprach Günter Zimmermann, der als Vorsitzender des Ortsverbands Siegen-Gosenbach im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch die besinnliche Veranstaltung eröffnet hatte. Den musikalischen Rahmen setzten der Bläserkreis Niederschelden, der MGV „Arion” und der Gemischte Chor Gosenbach.

ph

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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