BKA-Experten zur Autobombe gehört

51. Tag im Siegener »Rotlichtprozess« brachte Sprengstoff-Gutachten / Viele Details unklar

pebe Siegen. Ganz hart an der »News«-Front bewegte sich der Siegener Rotlichtprozess gestern nicht. Aber er entwickelte Spannung. Denn erneut äußerte sich der Gutachter des Bundeskriminalamts (BKA), Dr. Peter Kolla.

Der Sachverständige für Explosivstoffe und Sprengstoffe war bereits im Oktober vorigen Jahres zu Wort gekommen. Damals hatte er ein Gutachten des Landeskriminalamts NRW kritisiert. Nach seinen Ausführungen stellten sich noch einmal schärfer die Fragen, wer im November 1992 mit welchem Sprengstoff und Zündvorrichtungen den Wagen in die Luft jagte, in dem »Richie«, der damalige Rivale des Siegener Rotlicht-»Königs« Winnie R. saß. Bei der Explosion wurde »Richie« leicht verletzt, seine Begleiterin starb wenig später an Folgen des Anschlags.

Brisant blieben Kollas Ausführungen aber auch gestern. Denn immer noch ist nicht geklärt, ob bei der Explosion der Autobombe tatsächlich der Sprengstoff benutzt wurde, den ein Zeuge den beiden Angeklagten Gerd F. und Volker F. geliefert hatte. Der mittlerweile verstorbene Sprengstofflieferant hatte ausgesagt, er habe Nitropenta geliefert. Am Tatort waren aber Spuren von Trinitrotoluol (TNT) festgestellt worden. Auf die TNT-Spuren kam Kolla auch gestern zu sprechen. Demzufolge, so der Sachverständige, »wäre auf TNT zu schließen«, aber das »Spurenbild« könne auch durch andere TNT-haltige Stoffe zustande kommen, schränkte er ein. Zwar lasse auch der schwarze Rauch nach der Explosion auf den Sprengstoff schließen, aber die Farbe könne ebenso durch verbrannten Fahrzeuglack u.ä. entstanden sein. Später bestätigte er auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft, bei dem Sprengstoff könne es sich auch um »Ammon-Gelite 2« gehandelt haben, das auch TNT enthalte. Der Name soll Gerd F. zufolge auf den gelieferten Packungen gestanden haben.

Die Frage, welche Art von Sprengvorrichtung benutzt worden sei, könne nicht von der Frage nach der Wirkungsweise getrennt werden, fuhr der BKA-Mann fort. Viele Splitter hätten die Gebäudewände und die vor dem Hotel abgestellten Fahrzeuge beschädigt. Die »sehr schnellen mechanischen Splitter« entstünden nur durch »brisante« Sprengstoffe in »metallummantelter Vorrichtung«. Kolla rekonstruierte als Behälter einen »zylindrischen Sprengkörper«, der »nahe am rechten Hinterrad« platziert worden sei. Auf spätere Nachfrage des Verteidigers Dr. Jürgen Fischer meinte er, es könne sich rein theoretisch um eine Propan-Butan-Gasflasche gehandelt haben.

Zünderteile seien nicht gefunden worden, jedoch müsse es sich wegen des »brisanten« Sprengstoffs um gewerbliche oder militärische Sprengkapseln gehandelt haben. Wie sie gezündet worden seien, könne er nicht sagen. Kolla ging von einer Sprengstoffmenge »zwischen 100 und 500 Gramm aus«.

Brisant war auch die Frage, ob sich die Ergebnisse der Rekonstruktion mit jener Skizze vereinbaren ließen, die Gerd F., angeklagt der Beihilfe zum Mord, bei der Vorbereitung des Anschlags angefertigt haben soll. Während der Vernehmungen hatte er die Skizze nachgezeichnet. Das Spurenbild am Tatort sei in Übereinstimmung mit der Skizze, meinte Kolla vorsichtig, aber es fehlten andere Hinweise, z.B. die auf den Sprengstoff oder auf die »Energieversorgung«.

Nach den Ausführungen Kollas hörte das Gericht noch einmal den schon häufig vernommenen, von der Verteidigung stets kritisch »beäugten« Hauptkommissar. Der sprach über seine Vernehmungskontakte zu zwei Zeugen und soll am nächsten Verhandlungstag weiter vernommen werden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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