Bläuling  vs. Baugebiet

 Der Bereich oberhalb des geplanten Neubaugebiets würde sich perfekt als Ausgleichsfläche für den Bläuling anbieten, allerdings müsste die Ortsgemeinde hier erst einmal die Flächen erwerben bzw. eine Vereinbarung mit den Eigentümern treffen. Foto: thor
  • Der Bereich oberhalb des geplanten Neubaugebiets würde sich perfekt als Ausgleichsfläche für den Bläuling anbieten, allerdings müsste die Ortsgemeinde hier erst einmal die Flächen erwerben bzw. eine Vereinbarung mit den Eigentümern treffen. Foto: thor
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sz - Es war fast zu erwarten: Auf den Wiesen für das geplante neue Baugebiet „Im Grund“ in Birken fühlt sich nicht nur das gemeine Siegerländer Wildschwein wohl, sondern auch der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Und wo immer dieser Falter auftaucht, werden Ausgleichsmaßnahmen erforderlich. Das ist das Ergebnis einer Artenschutz-Prüfung, die im vergangenen Sommer durchgeführt worden war und dessen Ergebnisse am Montag Thema im Bauausschuss der Ortsgemeinde Mudersbach waren. Um es vorweg zu nehmen: Die Hürden sind hoch, aber nicht unüberwindbar – oder mit den Worten von Gutachter Markus Kunz: Der Artenschutz werde ein Baugebiet grundsätzlich nicht „plattmachen“.

Wie berichtet, sollen in Birken in Verlängerung der Straße „Im Grund“, unterhalb der „Stroth“, einige neue Bauplätze entstehen – über den Bedarf in der Ortsgemeinde muss längst nicht mehr diskutiert werden. Kurzfristig kann Mudersbach an keiner anderen Stelle ein Baugebiet ausweisen. Doch bevor hier ein Stein auf den anderen Stein gesetzt werden, war besagte Untersuchung zum Vorkommen geschützter Arten notwendig,

Die Prüfung ergab eine „individuenschwache Population“ des Ameisenbläulings. Der große Wiesenknopf (Wirtspflanze des Falters) sei auf den Wiesen sporadisch, aber weiträumig verbreitet. Bei den gefährdeten Wiesenbrutvogelarten wurden keine planungsrelevanten Vorkommen festgestellt. Allerdings könne hier wegen der angrenzenden Gehölze durchaus die Haselmaus ansässig sein.

Monika Lieth, Umweltbeauftragte der Verbandsgemeinde Kirchen, wies auf eine zusätzliche Besonderheit hin: Sämtliche Flächen in diesem Bereich, ob direkt am Birker Bach oder weiter oberhalb, seien nach Landes- bzw. Bundesgesetz pauschal geschützt. Zur Umsetzung eines Baugebietes sei daher zum einen eine Befreiung vonseiten der Oberen Naturschutzbehörde erforderlich, zum anderen müssten ausreichend Kompensationsmaßnahmen ausgewiesen werden – in diesem Fall bis zum Dreifachen der geplanten Baugebietsgröße. „Das sehe ich als größtes Problem“, sagte Lieth mit Verweis darauf, dass sich die angrenzenden Wiesen weiter oberhalb nicht im Besitz der Ortsgemeinde befinden. Eventuell könne auch auf Grundstücke im Siegtal zurückgegriffen werden.

Während für den Bläuling also ein erheblicher Aufwand betrieben werden muss, reicht es im Fall der Haselmaus aus, die Rodungszeit entsprechend zu beschränken. Lieth regte an, unter Umständen über eine Erweiterung des Baugebiets in Richtung Tal nachzudenken. Problem: Auch hier gehörten der Ortsgemeinde die Grundstücke nicht.

Markus Kunz wollte die Sachlage allerdings nicht dramatisiert wissen. Die Obere Naturschutzbehörde zeige sich in der Regel durchaus gesprächsbereit, gerade auch dann, wenn eine Gemeinde hinsichtlich der Ausweisung von Bauplätzen keine Alternative habe. So regte denn auch Karl-Heinz Haepp (SPD) an, deren Vertreter einzuladen, damit man vor Ort über das weitere Vorgehen sprechen könne.

Für Otto Normalverbraucher sei diese Diskussion nur noch schwer zu verstehen, meinte Ulrich Merzhäuser(CDU). Hier müssten große Anstrengungen für Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden, während für die Amprion-Trasse Schneisen durch den Wald geschlagen würden und am Wehr in Euteneuen ein Auwald trocken gelegt werde. Ortsbürgermeister Maik Köhler pflichtete dem bei: „Der Normal-Bürger packt sich an den Kopf und hat das Gefühl, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.“

Deutlich aber auch noch einmal, dass die Mudersbacher Kommunalpolitiker unbedingt Ausschau nach weiterem Bauland halten wollen. Für Franz Bauschert (SPD) wäre eine Bereich an der Waldstraße in Birken am einfachsten zu realisieren. Dort sei alles erschlossen und es gebe nur einen Eigentümer, den Hauberg (der aber schon mal einen Verkauf abgelehnt hatte). Hier könnten seiner Einschätzung nach zehn bis 15 Bauplätze angeboten werden. Daher soll nochmals der Kontakt zu den Waldeigentümern gesucht werden, ebenso wie die Verwaltung alle weiteren „Potenzial-Flächen“ für einen Ankauf ermitteln soll.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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