Blick aufs Osterfest von gestern

 Zwar verbindet man allgemein Lämmer mit Ostern, zur Schau-Schur hatte Oliver Junker-Matthes (l.) aber ein ausgewachsenes Tier mitgebracht. Foto: Nicole Klappert
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nik - „Das arme Schaf!“ Gut, aus Kindersicht betrachtet, muss das wirklich ein gewöhnungsbedürftiger Anblick sein: Oliver Junker-Matthes beugt sich, das Milchschaf zwischen seine Beine geklemmt, mit einer großen Schere in der Hand über das Tier und legt los. „Normalerweise geht das elektrisch, aber wir sind ja hier im Museum“, sagt er noch erklärend in die Runde, bevor es dem Tier – schnipp, schnapp, schnipp – nach alter Scherer Sitte an die Wolle geht, „ein Mordspelz“, wie eine Dame anerkennend anmerkt.

Richtig, wir sind im Museum, im Heimatmuseum Oberes Lahntal, um genau zu sein, das an diesem Karfreitag seine Türen weit geöffnet hat. Normalerweise macht sich die alte Schule ja an jedem ersten Sonntag besucherfein, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. „Ganz, ganz lange“ habe es früher hier die Eiermärkte gegeben, erinnert sich Anne Bade, doch denen ging durch die aufkommenden Frühlingsmärkte langsam die Puste aus.

Jetzt hat die Vorsitzende des Heimatvereins zusammen mit einem zehnköpfigen Team einen neuen Anlauf genommen – und der Erfolg gibt ihnen recht. Buchstäblich aus allen Himmelrichtungen kommen die Besucher, im Auto wie zu Fuß. „Das ist eine Dorfsache“, vermutet Bade – naheliegend, dass die Feudinger das Gastspiel des Frühlings nutzen, um vor die Tür zu gehen und den Spaziergang mit einer Visite bei der Osterausstellung zu beenden, zumal es im ganzen Haus auch noch verflixt verführerisch nach frischen Waffeln duftet.

Da entdeckt so Mancher Dinge, die er noch von früher kennt, während die Kinder ein bisschen vertrauter mit den schönen, alten Bräuchen rund ums Osterfest werden. Wie einfach der Griff ins Supermarktregal doch ist, wie knifflig hingegen, ein rohes Ei mit einem Strumpf zu umwickeln, nachdem man vorher ein Blatt Petersilie darauf gelegt hat. Auf dem Zwei-Platten-Herd köchelt der Zwiebelsud, und jetzt hinein mit dem Ei!

Draußen wird der dicke Pulli des Schafs derweil immer dünner. Die Kinder lernen von Junker-Matthes, dass das fette Vlies keineswegs immer schon da war, sondern im Laufe der Jahre von den Menschen aufgezüchtet wurde – kein Wunder, dass da einmal jährlich eine Schur nottut! Im Obergeschoss haben Kathrin Kuhli, ihre Töchter Sophia und Caroline, Ute Roth und Ute Schulz alle Hände voll zu tun: Noch keine zwei Stunden sind vergangen, und schon haben die fleißigen Frauen rund 70 Waffeln an den Mann und die Frau gebracht.  

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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