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Alte und neue Spiele (wieder-)entdecken
Blick über den Spielbrettrand

Das beliebteste Spiel im Land: „Mensch ärgere dich nicht“. Das macht Spaß, aber es kann sich auch lohnen, mal neue Spiele auszuprobieren. Foto: Pixabay
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  • Das beliebteste Spiel im Land: „Mensch ärgere dich nicht“. Das macht Spaß, aber es kann sich auch lohnen, mal neue Spiele auszuprobieren. Foto: Pixabay
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sp Siegen. Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt, besonders jetzt in der Corona-Krise, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, um sich zu beschäftigen. Eine davon könnte gerade wieder neuen Aufschwung bekommen: das Spielen. Verschiedene Altergruppen kommen gemeinsam an einen Tisch, gewinnen und verlieren gegen- oder miteinander.

Die Auswahl an Spielen ist riesig. Für welches also könnten sich Familien oder Paare entscheiden, um die Langweile zu vertreiben und Spaß zu haben? „Es kommt darauf an, wer mitspielen soll“, sagt Claudius Clüver, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medienästhetik an der Universität Siegen. Soll das fünfjährige Kind mit der 80-jährigen Oma spielen (zurzeit aufgrund der Pandemie nicht empfohlen)?

sp Siegen. Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt, besonders jetzt in der Corona-Krise, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, um sich zu beschäftigen. Eine davon könnte gerade wieder neuen Aufschwung bekommen: das Spielen. Verschiedene Altergruppen kommen gemeinsam an einen Tisch, gewinnen und verlieren gegen- oder miteinander.

Die Auswahl an Spielen ist riesig. Für welches also könnten sich Familien oder Paare entscheiden, um die Langweile zu vertreiben und Spaß zu haben? „Es kommt darauf an, wer mitspielen soll“, sagt Claudius Clüver, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medienästhetik an der Universität Siegen. Soll das fünfjährige Kind mit der 80-jährigen Oma spielen (zurzeit aufgrund der Pandemie nicht empfohlen)? Dann gebe es dafür Spiele, die eine Brücke schlagen könnten, erklärt der Wissenschaftler. Zum Beispiel das nach wie vor beliebteste Spiel im Land: „Mensch ärgere dich nicht“. „Das hängt vom Zufall ab, weniger von den Fähigkeiten“, so Clüver. Das Besondere an Spielen sei, dass sie „kulturell relativ neutral sind. Sehr unterschiedliche Menschen können an einem Tisch sitzen und gemeinsam spielen.“ Hier könnten Leute zusammen kommen, die sonst keine Verbindungen miteinander hätten, erklärt Clüver, der sich mit der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte von Spielen in der Neuzeit beschäftigt.

Tipp: Mit der Spielanleitung befassen 

Welche Spiele stehen noch auf der Beliebtheits-Skala ganz oben? „Die Datenlage ist schwierig. Der Markt ist klein, es gibt nicht viele Statistiken, die zeigen, was gespielt wird.“ Aber: „Das, was die Leute spielen, ist tendenziell eher traditionell. Sie bleiben häufig bei Klassikern wie Mau-Mau oder Kniffel.“ Der Experte rät, sich auch bei bekannten Spielen mit der Anleitung zu befassen. „Monopoly spielt kaum einer nach Regeln“, sagt der Wissenschaftler. Das Spiel sei eigentlich strenger, weniger nett und schneller vorbei. Die „nette“ Variante habe sich durchgesetzt, um für weniger Frustration zu sorgen.

Neue Spiele ausprobieren 

Das ist die große Spannung: „Man spielt gegen die anderen, aber man spielt auch mit den anderen, ohne sie kann man nicht spielen“, erklärt Clüver. „Den Satz ,Ich spiele nie wieder mit dir’ will man verhindern, denn sonst kann man auch nicht gewinnen.“ Um Frustration zu verhindern, kann die Auswahl entscheidend sein. „Es gibt viele tolle kooperative Spiele, man spielt miteinander gegen das Spiel.“ Das funktioniere auch ohne Computer, mit Regeln, Karten, Hinweisen und Zufallselementen. Bei dieser Form der Spiele muss man sich absprechen und miteinander interagieren. „Man kann miteinander gewinnen oder glorreich gemeinsam untergehen“, sagt Clüver lachend. Der Wissenschaftler empfiehlt vor allem eines: neue Spiele auszuprobieren. „Aber auch Bekanntes lohnt sich, wenn man weiß, dass es Spaß macht.“ Wer auf der Suche nach etwas Neuem sei, der könne sich das „Spiel des Jahres“ anschauen. „Die sind schnell verständlich und haben nicht sehr viele Regeln.“ Sie seien ein guter Start für diejenigen, die vielleicht das gemeinsame Spielen noch nicht für sich entdeckt hätten.

Eine Auswahl an Spielen zum Zeitvertreib

Spiele sind pädagogisch und kommerziell geworden

Für die Vielfalt und die hohe Anzahl von Spielen sieht Clüver zwei Gründe. Zum einen seien sie pädagogisch geworden, lange Zeit sei Spielen nichts für Kinder gewesen, sondern für Erwachsene, häufig sei um Einsätze gespielt worden. Und zum anderen seien Spiele kommerziell geworden. Sie sähen hübsch aus, würden aufwendig gestaltet, mit vielen Regeln, und ließen sich dann gut verkaufen.

Immer beliebter werden die sogenannten Pen-&-Paper-Rollenspiele, bei denen die Mitspieler verschiedene fiktive Charaktere übernehmen und gemeinsam eine Geschichte erleben. Ein Spielleiter lenkt das Geschehen. Rolf Siedek bestätigt die zunehmende Beliebtheit der Rollenspiele. Der gelernte Kaufmann arbeitete lange Zeit in einem Spieleverlag, bis er in Siegen den Spieleladen Fischkrieg eröffnete.

"Spielen ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung"

Beliebt seien auch „Exit-Spiele“, die die Idee eines „Escape-Rooms“ aufgriffen, sagt Siedek. Dabei wird gemeinsam gerätselt. „Manchmal braucht es da eine richtige Internetrecherche, um einen Kriminalfall zu lösen.“ Oder eine 3-D-Brille und ein Smartphone werden benötigt, um sich an einem Tatort umzuschauen. Diese Spiele gibt es auch mit anderen Themenfeldern für unterschiedliche Altersgruppen. „Man kann sie alleine oder in größeren Gruppen spielen“, sagt Siedek, dessen Interesse weniger den „Klassikern“ in der Spielewelt gilt. Er stellt fest, dass Spiele sich verändert haben, anspruchsvoller geworden sind und länger dauern.

„Spielen ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, sagt er, „weil es die Kommunikation schult; ich lerne systematisch zu denken und zu planen.“ Außerdem könne Spielen befreien und ein Stück weit die Flucht aus der Realität ermöglichen – in Zeiten von Corona vielleicht genau das Richtige.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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