Blick unter die Oberfläche

Armin Weinbrenner zeigt im Kunst-Sommer neue Acrylglasarbeiten und Holzschnitte in der Galerie S.  Foto: gmz

gmz Weidenau. Ein Seestern, zwei wunderbar glupschäugige Fische mit erstauntem Augenaufschlag, einer in Orange, einer in Schwarz, ein kleines Pantoffeltierchen (oder so) – technisch und farblich gekonnte Holzschnitte vom Leben unter Wasser nehmen den Blick gefangen. „Fischköppe und anderes Getier“ heißt die witzige Serie, die eigens für die Ausstellung aufgelegt wurde. Aber wo sind die „Schnecken“? Schließlich trägt die Kunst-Sommer-Ausstellung in der Galerie S, der Kooperation von Kunstverein und Sparkasse Siegen (und hier auch mit dem Kunsthandel Wolfgang Weiss), den Gärtnerschreck-Titel „Der Bauch der Nacktschnecke“. Nirgendwo. Oder vielleicht ist das intensive Purpurrot, das in vielen der großformatigen, ungegenständlichen Bilder auftaucht, eine Anspielung an die Purpurschnecke? Die Assoziation, so Armin Weinbrenner, kommt von der Malweise selbst. Seine großen Arbeiten malt er auf die Rückseite einer Acrylglasplatte, trägt erst die oberste Schicht auf, arbeitet sich dann rückwärts, Schicht für Schicht, in die „Tiefe“. Man schaut also „von außen“ auf das Bild, so wie man einer Wasserschnecke zuschauen könnte, wenn sie die Wand des Aquariums hochkriecht. Der Effekt dieser ungewöhnlichen Malweise ist frappierend: Man schaut auf eine glatte, leicht glänzende Bildoberfläche, unter der sich verschiedene Farbschichten entfalten, die allein durch den stark strukturierten Farbauftrag eine haptische Herausforderung darstellen.

Diese Schichtungen entdeckt man bei längerem Hinsehen und/oder auf eine gewisse Distanz (wofür sich die Galerie des Sparkassengebäudes ja hervorragend eignet). Man macht räumliche Bezüge aus, sieht dann, dass da zum Beispiel Figuren mit schwarzen Köpfen stehen könnten, die gespannt auf etwas blicken, das auf dem Boden liegt. Die unregelmäßig verteilten Farbfelder in einem anderen Bild bauen sich beim Betrachten zu einem Landschaftspanorama auf, das sich in der Ferne verliert. Kleine, rote Dinge tauchen aus einer bewegten Sandebene auf. In einer anderen Arbeit thront das goldene Krönchen des Froschkönigs (so könnte man meinen) inmitten eines froschgrünen Wassers. Ein fremdartiges Wesen in leuchtenden Neonfarben schwimmt in einer pechschwarzen Tiefsee.

Die Assoziationen sind sehr vielfältig, auch wenn Armin Weinbrenner nach eigenem Bekunden ungegenständlich malt. Der gestische Schwung, der in dem Farbauftrag erkennbar wird (auch wenn er die Farben nicht mit dem Pinsel, sondern mit Walze oder Spachtel aufbringt), scheint „spontan“, wie es Dr. Stephan Trescher in seinen Erläuterungen zu Armin Weinbrenners Werk formuliert, wirkt unmittelbar. Die nach „innen“ verlagerte Oberflächengestaltung mit ihren Brüchen und Offenheiten ist auch in den Holzschnitten erkennbar, die geradezu poetische Akzente setzt in dem ruhigen Holzschnitt, der aussieht wie die Notation einer Melodie oder eines Gedichtes – so schweben die einzelnen schwarz-bräunlichen Felder durch die strukturierte Fläche. Schwung und Bewegtheit wird auch hier gekonnt visualisiert!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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