Firmen haben Angst vor dem ungeregelten Brexit
Blitzumfrage zum Abschied

Die überwältigende Mehrheit der heimischen Unternehmen spricht sich gegen weitere Zugeständnisse gegenüber der britischen Regierung in der Schlussphase der Brexit-Verhandlungen aus.
  • Die überwältigende Mehrheit der heimischen Unternehmen spricht sich gegen weitere Zugeständnisse gegenüber der britischen Regierung in der Schlussphase der Brexit-Verhandlungen aus.
  • Foto: IHK Siegen
  • hochgeladen von Christian Hoffmann (Redakteur)

sz Siegen/Bad Berleburg. 89 Prozent der heimischen Unternehmen sprechen sich eindeutig gegen weitere Zugeständnisse gegenüber der britischen Regierung in der Schlussphase der Brexit-Verhandlungen aus. Gleichzeitig befürchten 90 Prozent der befragten Firmen durch einen ungeregelten Brexit negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer aktuellen Unternehmensumfrage der IHK Siegen, an der sich insgesamt 432 Unternehmen beteiligten.

„Unsere Unternehmen sind das unsägliche Gezerre um den EU-Austritt der Briten offenbar leid und nehmen mittlerweile das Risiko eines ungeregelten Brexits in Kauf, obwohl für diesen Fall negative Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft für sehr wahrscheinlich gehalten werden“, kommentierte IHK-Präsident Felix Hensel die zentralen Ergebnisse der Umfrage.

Zur Erinnerung: Am 31. Oktober läuft die Frist für einen Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU ab. Ob es zu einem ungeregelten Brexit kommt oder doch noch eine Einigung zwischen EU und britischer Regierung erzielt werden kann, ist weiterhin unklar. Hensel: „Unsere Unternehmen haben zugleich jedoch die Hoffnung auf eine Einigung in letzter Minute noch nicht ganz aufgegeben. Denn mehr als die Hälfte der Betriebe (55 Prozent) geht derzeit davon aus, dass es nicht zu einem harten Schnitt kommen wird und die britische Regierung noch einlenkt. Hierzu trugen sicherlich auch die politische Entwicklung sowie die Gerichtsentscheidungen der letzten Tage und Wochen maßgeblich bei.“

Die Ungewissheit, wie es weitergehen soll, lähmt die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Seit dem Referendum vor drei Jahren sind die Warenströme rückläufig. War Großbritannien 2016 noch fünftwichtigster Handelspartner Deutschlands, liegt das Land im ersten Halbjahr 2019 nur noch auf Platz sieben. IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „Obwohl der Brexit noch gar nicht greift, wirkt er bereits. Das jedoch war zu erwarten, denn niemand investiert bei solch unsicherer Lage!“

Und die meisten Unternehmen dürften auch eine Intensivierung ihrer Handelsbeziehungen tendenziell skeptisch beurteilen. Das alles belaste die Geschäfte, so Gräbener. Es überrasche daher nicht, „dass sich trotz aller Hoffnung auf eine Einigung in letzter Minute fast die Hälfte der Unternehmen eher für einen ungeregelten Brexit mit ungewissem Ausgang ausspricht als weitere Verzögerungen in Kauf zu nehmen.“

Der IHK-Präsident weiter: „Zahlreiche unserer heimischen Unternehmen sind direkt betroffen. Schließlich pflegen über 300 Unternehmen aus unserem IHK-Bezirk direkte Handelsbeziehungen mit Großbritannien. Mehr als 30 von ihnen verfügen über Niederlassungen dort, einige zudem über eigene Produktionsstätten. 42 Prozent der befragten Unternehmen befürchten negative Auswirkungen auf ihren Betrieb.“

39 Monate nach dem Referendum und kurz vor dem Austrittstermin herrscht über die zukünftigen Handelsbeziehungen weiterhin Unklarheit. Nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) werden bei einem ungeregelten Brexit nicht nur Zölle von mehreren Mrd. Euro, sondern auch Bürokratiekosten von rund 200 Mill. Euro jährlich auf die Unternehmen in Deutschland zukommen. Zudem drohen weitere administrative Erschwernisse, etwa in den wichtigen Bereichen Transport, Steuern oder Datenaustausch. Außerdem herrscht eine große Unsicherheit beim Aufenthaltsstatus der Mitarbeiter. Klaus Gräbener: „Handelsrechtlich würde Großbritannien ohne Abkommen über Nacht auf den Status eines Drittstaates zurückfallen. Die Folgekosten lassen sich nur erahnen!“

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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