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Mayar und Jana sind schwer krank
Blutwäsche im Kinderzimmer

Wenn Jana und Mayar im Kinderzimmer spielen, bleibt ihnen wenig Platz. Ein großer Teil des Raumes ist für medizinischen Bedarf vorgesehen.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sp Siegen.  Mayar und Jana laufen durch die Wohnung, sie zeigen ihren Eltern Puzzleteile, sprechen ein paar Worte mit ihnen und sind dann wieder zum Spielen in ihrem Kinderzimmer verschwunden. Dass es bei dem Gespräch der Erwachsenen im Wohnzimmer in erster Linie um sie geht, ist für sie nicht weiter interessant. Wolfgang von Königsmarck hatte die Siegener Zeitung kontaktiert und um Hilfe gebeten für die Familie Al Kador. Sie sucht dringend eine größere Wohnung. Nicht, damit die Kinder noch mehr Platz zum Spielen und Toben haben, sondern weil die beiden jeden Tag medizinisch versorgt werden müssen.
Mayar (4) und Jana (6) sind schwer nierenkrank. Jede Nacht wird bei ihnen eine Dialyse durchgeführt – oder, wie es ihre Mutter ihnen erklärt, „das Blut wird sauber gemacht“.

sp Siegen.  Mayar und Jana laufen durch die Wohnung, sie zeigen ihren Eltern Puzzleteile, sprechen ein paar Worte mit ihnen und sind dann wieder zum Spielen in ihrem Kinderzimmer verschwunden. Dass es bei dem Gespräch der Erwachsenen im Wohnzimmer in erster Linie um sie geht, ist für sie nicht weiter interessant. Wolfgang von Königsmarck hatte die Siegener Zeitung kontaktiert und um Hilfe gebeten für die Familie Al Kador. Sie sucht dringend eine größere Wohnung. Nicht, damit die Kinder noch mehr Platz zum Spielen und Toben haben, sondern weil die beiden jeden Tag medizinisch versorgt werden müssen.
Mayar (4) und Jana (6) sind schwer nierenkrank. Jede Nacht wird bei ihnen eine Dialyse durchgeführt – oder, wie es ihre Mutter ihnen erklärt, „das Blut wird sauber gemacht“. Die zuständigen Mediziner aus dem KfH-Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche am Uniklinikum Gießen-Marburg (KfH: Kuratorium für Heimdialyse) haben in einem Schreiben an die Familie festgehalten, dass die Kinder seit Oktober mit der künstlichen Niere behandelt werden – „zur Erhaltung des Lebens“.

Familie kommt aus Syrien

Die Familie kommt aus Syrien. Die Ärzte dort wussten nicht, was Jana fehlt. Ihrer Mutter aber war seit der Geburt klar, dass etwas nicht stimmt: „Sie war immer krank, hatte immer Entzündungen.“ Überall im Körper des Kindes sammelte sich Flüssigkeit an. „Sie hatte ganz große Augen, mit viel Wasser“, erzählt Vater Mhammed-Hamdo Al Kador, Füße und Bauch seien geschwollen gewesen. In Syrien habe man Jana Medikamente verschrieben, ohne eine Diagnose zu haben.
2015 kam die Familie nach Deutschland, erst nach Finnentrop, dann nach Siegen. Hier wurde Jana wochenlang in der Kinderklinik behandelt, man vermutete einen Herzfehler. Erst die darauf spezialisierte Abteilung der Uniklinik Marburg fand heraus, dass die Nieren des kleinen Mädchens nicht richtig funktionieren. Drei Monate lang blieb Mutter Rahaf mit ihrer Tochter in der Klinik und lebte dort, während Vater Mhammed-Hamdo zwischen der Klinik in Hessen und der Wohnung in Siegen pendelte.
Eine anstrengende Zeit für die junge Familie, das wird im Gespräch mit der SZ deutlich. 2016 kam der Sohn zu Welt. „Später stellte sich heraus, dass Mayar auch ein Nieren-Problem hat“, erklärt von Königsmarck. Auch der kleine Junge muss behandelt werden. Die tägliche Dialyse ist überlebenswichtig. Seine Mutter hat von den Medizinern erklärt bekommen, wie sie die Blutwäsche zu Hause durchführen kann. Die 27-Jährige kümmert sich alleine um die medizinische Versorgung. Die Familie wird aber weiterhin betreut vom Kindernierenzentrum in Marburg. Neben der Dialyse brauchen beide Kinder regelmäßig Medikamente, und Mayar hat zudem eine Magensonde.

Zimmer ist eng und dunkel

Rahaf und Mhammed-Hamdo Al Kador zeigen der SZ das Zimmer der Kinder, das sie sich teilen. Es ist eng und dunkel. Neben dem doppelstöckigen Bett sitzen Mayar und Jana auf dem Boden und spielen. Etwa ein Drittel des Raumes ist für die Behandlung vorgesehen, medizinischer Bedarf lagert in einem Regal und davor, auf zwei kleinen Tischen stehen die Dialyse-Geräte, zwei Infusionsständer stehen in der Ecke. Rahaf erklärt, dass hygienisch alles einwandfrei ablaufen muss. „Ich habe in Marburg eine Schulung gemacht“, sagt sie. Gegen 19 Uhr abends beginnt die Prozedur. Die Geräte müssen aufgebaut, die Katheter sauber gemacht, alle Flächen desinfiziert werden. Fenster und Türen müssen geschlossen sein, niemand darf den Raum betreten. Alle müssen eine Maske tragen. Auf die Toilette gehen ist nachts nicht möglich, dann sind die Eltern gefragt, um zu helfen. „Wenn die Kinder sich bewegen, machen die Geräte Alarm“, erklärt Mhammed-Hamdo Al Kador. „Gestern war es sechs oder sieben Mal“, berichtet er von der anstrengenden vergangenen Nacht. „Am Wochenende ist er dran, ich mach’ Pause“, sagt seine Frau lachend – beide können sich gut auf Deutsch verständigen. Trotz der Anstrengungen hat die Familie ihre Freude am Leben nicht verloren. Ihre Situation entspannen würde es aber deutlich, wenn sie mehr Raum hätte. Die Ärzte des Kindernierenzentrums bestätigen in ihrem Schreiben, dass für die Behandlung der Kinder im häuslichen Umfeld langfristig eine größere Wohnung nötig ist. „Diese sollte über zwei Kinderzimmer, ein Bad auf der gleichen Ebene sowie eine trockene, frostfreie und abschließbare Lagermöglichkeit für das medizinische Material von 5 Quadratmetern verfügen. Die Wohnung sollte sich im Erdgeschoss oder ersten Stock befinden.“

Auf Hilfe vom Jobcenter angewiesen

Da Mhammed-Hamdo Al Kador eine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik macht und sich seine Frau Rahaf um die Kinder kümmert, sind sie auf die Hilfe vom Jobcenter angewiesen. Das handelt nach einer Angemessenheitsgrenze, die bei einer vierköpfigen Familie bei einer Wohnung in Siegen bei 95 Quadratmetern und ca. 800 Euro im Monat für die Kaltmiete, die Neben- und die Heizkosten liegt. Wenn aber von Ärzten bestätigt wird, dass eine größere Wohnung notwendig ist, „dann wird die Notwendigkeit mit berücksichtigt“, teilt das Jobcenter des Kreises Siegen-Wittgenstein auf Nachfrage mit.
Bislang hat die Familie, die zurzeit am Siegener Giersberg wohnt, vergeblich nach einer neuen Wohnung gesucht. Wer helfen kann, kann sich an Wolfgang von Königsmarck wenden: per Tel. (02 71) 4 41 75 oder per Mail an w.koeningsmarck@t-online.de.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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