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Javid Mohammadi über sein neues Leben
Bomben in Afghanistan schlagen auch in Siegen ein

Jeder Anschlag in Afghanistan  lässt bei vielen Geflüchteten die Erinnerungen wieder aufleben.
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  • Jeder Anschlag in Afghanistan lässt bei vielen Geflüchteten die Erinnerungen wieder aufleben.
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gro Siegen. Das Ali Abad Dental Hospital in Kabul: Fast alle Betten sind belegt. Viele der Patienten sind kleine, schwerverletzte Mädchen. Eines von ihnen ist Zahra. Sie trägt einen dicken Verband um ihren Kopf. Eine Krankenschwester wischt der Schülerin noch schnell das Blut vom Gesicht, bevor sie ein Interview gibt: „Ich bin mit meinen Klassenkameradinnen gerade aus der Schule raus, als wir plötzlich einen lauten Knall gehört haben. Dann ging alles ganz schnell.“

Bei dem Anschlag auf eine Schule in Afghanistan Anfang Mai sind über 50 Kinder ums Leben gekommen. Mehr als 150 wurden verletzt. Diese Nachricht lässt auch den in Weidenau wohnenden Javid Mohammadi nicht kalt. Der 23-Jährige ist in Herat geboren und vor über fünf Jahren nach Deutschland geflüchtet.

gro Siegen. Das Ali Abad Dental Hospital in Kabul: Fast alle Betten sind belegt. Viele der Patienten sind kleine, schwerverletzte Mädchen. Eines von ihnen ist Zahra. Sie trägt einen dicken Verband um ihren Kopf. Eine Krankenschwester wischt der Schülerin noch schnell das Blut vom Gesicht, bevor sie ein Interview gibt: „Ich bin mit meinen Klassenkameradinnen gerade aus der Schule raus, als wir plötzlich einen lauten Knall gehört haben. Dann ging alles ganz schnell.“

Javid Mohammadi ist vor über fünf Jahren von Afghanistan
nach Deutschland geflüchtet.

Bei dem Anschlag auf eine Schule in Afghanistan Anfang Mai sind über 50 Kinder ums Leben gekommen. Mehr als 150 wurden verletzt. Diese Nachricht lässt auch den in Weidenau wohnenden Javid Mohammadi nicht kalt. Der 23-Jährige ist in Herat geboren und vor über fünf Jahren nach Deutschland geflüchtet. Seine Familie und Freunde hat er zurückgelassen, um ein neues Leben zu beginnen. Anschläge wie diese hat er am eigenen Leib erfahren müssen. „Solche Nachrichten bewegen mich sehr, aber mit der Zeit ist man ehrlicherweise schon ein wenig abgehärtet“, erzählt der junge Mann gegenüber der SZ und betont weiter: „Es ist so, wenn man in Afghanistan sein Haus verlässt, muss man immer damit rechnen, nicht unversehrt zurückzukommen.“

Javid Mohammadi kann das Leiden der Menschen in Afghanistan nachempfinden

Der gebürtige Afghane weiß, wie sich die Menschen in Kabul fühlen. Vor einigen Jahren sei er einer Bombe nur knapp entkommen. „Ein guter Freund ist damals vor meinen Augen bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Mir ist nichts passiert, aber so etwas vergisst man nicht“, berichtet Mohammadi.
Besonders wütend mache ihn, dass den Menschen in seinem Heimatland vor allem die Bildung verboten werde. „Besonders die Frauen dürfen in Afghanistan nicht wirklich viel. Die Taliban hoffen, dass die Menschen ihnen ohne Bildung eher glauben und folgen“, sagt der junge Mann. Denn: Wenn vor allem die jungen Menschen bessere Bildung erführen, würden sie laut Mohammadi für die Taliban in Zukunft eine größere Gefahr darstellen. „Mein Bruder wurde beispielsweise von den Taliban angefahren, weil er sich ihnen nicht anschließen wollte“, berichtet er.

Zu seiner Familie habe er nicht wirklich viel Kontakt. Besonders sein Vater könne auch heute noch nicht verstehen, warum er das Land verlassen habe. „Mein Vater möchte zurzeit keinen Kontakt mit mir haben, weil er die Flucht von Anfang an nicht befürwortet hat“, so Mohammadi gegenüber der SZ.

Javid Mohammadi mit seinem neuen Leben im Siegerland glücklich

„Ich bin super glücklich mit meiner Entscheidung. Hier in Deutschland kann ich ein neues Leben beginnen“, betont der gebürtige Afghane. Auch, wenn die Flucht alles andere als leicht gewesen sei: „Ich war insgesamt 37 Tage auf der Flucht. Es gab Tage, da bin ich 14 bis 16 Stunden am Tag gelaufen.“ Viele Menschen, die mit ihm geflüchtet seien, hätten die Reise nicht überlebt. Auch die ersten Monate in Deutschland waren laut Mohammadi sehr schwer: „Ich war lange Zeit im Krankenhaus, da mein Körper die Flucht und die schlimmen Erfahrungen nicht so gut verkraftet hat.“ Momentan gehe es ihm jedoch deutlich besser. „Ich arbeite mittlerweile als Tischler. Das macht mir sehr viel Spaß“, sagt der 23-Jährige. Auch seine Freundin und einige Bekannte seien ihm eine große Stütze.

Mit der Situation in Afghanistan sollte sich jeder befassen

Er finde es wichtig, dass jeder sich mit der Situation in Afghanistan beschäftige. „Die Denkweise der Kinder wurde durch den Krieg, der seit Jahren anhält, geprägt und das, was wir hier für selbstverständlich halten, ist dort entweder gar nicht oder nur selten vorhanden“, betont Mohammadi.
Zu dem Anschlag in Kabul, bei dem vor allem Mädchen im Alter zwischen elf und 15 gestorben sind, bekannte sich zunächst niemand. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani beschuldigte die Taliban. Die hätten erneut gezeigt, dass sie nicht nur nicht bereit seien, die Krise friedlich zu lösen, sondern vielmehr den Friedensprozess so sabotierten, hieß es in einer Mitteilung des Palastes. Diese weisen die Schuld jedoch von sich. In Kabul gilt seit einigen Wochen die höchste Alarmstufe. Auch die NATO zieht sich zurück. Viele befürchten jetzt, dass die Sicherheitslage in Afghanistan wegen des Abzugs der internationalen Truppen noch schlechter werden könnte.

Jeder Anschlag in Afghanistan  lässt bei vielen Geflüchteten die Erinnerungen wieder aufleben.
Javid Mohammadi ist vor über fünf Jahren von Afghanistan
nach Deutschland geflüchtet.
Autor:

Sarah Groos

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