Bombenangriff vor 70 Jahren

Das zerstörte Siegener Rathaus um 1945. Foto: Stadtarchiv Siegen

db - Das erste Mal schrillten die Sirenen am 12. Mai 1940. Siegen erlebte an diesem Pfingstsamstag seinen ersten Fliegeralarm. Bomben fielen aber keine – noch nicht. Rund fünf Monate später schlugen die ersten Sprengkörper dann am Obergraben ein. Spätestens jetzt war der Zweite Weltkrieg voll und ganz in Siegen angekommen.

In den Folgejahren geriet die Krönchenstadt immer wieder ins Visier alliierter Angriffe aus der Luft. Doch ein Tag hat sich für ewig in die Geschichtsbücher der Stadt gebrannt: der 16. Dezember 1944. Um Punkt 11.22 Uhr starteten in England rund 100 Lancaster-Bomber mit 474 Tonnen tödlicher Fracht an Bord. Ihr Ziel: Siegen. Gegen 14.45 Uhr wurde der Fliegeralarm ausgelöst, acht Minuten später rief der Rundfunk akute Luftgefahr aus. Um 14.58 Uhr erlebte die Krönchenstadt dann die Hölle auf Erden, als über 50.000 Brand- und 500 Sprengbomben auf Gebäude und Straßen niederprasselten. Nach gerade einmal sieben Minuten kehrte wieder Stille ein. Ein Großteil der Stadt lag in Schutt und Asche – und 348 ihrer Bürger waren tot. 290 Zivilisten, 26 Soldaten und 32 Zwangsarbeiter.

Eigentlich sollte der Angriff auf die Stadt bereits tags zuvor, am 15. Dezember, erfolgen. Doch das Wetter war zu schlecht, die Bomber drehten ab. Siegen war Standort des Heeresverpflegungszentrums, beherbergte außerdem Kriegsindustrie und Kasernen. Es gab einen Eisenbahnknotenpunkt und der Leitungsstab „V-Waffen“ war am Hermelsbacher Weg untergebracht. Gründe genug für ein Bombardement der Alliierten. Noch heute befinden sich Blindgänger, nicht explodierte Bomben, auf dem Stadtgebiet unter der Erde. Erst Mitte November sorgte die Entschärfung eines Zehn-Zentner-Sprengkörpers für eine große Evakuierung. Am 16. Dezember 1944 wurden aber ebenfalls – und auch das darf nicht verschwiegen werden – über 200 deutsche Raketen auf Antwerpen abgeschossen – auch aus der Leitstelle in Siegen. In der belgischen Stadt starben an diesem Tag 567 Menschen und 291 wurden schwer verletzt.

Heute, 70 Jahre nach dem schwärzesten Tag der Siegener Geschichte, wird erneut dem Angriff und seiner Opfer gedacht. Auch die Siegener Zeitung möchte an dieses geschichtsträchtige Datum erinnern. Wir haben unsere Leser gebeten, uns ihre Erinnerungsstücke zur Verfügung zu stellen und ihre Geschichten mit uns zu teilen. Viele sind dieser Bitte nachgekommen. Wir haben einige der Einsendungen ausgewählt und wollen mit diesen den 16. Dezember 1944 ins Gedächtnis rufen. Die Bilder dazu finden Sie in unserer Galerie. Weitere Zeitzeugenberichte finden sich heute in der Print-Ausgabe der Siegener Zeitung.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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