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Milliarden der Tiere werden ihr Werk fortsetzen
Borkenkäfer kennt kein Kontaktverbot

Sturm „Sabine“ hat im Februar viele geschwächte Fichten umgeworfen. Danach haben Waldgenossenschaften überall versucht, das Schadholz aufzuarbeiten, konnten aber – auch wegen Corona – die Arbeiten nicht zu Ende bringen. Der Borkenkäfer, der jetzt wieder aus seinem Winterquartier krabbelt, hat vermutlich leichtes Spiel. Das Foto zeigt einen ehemaligen Fichtenbestand im Insbachtal zwischen Grund und Allenbach.
  • Sturm „Sabine“ hat im Februar viele geschwächte Fichten umgeworfen. Danach haben Waldgenossenschaften überall versucht, das Schadholz aufzuarbeiten, konnten aber – auch wegen Corona – die Arbeiten nicht zu Ende bringen. Der Borkenkäfer, der jetzt wieder aus seinem Winterquartier krabbelt, hat vermutlich leichtes Spiel. Das Foto zeigt einen ehemaligen Fichtenbestand im Insbachtal zwischen Grund und Allenbach.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ihm Siegen. Für diese Woche ist wunderbares Frühlingswetter angesagt – die Waldbesitzer und Förster in Siegerland und Wittgenstein hören’s mit Grausen. Denn das merkt auch der Borkenkäfer. Temperaturen über 16 Grad sind für den schlimmsten Fichtenschädling, den Buchdrucker, das Signal zum Schwärmen. Der Käfer beginnt dann sein zerstörerisches Werk, denn er hat weder Kontaktverbot noch Ausgangssperre.
300 000 Käfer pro HektarDas Borkenkäfer-Monitoring des Landesbetriebs Wald und Holz hat ergeben, dass zum Beispiel im Elberndorftal bei Lützel 300.000 Käfer pro Hektar in der Fichtenrinde überwintert haben. Dazu kommen 26.000 Käfer pro Hektar, die im Waldboden den Winter überstanden haben. Sie alle werden sich nun auf den Weg zur Fortpflanzung machen.

ihm Siegen. Für diese Woche ist wunderbares Frühlingswetter angesagt – die Waldbesitzer und Förster in Siegerland und Wittgenstein hören’s mit Grausen. Denn das merkt auch der Borkenkäfer. Temperaturen über 16 Grad sind für den schlimmsten Fichtenschädling, den Buchdrucker, das Signal zum Schwärmen. Der Käfer beginnt dann sein zerstörerisches Werk, denn er hat weder Kontaktverbot noch Ausgangssperre.

300 000 Käfer pro Hektar

Das Borkenkäfer-Monitoring des Landesbetriebs Wald und Holz hat ergeben, dass zum Beispiel im Elberndorftal bei Lützel 300.000 Käfer pro Hektar in der Fichtenrinde überwintert haben. Dazu kommen 26.000 Käfer pro Hektar, die im Waldboden den Winter überstanden haben. Sie alle werden sich nun auf den Weg zur Fortpflanzung machen. Von der Eiablage bis zum geschlechtsreifen Insekt dauert es in einem milden Frühjahr nur sechs Wochen, sodass Mitte Juni schon die zweite Generation geschlechtsreif ist – eine Massenvermehrung wie im vergangenen Jahr droht auch 2020.
Aus der Brut eines einzigen Borkenkäferweibchens können in einer Vegetationsperiode bei drei Generationen weit mehr als 100.000 Nachkommen entstehen. Noch zugespitzter: Aus der Borkenkäfer-Population eines einzigen Baumes kann im Folgejahr eine potenzielle Nachkommenschaft von 1,5 Milliarden Käfern heranwachsen.

Corona bringt auch den Betrieb im Wald ins Stocken

Katastrophale Aussichten für den Wald, der durch die sogenannte Borkenkäferkalamität der vergangenen beiden Jahre und durch die Trockenheit ohnehin schon extrem geschwächt ist. Die an vielen Stellen noch nicht geräumten Totholzbestände verschärfen die Situation zusätzlich. Es ist zwar nach Kräften gearbeitet worden, aber Corona hat auch den Betrieb im Wald ins Stocken gebracht. Nirgends sind derzeit mehr Waldarbeiter und Abfuhrunternehmen aus Osteuropa im Einsatz. Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW schätzt, dass das Schadholz nur zu einem Drittel aufgearbeitet worden ist.

Anlegung von Schutzzonen empfohlen

Um zu retten, was zu retten ist, empfehlen die Forstexperten eine selektive Strategie: Man soll schützenswerte, noch gesunde Fichtenbestände finden und um sie herum Schutzzonen (bis zu 3 Kilometer breit) anlegen. In diesen Schutzzonen soll das Schadholz schnellstmöglich abtransportiert werden, und zwar mit Rinde und den darin überwinterndem Käfern. Gegen die Tiere, die nicht in der Rinde, sondern im Boden überwintern, helfen nach Ansicht von Wald und Holz nur Fangsysteme.

Trockenheit und totes Holz Viele geschwächte oder geschädigte Fichtenbestände in Kombination mit anhaltend trocken-warmem Wetter begünstigen die massenhafte Vermehrung der Borkenkäfer. Auch gesunde Fichtenbestände können dem Angriff von großen Käferpopulationen nicht standhalten. Resthölzer mit Rinde dienen als Brutraum und Ausgangspunkt für das Ausschwärmen während der Vegetationsperiode und für das Abwandern in den Waldboden zur Überwinterung. Als natürlicher Feind des Borkenkäfers gilt die Fichte selbst, denn ihr Harz tötet den Käfer, der sich hineinbohrt. Aber schon ab rund 200 Käfern pro Baum kommt die Harzabwehr zum Erliegen. Trockenperioden verringern die Abwehrkraft der Fichte zusätzlich, da zu wenig Wasser für die Harzproduktion zur Verfügung steht. Ob die Regenmenge in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 ausgereicht hat, um den Wald kräftig zu durchfeuchten, ist noch nicht absehbar. An der Niederschlagsmessstelle Lahnhof wurden 422 mm gemessen gegenüber nur 386 mm im Vorjahr. Der Februar brachte viel Regen, aber der März war mit 107 mm schon wieder deutlich trockener als der März 2019.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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