Brachwiesen sind wertvoll

sz Siegen. Brachflächen und unbewirtschaftete Feldraine sind, so die landläufige Meinung, ungepflegte, wertlose Landwirtschaftsflächen, auf denen der Besitzer seinen Pflege- und Nachbarschaftsverpflichtungen nicht nachkommt.

Stimmt nicht, sagt die Untere Landschaftsbehörde beim Kreis Siegen-Wittgenstein. Gerade diese naturbelassenen Flächen seien unter ökologischen Gesichtspunkten besonders wertvoll. Aktueller Anlass: In den vergangenen Tagen wurden unbewirtschaftete Grundstücke vermehrt abgeflämmt.

Feldraine, Böschungen und nicht bewirtschaftete Wiesen seien Nist-, Brut, Wohn- und Zufluchtstätten für viele Tiere. Sie ständen unter dem Schutz des Landschaftsgesetzes. Das verbiete, Bodendecken abzubrennen, zu beschädigen, zu vernichten oder mit chemischen Mitteln niedrig zu halten.

„Wenn sich an den Straßenrändern und Feldrainen die so genannten Unkräuter wieder ausbreiten dürfen, ist das manchen aus ästhetischen Gründen vielleicht ein Dorn im Auge. Jeder sollte aber bedenken, dass neben dem schönen Anblick von blühenden Margeriten, Johanniskraut, Glockenblumen und anderen Kräutern die Saumbiotope und Brachflächen ökologisch äußert bedeutsam sind“, erklärt Dr. Heinz Meyer, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises.

Besonders zur Hauptblütezeit im Juni und Juli könne eine sehr vielfältige Fauna mit etwa 3000 verschiedenen Arten und vielen Blütenbesuchern aus angrenzenden Lebensräumen nachgewiesen werden. Neben unzähligen Insekten kämen dort auch Vögel, Amphibien und Säugetiere vor.Häufig seien diese Flächen, insbesondere wenn im Umfeld eine intensive landwirtschaftliche Nutzung stattfinde, Einstandsgebiete für Rehwild und wichtiger Rückzugsraum für die Rehkitze. Gleichzeitig übernähmen Brachflächen, Feldraine und Böschungen eine wichtige Aufgabe für den Biotopverbund von Lebensräumen.Brachflächen seien Überwinterungsquartier für Insekten. „500 bis 700 Tierarten, davon etwa 100 Vogelarten, leben an und von oberirdischen Pflanzenteilen der Brachflächen“, so Meyer. Sehr wichtig seien derartige Flächen auch für das Mauswiesel und die Schmetterlingsfauna, zum Beispiel für den Mädesüß-Perlmuttfalter.Weniger oder keine Pflege sei also nicht gleichzusetzen mit Unordnung und Nachlässigkeit des Besitzers, sondern bedeute auch Rücksichtnahme auf Tier- und Pflanzenwelt. „Denn nicht alles muss ‘strack’ oder akkurat gepflegt sein, um einen Wert zu haben“, unterstreicht Meyer.Noch Fragen? Michael Gertz von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein gibt Antworten.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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