Brautschau endete im Biotop

Geisweider Realschülerinnen holten stattlichen Flusskrebs aus dem Sohlbach

Geisweid. Eigentlich wollten sie im Sohlbach Forellen angeln, doch dann kam alles ganz anders. Nadine Merten (11) und Laura Blindenbacher (10) merkten ein heftiges Ziehen an ihrer selbst gebastelten Angel, bei der ein gebogenes Stück Draht den Haken ersetzte. Mit vereinten Kräften hievten sie ein undefinierbares schwarzes Lebewesen aus dem nassen Element, das sich mit seinen Scheren am Seil und Drahthaken festhielt. Das 22 Zentimeter große Getier versetzte die beiden Geisweider Realschülerinnen zunächst in helle Aufregung, denn so etwas hatten sie bei ihren Angeltouren noch nie gesehen.

Dabei sind ihnen Wassertiere durchaus nicht fremd. Engen Kontakt zur Natur halten sie u.a. durch ein Biotop sowie einen Fischteich, in dem „Anton” dominiert. Der ist ein Goldfisch und dreht dort seine Runden.

In den Versuch, die Bestimmung des Fangs vorzunehmen, wurde dann Vater Horst Merten eingebunden, der hinter seinem Haus ein kleines Wasserparadies angelegt hat. Der schaltete Klaus Schreiber, Biologielehrer an der Geisweider Realschule und engagierter NABU-Experte, ein. Er fand schnell heraus, dass den beiden Schülerinnen ein besonders attraktiver Angelerfolg geglückt war. Schreiber erklärte, das es sich um einen Vertreter des Europäischen Flusskrebses (oder Edelkrebses) handle, der mit seiner Größe von 22 Zentimetern Körperlänge, seinem spitzen Stirnstachel, der so genannten „Krebsnase”, und den typischen roten Abzeichen an den Beingelenken unverkennbare Artmerkmale trug. Da im Herbst Paarungszeit ist, so Schreiber, dürfte es sich bei dem Exemplar um ein Männchen handeln, das auf Brautschau war, denn in der Regel sind Edelkrebse während ihrer Jagd auf Beute (lebende Tiere, Aas, frische und abgestorbene Pflanzenteile) nachtaktiv.

Männliche Edelkrebse können mehr als 20 Jahre alt werden, der Edelkrebs lebt nur in den Uferhöhlen recht sauberer Gewässer. So ist verständlich, das ihm infolge von Gewässerverunreinigung immer stärkerer Rückgang droht. Hinzu kommt, das um 1870 eine als „Krebspest” bezeichnete Pilzkrankheit fast alle Edelkrebse ausrottete. Dagegen ist der um 1890 neu bei uns eingeführte Amerikanische Flusskrebs mit einer Körperlänge von etwa zehn Zentimetern gegen die Krebspest gefeit und kann auch in schmutzigem Wasser noch leben.

Wegen der Seltenheit wurde der Edelkrebs 1980 in die Bundesschutz-Artenverordnung aufgenommen. Auf Grund der Anfälligkeit der Bestände ist der Edelkrebs in die Kategorie 2 („stark gefährdet”) in die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere in NRW aufgenommen worden. Diese Liste wurde jüngst durch die Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ihrem Krebs gaben die Schülerinnen den Namen „Sabrina”, doch die Entscheidung für diese Bezeichnung ist nicht ohne Tücken. Denn vieles spricht dafür, dass es sich um ein männliches Wesen handelt. Klaus Schreiber empfahl den beiden Anglerinnen, auch noch den Lebenspartner an Land zu ziehen, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Ob ihnen allerdings noch einmal das große Glück hold ist, eine Rarität aus dem Sohlbach zu fischen, scheint keineswegs sicher.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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