Aktion motiviert junge und alte Menschen
"Briefe gegen die Einsamkeit"

Projektverantwortliche Anne Ploch von der youngcaritas Siegen hält eine Vielzahl von Briefen in Händen. Sie leitet sie gern weiter.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

sk Siegen. In Zeiten von Corona, Lockdown und Unsicherheit nimmt vor allem eines zu: die Einsamkeit. Am schlimmsten betroffen sind dabei die, die wir in unserem Alltag vielleicht nicht zu sehen bekommen, vielleicht gar vergessen. Zum Beispiel Menschen, die von den Sozialstationen aus zu Hause betreut werden. Oder Teilnehmer des regelmäßigen Mittagstisches der Caritas in Siegen. Sie vermissen in diesen schwierigen Zeiten das soziale Miteinander und fürchten, den Anschluss zu verlieren.

Die Schere der Armut öffnet sich in Zeiten von Corona nur weiter, und dabei, so betont Projektverantwortliche Anne Ploch im Gespräch, dürfe man Armut nicht nur als materiellen Mangel verstehen, sondern auch als Armut an menschlichem Kontakt.

"Herzenspost" bekämpft Armut und Einsamkeit

Ein Versuch, diese Armut und Einsamkeit zu bekämpfen, ist die Aktion „Herzenspost“ aus Siegen. Seit dem Frühjahr 2020 motiviert die Aktion junge und auch ältere Menschen, kreativ zu werden und damit jenen eine Freude zu machen, die in diesen Zeiten vermeintlich unsichtbar geworden sind.

Basteleien, Gedichte, Bilder und geschriebene Briefe werden von der youngcaritas Siegen gesammelt und an all diejenigen weitergeleitet, die sich über eine solche Geste freuen. Die Aktion „Herzenspost“, die als Ausdruck von Zusammenhalt verstanden werden kann, ist ausgesprochen erfolgreich. Briefe aus Köln, Koblenz und selbst England erreichen die Siegener Briefeleser. Die Siegener Sozialstation versorgt 180 Patienten und ist einer der Standorte, die regelmäßig mit Briefen aus der Region versorgt werden.

"Herzensbriefe" machen in öden Zeiten Hoffnung

Gerade hier lässt sich erkennen, dass die Einsamkeit und auch die Angst, in Zeiten von Corona das Haus zu verlassen, zugenommen haben. „Vor Corona“, so Pflegedienstleitung Gabi Klein, „sind die Patienten oft noch mit zum Einkaufen genommen worden. Aber selbst das ist nun nicht mehr möglich. Viele sitzen schlicht zu Hause fest, können oder trauen sich nicht mehr vor die Tür.“ Die „Herzensbriefe“, Gedichte und Basteleien können in diesen öden Zeiten Hoffnung machen, dass bessere Zeiten auf uns warten und dass die Einsamkeit nicht ewig anhalten muss. Gabi Klein beschäftigt auch die Sorge, dass die Anzahl der Briefe mit zunehmender Corona-Müdigkeit weniger werden könnten. „Das wäre fatal, da das vielen Menschen das Gefühl geben könnte, man hätte sie nun vollkommen vergessen.“

Aber nicht nur für ältere und einsame Menschen stellt die Aktion „Herzenspost“ etwas Hoffnungsvolles dar: „Auch Kinder bemerken, dass etwas Schlimmes passiert, dass sie nicht mehr zur Schule gehen oder ihre Freunde treffen können“, ergänzt Anne Ploch. Sie berichtet, das Schreiben der Briefe bestärke junge Menschen darin, dass sie der Corona-Krise nicht vollkommen hilflos gegenüber stünden. „Es gibt ihnen den Eindruck, dass sie etwas bewirken und einen Unterschied machen können. Der Effekt wird durch Berichterstattung über die Aktion sogar noch verstärkt“, unterstreicht sie.

Aktion auch nach Corona noch Anklang

Eine Antwort darf man bei der Aktion Herzenspost jedoch nicht erwarten. Die Idee ist, auch hier jungen Menschen zu verstehen zu geben, dass sie etwas Gutes tun können, ohne etwas dafür zurückzubekommen. Ploch und Klein hoffen dabei, dass die Aktion auch nach Corona noch Anklang findet.

Auf die Frage danach, was sie jemandem mitgeben würde, der Hemmungen hat, einen Brief zu schreiben, erklärt Gabi Klein: „Man kann nichts Falsches schreiben, wenn man es mit Liebe schreibt.“

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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