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Auf Spurensuche im südlichen Siegerland
Brotbacken ist der Corona-Trend

Manche holen sich während der Pandemie einen Welpen, andere backen sich einen Hermann. Die Sauerteig-Variante wird als der neue Corona-Trend gehandelt.
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  • Manche holen sich während der Pandemie einen Welpen, andere backen sich einen Hermann. Die Sauerteig-Variante wird als der neue Corona-Trend gehandelt.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

sabe Gosenbach. Manche holen sich während der Pandemie einen Welpen, andere backen sich einen Hermann. Die Sauerteig-Variante wird als der neue Corona-Trend gehandelt. Und: Die Zeichen stehen gut, dass das auch nach der Krise noch so ist – und zwar nicht nur, weil sich Hermann-Teig bei richtiger Pflege theoretisch ewig hält … Öffnet man im Gosenbacher Backes die schweren Türen, schlägt einem Ursprünglichkeit entgegen. Die abgegriffenen Backformen und die früher üblichen Backutensilien erzählen von Erfahrung und Tradition. Und obwohl aufgrund der Pandemie seit Monaten in dem hübschen Backes im Herzen der Ortsmitte nicht mehr gebacken worden ist, haftet der wohlige Duft von frisch gebackenem Brot noch immer an den Wänden.

sabe Gosenbach. Manche holen sich während der Pandemie einen Welpen, andere backen sich einen Hermann. Die Sauerteig-Variante wird als der neue Corona-Trend gehandelt. Und: Die Zeichen stehen gut, dass das auch nach der Krise noch so ist – und zwar nicht nur, weil sich Hermann-Teig bei richtiger Pflege theoretisch ewig hält … Öffnet man im Gosenbacher Backes die schweren Türen, schlägt einem Ursprünglichkeit entgegen. Die abgegriffenen Backformen und die früher üblichen Backutensilien erzählen von Erfahrung und Tradition. Und obwohl aufgrund der Pandemie seit Monaten in dem hübschen Backes im Herzen der Ortsmitte nicht mehr gebacken worden ist, haftet der wohlige Duft von frisch gebackenem Brot noch immer an den Wänden. Ein Aroma, das seit dem Lockdown auch immer öfter in deutschen Küchen und Wohnzimmern Einzug hält. Brotbacken ist neuer Corona-Trend. Warum ist das so? Auf Spurensuche im südlichen Siegerland. Im Innern des kleinen Backhauses warten mit Tilmann Fischbach (75), Herbert Lester (72) und Klaus Volker Walter (78) eingefleischte Brotliebhaber. Spezialisten, die eine gute Siegerländer Donge genau so schätzen wie das alte Handwerk selbst. Die angesagtesten Brotback-Trends kannten die Herren also schon, als es das Wort „Hype“ noch gar nicht gab. Mit den Gründen fürs Brotback-Phänomen in der Pandemie ist es genauso.

Mehlvorrat kann genutzt werden

„Diese momentane Nostalgiewelle“, meint Tilmann Fischbach, „Bäckermeister von der Pike auf“ und jetzt im Ruhestand noch immer um die beste Mischung aus harter Schale und weichem Kern bemüht, fange ja beim Marmeladekochen an und höre beim Brotbacken auf. „In der freien Zeit, die viele gerade haben, da besinnt man sich auf die Dinge, die möglich sind. Für die man vielleicht nicht jeden Tag in den Supermarkt laufen muss.“ Tatsächlich reicht wohl für einige der traditionellsten Siegerländer Rezepte, wie das Riewekooche, der Gang in den hauseigenen Vorratsraum – die Hamsterkäufe lassen grüßen. Zu Anfang der Pandemie hatten sich viele aus Angst vor Lieferengpässen mit immensen Mengen an Mehl und Hefe eingedeckt. Herbert Lester, der Tilmann Fischbach als „Gehilfe“ mit Schanzen binden und heizen zur Seite steht, glaubt, die Welle um das Brotbacken in diesen Wochen ähnele dem Phänomen der Vorratskäufe im vergangenen März: „Sicherlich ist auch hier die Angst wieder ein bisschen dabei. Brot wird als Grundnahrungsmittel mit Sicherheit gleichgesetzt.“

Brotbacken ist Kultur

Als Herbert Lester – nicht zum Backen, nur zum Vorführen – den alten, schweren Ofen mit dem Haubergs-Reisig ordentlich auf Temperatur bringt und dabei mit Stocheisen, Besen und Ascheschieber scheinbar naturgewachsen hantiert, wird noch etwas deutlich: Brotbacken ist Kultur, Erinnerung, ein Teil von Identität, es mischt Nostalgie und Nachhaltigkeit und fordert Konzentration für die Sache.
Kurzum: Die Spurensuche im südlichen Siegerland nach dem Corona-Trend des wohl geschichtsträchtigsten Lebensmittels der Deutschen setzt tiefe Gefühle frei. Wer es also ernst meint mit selbstgebackenem Brot, der braucht keine virtuellen Yoga-Kurse mehr, um entspannt durch den Lockdown zu kommen. Nichts verlangt so viel Hingabe wie ein herausfordernder Hermann, ein Sauerteig aus Weizenmehl, mit antiken Wurzeln. Brot backen, sagt Tilmann Fischbach, das bedeute nicht selten einiges an Arbeit. „Man ist dann stolz, wenn man etwas mit den eigenen Händen erschaffen hat. Fast wie ein therapeutischer Akt“, lacht er. „Und wenn es nicht ganz gelungen ist, wird ein Auge zugedrückt. Einfach weil es selbstgemacht ist.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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