Gehörlosenberatung der Diakonie
Brückenbauer in die Welt der Hörenden

Harald Würlich leitet seit rund 20 Jahren die Gehörlosenberatung, angesiedelt bei der Diakonie in Südwestfalen.  Ende des Jahres geht er in Rente.
  • Harald Würlich leitet seit rund 20 Jahren die Gehörlosenberatung, angesiedelt bei der Diakonie in Südwestfalen. Ende des Jahres geht er in Rente.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja/sz Siegen. Seit rund 20 Jahren berät Dipl.-Sozialpädagoge Harald Würlich gehörlose, schwerhörige und spätertaubte Menschen in allen Bereichen des Lebens. Er hat eine halbe Stelle inne, angesiedelt ist sie bei der Diakonie in Südwestfalen an der Siegener Friedrichstraße. Er ist Ansprechpartner für Betroffene aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe. Ende des Jahres geht er in Rente. In einem Rundschreiben u. a. an Kreis- und Rathäuser, Politik und Kirche bringen Menschen, die seine Unterstützung benötigen, nun klar zum Ausdruck: Die Beratung sei ein besonderes Angebot, „das auf keinen Fall wegfallen darf“.

Hilfe bei Formularen, Telefonaten und beim Dolmetschen

Würlich unterstützt insbesondere beim Kontakt mit Behörden, erledigt wichtige Telefonate und hilft dabei, Alltagssituationen möglichst problemlos zu bewältigen. Immer wieder veränderte Formulare und Bescheide müssten ausgefüllt werden – ob von Jobcenter, Finanzamt, Kranken- oder Rentenversicherung, zählt Würlich im SZ-Gespräch auf. Das Problem: Die Lautschriftsprache sei für Gehörlose eine Fremdsprache, die Gebärdensprache habe zudem eine ganz eigene Grammatik, sei im Satzbau einfacher. Daher haben Gehörlose Probleme, komplexe, geschriebene Texte zu verstehen – oder selbst zu verfassen. Telefonisches Nachfragen ist ebenfalls keine Option. Er berät in seinem Büro, per Hausbesuch, SMS, E-Mail und Fax – und beherrscht natürlich die Gebärdensprache. Er steht regelmäßig mit 60 bis 70 Personen in Kontakt; in den beiden Kreisen gebe es rund 300 gehörlose Menschen. Sie suchen auch bei Erziehungs- und Gesundheitsfragen, rechtlichen Angelegenheiten seinen Rat oder Unterstützung. Würlich: „Die Beratungsstelle ist sozusagen die Brücke in die hörende Welt.“ Gehörlose seien oft auf ein Sprachrohr angewiesen. Als anfangs der Coronakrise viele Ämter und auch sein Arbeitsplatz nur noch telefonisch oder per Mail erreichbar waren, traf der Sozialpädagoge sich mit den Ratsuchenden auch in Parks zum Austausch von Unterlagen und Informationen – vor allem, wenn Fristen abzulaufen drohten.

Gehörlose hoffen auf Weiterführung der Beratung

Daher ist der schriftliche Appell der auf diese Hilfe Angewiesenen nachvollziehbar: Im Sinne einer besseren Teilhabe wünschen sich Gehörlose für eine Stadt mit der Größenordnung Siegens und der gesamten Region weiterhin ein verlässliches Angebot vor Ort: eine fest angestellte Person, klare Zuständigkeiten, geregelte Dienstzeiten. „Wie hoch der Beratungsbedarf Hörgeschädigter allgemein ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Oft sind aber die Beratungsfälle sehr komplex und erfordern viel Zeit. Ob sich die Diakonie in Südwestfalen weiter bereit bzw. in der Lage sieht, die Beratungsstelle für Gehörlose vorzuhalten, ist nicht sicher. Gehörlose wünschen sich sehr, dass Stadt und Kreise hier die Initiative ergreifen und ein zukunftssicheres Angebot etablieren“, ist in dem Schreiben der Selbsthilfegruppe „GebärdenPur“ zu lesen. Ohne ein kompetentes Hilfsangebot wären Gehörlose noch massiver von möglichen Unterstützungsangeboten ausgeschlossen „und in der Wahrung ihrer Teilhaberechte bei Behörden, Arztbesuchen oder Krankenhausbehandlung häufig benachteiligt“.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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