Gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe
Brutale Jugendliche verurteilt

Das Jugendschöffengericht verhandelte am Donnerstag gegen vier junge Beschuldigte, die im Juni 2019 – in unterschiedlicher Weise – an dem Angriff auf eine Betreuerin des Freudenberger „Friedenshorts“ beteiligt waren.
  • Das Jugendschöffengericht verhandelte am Donnerstag gegen vier junge Beschuldigte, die im Juni 2019 – in unterschiedlicher Weise – an dem Angriff auf eine Betreuerin des Freudenberger „Friedenshorts“ beteiligt waren.
  • Foto: sz-Archiv
  • hochgeladen von Marc Thomas

mick Siegen. Am Anfang standen einmal Ermittlungen wegen versuchten Mordes. Am Donnerstagmittag gab es am Siegener Jugendschöffengericht „nur noch“ zwei Verurteilungen wegen gefährlicher Körperverletzung und zwei für Beihilfe zur Tat. Die war trotzdem noch brutal genug.
Das Täterquartett aus zwei jungen Männern und zwei Frauen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren war am 11. Juni 2019 in der Jugendhilfeeinrichtung „Friedenshort“ in Freudenberg straffällig geworden. Einer von ihnen schlug einer Betreuerin mit einem Teleskopstock mehrfach auf den Kopf.

Die Frau kam mit ein paar Platzwunden und dem Schrecken davon. „Das ist schon ein besonderer Fall“, fand Richterin Dr. Sandra Al-Deb’i-Mießner, die von einem „Tatplan wie in einem schlechten Fernsehfilm“ sprach, „in dilettantischer Ausführung“. Eine solche Brutalität gegen eine Frau, die zumindest zwei der Angeklagten betreut „und ihnen die Brote geschmiert hat“, sei ihr aber noch nicht vorgekommen.

Mit Stock auf Frau eingeschlagen

Anlass für die Attacke sei gewesen, „Stress zu machen“ gegen die strenge Einrichtungsleitung, vor allem aber auch, die diensthabende Betreuerin auszuschalten und einen Tresor mit Taschengeld für die Bewohner mitgehen zu lassen. Das geht aus den verschiedenen Aussagen hervor. Vor allem aus der des inzwischen 18-Jährigen, der 2019 mit dem Stock auf die Frau einschlug. Die beiden Mädchen, damals 14 und 15, die im Haus wohnten, sollten die Aufsicht zunächst ablenken, damit die jungen Männer durch ein Fenster ins Haus kämen. Dann war geplant, die Betreuerin „bewusstlos zu machen“, durch Chloroform oder eben den mitgebrachten Stock.

Erzieherin mit Eisenstange schwer verletzt

Sein älterer Mittäter habe erst schlagen wollen, dann aber ihm die Aufgabe überlassen, berichtete der Angeklagte, teils selbst, teils über seinen Anwalt. Schon beim Schlagen sei ihm gar nicht mehr wohl gewesen, er habe sich schlecht gefühlt und schließlich aufgehört; aus Sorge, Schlimmeres anzurichten. Sein Mandant müsse in jener Nacht „total neben sich gestanden haben, um sich auf einen derart idiotischen Plan einzulassen“, stellte Anwalt Carsten Marx fest. Der Angeklagte habe wohl wirklich gedacht, ein Schlag auf den Kopf mache ohnmächtig, ohne zu verletzen. Dann sei es aber nicht wie im Film gelaufen. Allein die Vorstellung, sich mit 2000 Euro „in der Sonne von Köln zur Ruhe zu setzen“, sei völlig abwegig. Ein Zeuge hat die vorher geäußerten Pläne des Quartetts mitgeteilt, noch „ein letztes Ding zu drehen und sich dann nach Köln abzusetzen“. Wobei sich der Älteste der vier hinterher in Siegen noch damit gebrüstet hätte: „Bis er merkte, dass er dafür vielleicht 15 Jahre bekommt. Da hat er alles auf seinen Freund geschoben!“

Nichts vom Tatplan gewusst

Die beiden jungen Frauen, die nach dem Vorfall aus der Einrichtung geworfen worden waren, erklärten vor Gericht, nichts vom aktuellen Tatplan gewusst und entsprechende Gerüchte nicht ernst genommen zu haben. Beim Einschleusen der beiden Freunde sei es aus ihrer Sicht nur darum gegangen, Unruhe zu stiften, sagte die eine, damals 14.

Immerhin, die ältere Angeklagte hat sich in einem persönlichen Gespräch bei der Betreuerin entschuldigt, obwohl sie bei den Schlägen nicht einmal im Zimmer war. Auch der junge Mann, der zuschlug, hat sich – schriftlich – entschuldigt. Alle vier hätten viel Glück gehabt, betonte Staatsanwalt Fabian Glöckner, dass ihr Opfer letztlich so glimpflich davongekommen sei. Dennoch habe die Frau ihre Arbeitsstelle gewechselt und mache keine Nachtdienste mehr.

Zehn Monate auf Bewährung

Der älteste Täter wurde zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 80 Sozialstunden leisten. Der Kumpel, der zuschlug, bekam eine Verwarnung und zwei Wochen Dauerarrest. Die beiden jungen Frauen wurden wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verurteilt, auch sie kommen ohne Haft davon. Das Gericht verhängte jeweils Verwarnungen und 40 Stunden Sozialarbeit.

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen