SZ

Ehrengrab für Georg Ratzinger wieder in würdigem Zustand
Buchstabe für Buchstabe eingemeißelt

Buchstaben für Buchstaben meißelte Uwe Werthebach Namen, Titel und Daten in den Grabstein Georg Ratzingers.
2Bilder
  • Buchstaben für Buchstaben meißelte Uwe Werthebach Namen, Titel und Daten in den Grabstein Georg Ratzingers.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ihm Siegen/Regensburg. Als im September der Anruf der Stiftung Regensburger Domspatzen kam mit der Bitte, das Grabmal für den verstorbenen Domkapellmeister Georg Ratzinger (s. gesonderten Artikel) herzurichten und die Schrift für ihn auf den Stein aufzubringen, zögerte Uwe Werthebach keinen Moment. Und das, obwohl der Zeitplan eigentlich unerfüllbar eng war. Bis Allerheiligen so die Vorgabe, sollte alles fertig sein. Nur ein paar Wochen blieben dem Steinmetz – neben den vielen anderen Aufträgen – für die Arbeit. Und die erwies sich als knifflig.
Zuerst musste mit der Stiftung genauestens abgestimmt werden, was auf dem Grabstein stehen sollte. Georg Ratzinger ist in dem Grab beigesetzt, in dem auch sein Vorgänger, der Domkapellmeister Theobald Schrems, seit 1963 ruht.

ihm Siegen/Regensburg. Als im September der Anruf der Stiftung Regensburger Domspatzen kam mit der Bitte, das Grabmal für den verstorbenen Domkapellmeister Georg Ratzinger (s. gesonderten Artikel) herzurichten und die Schrift für ihn auf den Stein aufzubringen, zögerte Uwe Werthebach keinen Moment. Und das, obwohl der Zeitplan eigentlich unerfüllbar eng war. Bis Allerheiligen so die Vorgabe, sollte alles fertig sein. Nur ein paar Wochen blieben dem Steinmetz – neben den vielen anderen Aufträgen – für die Arbeit. Und die erwies sich als knifflig.
Zuerst musste mit der Stiftung genauestens abgestimmt werden, was auf dem Grabstein stehen sollte. Georg Ratzinger ist in dem Grab beigesetzt, in dem auch sein Vorgänger, der Domkapellmeister Theobald Schrems, seit 1963 ruht. Die Grabplatte und das breite Grabmal mit dem Bronzekreuz und den ersten Noten des „Te deum laudamus“ („Großer Gott, wir loben dich“) waren also bereits vorhanden. Schrems’ Name, seine Titel und die Lebensdaten waren auf der linken Seite des Kalksteinmonuments verewigt. Die rechte Seite war für Georg Ratzinger reserviert.

Restaurierung von Grund auf nötig

„Als ich auf den Friedhof kam und das Grab sah, habe ich erst mal einen Schreck bekommen. Der eigentlich helle Stein so dunkel wie der Dom früher, das Grab war in keinem würdigen Zustand.“ Uwe Werthebach war sofort klar, dass es mit dem schnellen Einmeißeln der neuen Schrift nicht getan war. Hier musste von Grund auf restauriert werden. Zuerst aber war die Frage: Welche Schrift? Der Steinmetz hatte 1964 die Schrift für Theobald Schrems frei von Hand in den Stein geschlagen. Daneben konnte Uwe Werthebach nun nicht mit einer modernen Schrift aufwarten. „Ich habe also einen Abrieb der alten Buchstaben erstellt.“ Mit einer Art Pauspapier und roter Kreide kopierte er die Konturen, um daraus die neue Inschrift zusammenzustellen. Die Idee, dass man die Steinplatte aus Regensburg mit ins Siegerland nehmen und dort in der Werkstatt die Schrift einmeißeln könnte, erwies sich als undurchführbar. „Wir mussten vor Ort arbeiten, es ging nicht anders.“

Zelt über das Grab gebaut

Steinmetz Michael Dick und Bildhauerin Miriam Textor aus dem Siegener Betrieb machten sich mit dem Chef ans Werk. Das Oktober-Wetter in Bayern war alles andere als einladend, aber Uwe Werthebach half sich mit einem Zelt, das er über das Grab baute. „So konnten wir wenigstens im Trockenen arbeiten. Aber es war lausig kalt.“ Die Reinigung des Kalksteins war die erste Herausforderung. Die üblichen Mittel funktionierten nicht so recht. Erst als der Steinmetz mit einer maschinell betriebenen Satinierscheibe vorsichtig zu Werke ging, kam die schöne helle Farbe wieder zur Geltung. Buchstaben für Buchstaben meißelte Uwe Werthebach den Text in die Platte. Bewusst hatte sich die Stiftung dafür entschieden, die Schriftgröße und den Zeilenabstand von dem Text für Theobald Schrems abzusetzen. Jede Inschrift sollte für sich stehen – immerhin liegen über50 Jahre zwischen den beiden Sterbedaten. Immer wieder blieben Friedhofsbesucher vor dem Grab, das zwei Wochen lang eine Baustelle war, stehen und kamen mit den Siegerländer Steinmetzen ins Gespräch. „Gut, dass das jetzt so schön hergerichtet wird“, hörten die Handwerker oft – ein Ansporn an dem unwirtlichen Arbeitsplatz.

Der raue Kalkstein verzeiht keine Fehler

Zum Schluss kam die kniffligste Arbeit: Das Ausmalen der eingemeißelten Buchstaben. Mit aus Siegen mitgebrachter Farbe und Pinsel strichelten die Steinmetze sorgfältig in die Vertiefungen. „Alles im Stehen, oft leicht gebückt. Man muss eine ganz ruhige Hand haben, denn wegwischen kann man nichts, wenn etwas daneben geht.“ Der raue Kalkstein verzeiht keine Fehler.
Wenige Tage vor dem 1. November war es vollbracht: Das Grab der beiden Domkapellmeister erstrahlt ganz in Weiß, und Uwe Werthebach hat seinem „Chef“ ein würdiges Denkmal gesetzt. Das werden auch nachfolgende Generationen von Domspatzen besuchen können, denn dieses Grab ist ein „Ehrengrab“, das niemals eingeebnet wird. Da hat Georg Ratzinger, der seinen Jungs gern Spitznamen gab, bei Uwe Werthebach wohl richtig gelegen. Ihn nannte er „Ehrenmann“.

Buchstaben für Buchstaben meißelte Uwe Werthebach Namen, Titel und Daten in den Grabstein Georg Ratzingers.
Der „Abrieb“ der vorhandenen Lettern auf dem Grabstein bildete die Grundlage für die neue Schrift.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

10 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen