Buckel-Glöckner ohne Glocke

Siegen. Das »Geheimnis von Notre Dame« haben die knapp 600 Zuschauer am Dienstagabend entschlüsselt. Verborgen blieb nach der Aufführung von »Der Glöckner von Notre Dame« in der Siegerlandhalle allerdings das Erfolgsgeheimnis dieses Musicals. Der Funke sprang trotz der bekannten Victor-Hugo-Geschichte vom buckeligen Quasimodo und der schönen Zigeunerin Esmeralda nicht über.

Das Bühnenbild, die Kathedrale Notre Dame in Paris, erinnerte sehr an eine Schultheaterkulisse und war nicht geeignet, das Publikum in Musical-Stimmung zu versetzen. Nicht einmal eine echte Glocke zum Läuten hatte der Glöckner in seinem Glockenturm zur Verfügung. Auch die reichlich eingesetzten Lichteffekte konnten über das dürftige Bühnenbild nicht hinwegtäuschen.

Die ursprünglich als Esmeralda angekündigte »Ausnahmesängerin« Jasmina Sakr trat gar nicht in Erscheinung, stattdessen hatte sich Renate Pertl in der Rolle der Esmeralda eine Kehlkopfentzündung zugezogen – ihre Gesangsbeiträge kamen vom Band. Auch in der Darstellung der »feurigen Zigeunerin« blieb Pertl erstaunlich blass. Da passte sie gut zu ihrem Liebhaber, dem Hauptmann Phoebus, den der »Wiener Star-Tenor« Gerald Reiter verkörperte. Nicht nur die Dialoge mit Esmeralda, auch die ansonsten ausdrucksstarken Songs verschenkte der junge Mann, und daran war nicht nur die Tatsache Schuld, dass die Gesangspartnerin vom Band sang.

Reiters dünne Performance wurde beim wunderschönen »Liebe mich« aufgefangen von den stärkeren Partnern Michael Thomas (als eiskalter, aber liebesbedürftiger Richter Frollo) und Michael Spiess als Quasimodo: »Ich begehre sie, bewund’re und verehre sie«, sangen die drei und da wurde es dann doch mal kurz musical-mäßig intensiv. Das Publikum spendete höflich Zwischenapplaus nach den mal fetzigen und mal gefühlvollen Songs von Christian De Lellis und Patrick Langer. Stimmlich wie darstellerisch präsent war Spiess als geschundene Kreatur Quasimodo, »halb Tier, halb Mensch«, der am Ende die Freiheit gewann – beflügelt von der Zuneigung, die Esmeralda ihm schenkt, wächst er über sich hinaus.

Einen ansprechenden Auftritt hatten die zwei Tänzer und sieben Tänzerinnen von der Broadway Dance Company. Sie zauberten immer mal wieder Zigeunerstimmung auf die Bühne, sei es im Liebes-Pas-de-Deux, um das Duett von Hauptmann Phoebus und Esmeralda im Hintergrund zu illustrieren, sei es in den gemeinsamen Tanzszenen, die fast an »Magic of the Dance« erinnerten. Klammerbildende Funktion hatte der Erzähler Zoltan Mezei, der – obwohl nicht »eigentlich« Teil der Handlung – noch am meisten Musical-Gefühl mitbrachte und erzeugen konnte.

»Das war das Geheimnis von Notre Dame«, hieß es schließlich, als alles Übel aus dem mittelalterlichen Paris verbannt war und die Liebe über die Garstigkeit gesiegt hatte. Von der kathartischen Auflösung beseelt, klatschten die Zuschauer schließlich mit, bevor ein eher dürftiger Musical-Abend zu Ende ging. Das erfolgreiche Disney-»Glöckner«-Musical in Berlin muss ein anderes Geheimnis gehabt haben.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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