Bülent Ceylans „Kronk“ bejubelt

 Samstag und Sonntag begeisterte Bülent Ceylan in der Siegerlandhalle mit seinem neuen Programm „Kronk“. In der zweieinhalbstündigen Show gab es allerdings nicht nur etwas zum Lachen, sondern durchaus ernste Töne zur Lage der Nation. Foto: René Traut
  • Samstag und Sonntag begeisterte Bülent Ceylan in der Siegerlandhalle mit seinem neuen Programm „Kronk“. In der zweieinhalbstündigen Show gab es allerdings nicht nur etwas zum Lachen, sondern durchaus ernste Töne zur Lage der Nation. Foto: René Traut
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la - Der Muezzin ruft hinter geschlossenem Vorhang, da tobt am Samstag schon das Publikum im großen Saal der Siegerlandhalle. Warum? Bülent Ceylan ist da, mit seinem neuen Programm „Kronk“. Am Sonntag gibt es eine Zusatzshow. Über 4600 wollen ihn sehen und hören mit seinem neuen Programm, den gebürtigen Mannheimer mit deutsch-türkischen Wurzeln und der pechschwarzen langen Mähne, um die ihn jede Frau beneiden würde. „Das ist echt geil und nicht selbstverständlich, an zwei Abenden ausverkauft“, feuert er seine Siegerländer Fans im Regen der Feuerwerks-Kaskaden an, während vor der Bühne sein treuer Tournee-Begleiter Ali für Recht und Ordnung sorgt.

Erst nach über zwei Stunden dürfen seine Fans den Bühnenrand stürmen, da singt Ceylan Heavy-Metal-Hartes als Zugabe, und vom Hallendach regnet es bunte Papierschnipsel. Klare Botschaft, klare Sprache: „Nazis raus.“ Am Ende hat sich aber auch erfüllt, was sich der 40-Jährige zu Beginn gewünscht hat: „Wir dürfen uns durch Terroristen das Lachen nicht nehmen lassen!“ Lasst uns feiern! Dann befreit er sich aus der Zwangsjacke, in der er auf die Bühne gefahren wurde. „Kronk“ hat er sein neues Programm genannt, denn es gibt vieles in deutschen Landen, das „krank“ ist. Der zunehmende Rechtsextremismus, der lässt auch den „Monnemer Türk“ nicht kalt. Er fühlt sich als Deutscher unter Deutschen und bestärkt sein Publikum darin, ein guter Gastgeber zu sein. „Egal, woher die Gäste kommen. Es ist doch egal, ob ich Türke oder Flüchtling bin. Ich bin Monnemer.“ Und seine Fans wissen: Mutter Hilde ist Deutsche, Vater Ahmet Türke, und er selbst wurde in Mannheim geboren und machte hier sein Abitur.

Doch genug der angebrachten ernsten Töne. Schließlich schlägt das Zwerchfell Purzelbäume, wenn der Deutsche-Comedy-Preisträger auftritt. Der Rahmen für sein neues Programm, mit dem er auf Tournee ist, mag neu sein. Seine Protagonisten sind aber alle wieder dabei. Da ist Harald, der sich in die Veganerin Bettina verliebt. „Ein Kampf der Salamisten gegen Salatisten.“ Wenn jemand im Publikum nicht weiß, was Veganer sind, Bülent Ceylan klärt auf: „Veganer sind die, die auf der BAB rückwärtsfahren, damit die Fliegen nicht sterben.“ Und da ist Hasan, der anatolische Hengst mit Glitzerkette und Kamm im Hosenbund, der jetzt ins Fitnesscenter geht. Da bleibt keine Zote unausgesprochen, wenn der Hengst die Damen im engen Sportdress sieht. Mach der Pause kommen die Bülent-Ultrastars: Anneliese im Kunstpelz und mit ihrem lachenden Quieken. Wenn sich Bülent verwandelt, johlt das Publikum. Kontert der Mannheimer seinem Siegener Publikum gegenüber: „Hier braucht man keinen Text, da hat man schon gewonnen, wenn man auftritt.“ Irgendwie erinnert die Dame mit der großen Brille an ein quiekendes Meerschweinchen, irgendwie „kronk“. Noch besser ist der Comedian, wenn er als Hausmeister Mompfred kommt, den zieht es diesmal mit seiner Angetrauten Waltraud erst zum Kostümkauf in ein Modegeschäft und dann zur Verwandtschaft nach Dresden. Und in dieser Nummer ist er stark, vermischt Zoten mit politischer Aussage, mischt Dialekte ganz spielerisch.

Doch ihn nur in die Zoten-Ecke, wie manchen seiner Kollegen, zu stellen, wäre falsch. Immer wieder nutzt er die Gelegenheit, mit dem Zeigefinger und rollenden Augen die Themen der Zeit anzusprechen: den Facebook-Wahn, dem seine jungen Fans verfallen – „Früher bist du doch auch nicht 30 Mal zum Briefkasten gerannt“. Oder wenn er direkt seine ganz jungen Zuschauer anspricht und drei auf die Bühne holt. „Denn Kinder sind unsere Zukunft“, sagt Bülent Ceylan, und er singt dazu ein ganz berührendes Lied: „Nimm ein Kind an die Hand“. Das ist vielleicht der schönste Moment an einem Abend, der die Hoffnung nährt: So „kronk“ ist die Gesellschaft nun doch noch nicht, auch wenn sich der eine oder andere Zuschauer fast „kronk“ gelacht hat. Doch das befreit.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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