Kundegebung vor dem Kreishaus
Bündnis fordert Bleiberecht für Karen Agayan und Elvin Muradi

Elvin Muradi droht die Abschiebung nach Aserbaidschan. Helmut Kessler vom Dorfverein Aue-Wingeshausen setzt sich für das Bleiberecht seines Nachbarn ein.
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  • Elvin Muradi droht die Abschiebung nach Aserbaidschan. Helmut Kessler vom Dorfverein Aue-Wingeshausen setzt sich für das Bleiberecht seines Nachbarn ein.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Siegen. Karen Agayan und Elvin Muradi sollen bleiben dürfen: Darin waren sich die knapp 100 Männer und Frauen einig, die sich am späten Montagvormittag vor dem Siegener Kreishaus versammelt hatten, um sich demonstrativ vor die beiden jungen Männer zu stellen – zwei geflüchtete Väter, denen die Abschiebung in ihre Herkunftsländer droht. Das parteiübergreufende Bündnis „Recht zu bleiben“, unterstützt von einer ganzen Reihe örtlicher Initiativen, setzte bei einer Kundgebung vor Landrat Andreas Müllers Amtssitz ein öffentlichkeitswirksames Zeichen und wies auf eine laufende Petition hin für ein humanitäres Bleiberecht.

Breites Bündnis für Bleiberecht

„Ich hätte mir nie gedacht, dass ich als katholischer Pfarrer einmal gemeinsam mit der Linkspartei zu einer Demo gehen würde“, verdeutlichte Dechant Karl-Heinz Köhle die Bandbreite innerhalb des Bündnisses. Allen gemein ist die Einschätzung der umstrittenen Fälle, bei denen zwei gut integrierte junge Männer nach Aserbaidschan bzw. Armenien abgeschoben werden sollen, wo sie als Wehrpflichtige in den bewaffneten Konflikt der Herkunftsländer eingezogen werden sollen. Und das, obwohl sie in Deutschland integriert sind, hier ihre sichere Heimat sehen, Familien gegründet haben, sogar konkrete Berufsperspektiven hätten. Caritasverband und Dekanat setzen sich seit einiger Zeit für den 23-jährigen Karen Agayan ein, machen sich für ein zumindest vorübergehendes Abschiebeverbot stark. Zur Not auch so: „Wir prüfen derzeit mit dem Erzbistum die Möglichkeit des Kirchenasyls.“ Dies, so habe Landrat Müller zugesichert, würde vonseiten der Behörde auch nicht angegriffen. „Es ist aber eine Ultima ratio“, betont Köhle, der zuvor auf andere Weichenstellungen hofft. Insbesondere der Blick auf das Kindeswohl wurde bei der Kundgebung immer wieder hervorgehoben.

Kreis-Ausländeramt sieht sich an Vorschriften gebunden

Familien unter emotionalem Druck

Bei beiden Männern steht eine Trennung von Frau und Kind(ern) an, wenn sie in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden. „Ich fühle mich sehr schlecht“, erklärt Elvin Muradi den Anwesenden. Er sei gestresst, habe hohen Blutdruck, nehme Medikamente, um überhaupt schlafen zu können. Helmut Kessler, Vorsitzender des Dorfvereins Aue-Wingeshausen, zeichnete den Weg durch Ämter und Justiz nach, den er und seine Mitstreiter für ihren Nachbarn Muradi beschritten haben – bislang ohne Erfolg. Nun bleibe nur eins, es müsse mehr öffentlicher Druck gemacht werden.
Ishan Agayan berichtete von den Ängsten, die sein von der Abschiebung bedrohter und abgetauchter Bruder durchlebe. Er leide insbesondere darunter, dass er nun von seinem kleinen Sohn getrennt sei. Es gebe sicherlich andere Fälle, bei denen die Behörden genauer hinsehen sollte als hier. Wenn er und Muradi in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt würden, könne es sein, dass sie im Extremfall aufeinander schießen müssten. „Und was, wenn die beiden dann ums Leben kommen?“
Horst Löwenberg vom Paritätischen äußerte zu guter Letzt eine Hoffnung – nämlich die, dass der Landrat noch einen Türspalt finde, durch den die Ausländerbehörde zu einer Lösung gelangen könne für die beiden Menschen, die Teil unserer Gesellschaft geworden seien

Tiefer Graben im Fall Karen Agayan
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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