SZ

Siegen
Bund der Vertriebenen wünscht sich zentralen Standort

BdV-Vorsitzender Volker Braun (l.) und sein Stellvertreter Norbert Gorlt im Raum „Flucht und Vertreibung“ im Oberen Schloss. Die Exponate decken nur einen Teil der ostdeutschen Sammlung ab, die es in der alten Heimatstube zu sehen gab.
  • BdV-Vorsitzender Volker Braun (l.) und sein Stellvertreter Norbert Gorlt im Raum „Flucht und Vertreibung“ im Oberen Schloss. Die Exponate decken nur einen Teil der ostdeutschen Sammlung ab, die es in der alten Heimatstube zu sehen gab.
  • Foto: Tim Lehmann
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tile Siegen. Die Hüter der Erinnerungen an Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten in Folge des Zweiten Weltkriegs suchen ein neues Zuhause. Anders als die Vertriebenen und Spätaussiedler von einst sind der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) und der Herder-Bibliothek Siegerland zwar nicht gänzlich heimatlos. Aber mit den von der Krönchenstadt zur Verfügung gestellten Räumen sind beide Vereine nicht glücklich. Insbesondere der Standort im Seilereiweg in der Fludersbach sei „in der hintersten Ecke von Siegen, da muss man schon hin wollen“, kritisiert Dr. Dietmar Gorski, Vorsitzender der Herder-Bibliothek, die dezentrale Lage.

tile Siegen. Die Hüter der Erinnerungen an Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten in Folge des Zweiten Weltkriegs suchen ein neues Zuhause. Anders als die Vertriebenen und Spätaussiedler von einst sind der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) und der Herder-Bibliothek Siegerland zwar nicht gänzlich heimatlos. Aber mit den von der Krönchenstadt zur Verfügung gestellten Räumen sind beide Vereine nicht glücklich. Insbesondere der Standort im Seilereiweg in der Fludersbach sei „in der hintersten Ecke von Siegen, da muss man schon hin wollen“, kritisiert Dr. Dietmar Gorski, Vorsitzender der Herder-Bibliothek, die dezentrale Lage.

Querelen mit der Museumsleitung

Der BdV hatte dorthin umziehen müssen, nachdem die Heimatstube 2009 im Oberen Schloss in ihrer alten Form aufgelöst worden war. Die Universität Siegen hatte für die inhaltliche Präsentation den Themenraum „Flucht und Vertreibung“ neu konzeptioniert. Viele Exponate mussten ausgelagert werden. Allein das stieß bei Mitgliedern des Vertriebenenbundes auf wenig Gegenliebe.
Die jahrelange Renovierung im Oberen Schloss sorgte von 2012 bis 2018 für Querelen mit der Museumsleitung. In der Zeit blieb die Ausstellung weitgehend geschlossen. Dass „ihr“ Raum als Lager genutzt wurde, stieß den BdVlern besonders sauer auf, bestätigt Vorsitzender Volker Braun. Durch die Schließung verschiedener Teilbereiche sei der Platz für Exponate dringend benötigt worden, betont Prof. Dr. Ursula Blanchebarbe, Leiterin des Siegerlandmuseums, hingegen noch heute. „Es ist einer der wenigen Räume mit einer Tür.“ Ihrerseits kritisiert sie, dass städtische Ausstellungsstücke damals vom BdV eigenmächtig anders platziert worden seien. „Das war nicht gut“, gibt Arne Fries, Kulturdezernent der Krönchenstadt, mit Blick auf die lange Schließung zu. Daher habe er auch 2018 angeordnet, den Raum wieder für die Zwecke des BdV herzurichten.

Auch die Herder-Bibliothek musste umziehen

Nicht ohne Störgeräusche lief auch der Umzug der Herder-Bibliothek ab, die nach dem Verkauf des Hauses Bismarckstraße 66 an das Rote Kreuz weichen musste. Von damals 30 000 Büchern konnte ein Großteil nicht behalten werden, erinnert sich Kassenwart Lutz Giesler. „Viele Exemplare mussten kostenintensiv entsorgt werden. „Eigentlich unerträglich“, trauert Dr. Dietmar Gorski dem Verlust nach. Aktuell lagern nur noch einige Regalmeter wenig vorzeigbar im Seilereiweg.
Inzwischen ist der Ton zwischen den Beteiligten versöhnlich. Seit zwei Jahren bemüht man sich um eine einvernehmliche Lösung. Hoffnung auf ein repräsentatives und gut zu erreichendes gemeinsames Domizil keimte beim BdV und der Herder-Bibliothek kurzzeitig auf, als entschieden wurde, die beiden Bunker am Oberen Schloss für das Museum nutzbar zu machen. Doch das dort angestrebte (digitale) Konzept lässt sich mit den Wünschen der Vereine nicht vereinbaren. Die umfangreiche ostdeutsche Sammlung und die Buchbestände werden dort nicht einziehen. Eine Alternative könne Siegen derzeit nicht anbieten, sagt Arne Fries. Er habe daher angeregt, weiter Kräfte zu bündeln, etwa mit der Heimatstube im Neunkirchener Leyhof. Das müsse nicht zwingend in Siegen erfolgen. Hier biete sich eine Chance, mit einer qualitativen Auswahl und gutem Marketing an anderer Stelle des Kreises ein Angebot zu schaffen.

Siegen will das Problem nicht abwälzen

Sucht die Krönchenstadt so einen eleganten Weg, das Problem auf eine andere Kommune abzuwälzen? „Nein“, wehrt Arne Fries ab. Aber angesichts fehlenden Nachwuchses in den Vereinen und des zunehmenden Ausbleibens von Interessierten müssten sich BdV und Herder-Bibliothek zunächst perspektivisch aufstellen und gegebenenfalls neu ausrichten. Dessen ist man sich im Vertriebenenbund bewusst, ein Umdenken hat eingesetzt. Standort, Präsentationsformen, Arbeitsweisen – man sei bereit, neue Wege zu gehen, gibt stellv. BdV-Vorsitzender Norbert Gorlt zu verstehen. Denn: „Die Zeit rennt davon. Die Generation der Vertriebenen stirbt aus, das Wissen geht verloren – diesmal unwiederbringlich.“ Nur, ohne Unterstützung der Politik und der Stadt gehe es nicht.
„Die Stadt kann nicht die Arbeit eines Vereins übernehmen, der nur noch auf dem Papier existiert“, meint Arne Fries. Doch gelinge es den Vereinen, sich zukunftsfähig aufzustellen (Fries: „Hier sehe ich eine positive Entwicklung.“) und bestehe dann weiterhin der Wunsch, in Siegen zu bleiben, werde man gemeinsam nach Lösungen suchen.
Das grundsätzliche Dilemma, der „Bitte im Sinne einer moralischen Verpflichtung der Stadt Siegen, uns zu unterstützen“ (Dr. Dietmar Gorski) und adäquaten Raum zur Verfügung zu stellen, nicht entsprechen zu können, wird somit aber nur vertagt – obwohl Arne Fries die „bedeutende Bildungsarbeit“ der Vereine betont.
Genau da drückt aber laut Volker Braun der Schuh. Immerhin ist „Flucht und Vertreibung“ im Zweiten Weltkrieg ein verbindliches Schwerpunktthema der schulischen Lehrpläne. Aber wo sollen Schüler diese Vergangenheit noch wirklich erleben und anfassen können, wenn es keinen Ort dafür gibt?

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
Lokales
Unter Siegerländer Artikeln finden Besucher der SZ-Homepage derzeit zahlreiche Angebote von Siegener Händlern. Möglich macht das die Kooperation mit dem hiesigen Start-up-Unternehmen mapAds. Mit dem innovatien Digitalmarketing-Werkzeug lassen sich Angebote von Handel und Dienstleistung einfach digitalisieren und bald über viele zusätzliche Kanäle publizieren.

Start-up mapAds und Vorländer Mediengruppe
Angebote einfach digitalisieren und publizieren

sz Siegen. Die Vorländer Mediengruppe arbeitet weiter konsequent an der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Während die Zeitungsproduktion weiter das Kerngeschäft und das wichtigste Standbein des Verlages bleiben wird, investiert Vorländer selbstbewusst und entschieden in moderne Strukturen, neue Technologien und die Digitalisierung. Mit dem Digitalen arbeiten„Wir sind überzeugt davon, dass die Zukunft darin liegt, nicht gegen das Digitale, sondern mit dem Digitalen zu arbeiten. Wir sehen das...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen