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Am 10. März weht in manchen Kommunen die tibetische Fahne
Bunte Flagge im Wind ist eine Ansage

Am 10. März ist vor dem Betzdorfer Rathaus immer viel los, wenn die Tibetfreunde Westerwald Station machen und Bürgermeister Bernd Brato (M.) eine Ansprache hält. Autokorso und Veranstaltungen sind im Corona-Jahr allerdings nicht möglich. Trotzdem weht auch bei uns an manchen Rathäusern die in China verbotene Flagge von Tibets Exilregierung.
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  • Am 10. März ist vor dem Betzdorfer Rathaus immer viel los, wenn die Tibetfreunde Westerwald Station machen und Bürgermeister Bernd Brato (M.) eine Ansprache hält. Autokorso und Veranstaltungen sind im Corona-Jahr allerdings nicht möglich. Trotzdem weht auch bei uns an manchen Rathäusern die in China verbotene Flagge von Tibets Exilregierung.
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goeb Siegen. Tibet im Himalaya wird das „Dach der Welt“ genannt, seine Menschen gelten als friedliebend, freundlich und gütig und sie sind – sieht man von den inzwischen großen Zahlen angesiedelter Han-Chinesen einmal ab – fast zu 100 Prozent buddhistisch.

Doch seit 1949 leben die 3,5 Millionen Tibeter unter dem Joch der Volksrepublik China. Am 10. März erinnern Menschen auf der ganzen Welt an den tibetischen Volksaufstand von 1959, den die chinesische Armee im Anschluss blutig niederschlug. 80 000 Tibeter starben, 25 000 verschwanden hinter Gittern.
Was hat das mit unserer Region zu tun?, fragt man sich. Warum weht an den Fahnenmasten vor manchen unserer Rathäuser am 10. März die Flagge Tibets?

goeb Siegen. Tibet im Himalaya wird das „Dach der Welt“ genannt, seine Menschen gelten als friedliebend, freundlich und gütig und sie sind – sieht man von den inzwischen großen Zahlen angesiedelter Han-Chinesen einmal ab – fast zu 100 Prozent buddhistisch.

Doch seit 1949 leben die 3,5 Millionen Tibeter unter dem Joch der Volksrepublik China. Am 10. März erinnern Menschen auf der ganzen Welt an den tibetischen Volksaufstand von 1959, den die chinesische Armee im Anschluss blutig niederschlug. 80 000 Tibeter starben, 25 000 verschwanden hinter Gittern.
Was hat das mit unserer Region zu tun?, fragt man sich. Warum weht an den Fahnenmasten vor manchen unserer Rathäuser am 10. März die Flagge Tibets? Die Fahne ist nicht nur eine der buntesten, sondern vor allem eine, die in China verboten ist. Wer sie in Lhasa, der Hauptstadt des „autonomen Gebiets Tibet“ hisst oder auch nur mit einem Foto des Dalai Lama erwischt wird, kommt sofort in Gefängnis.

An Tradition anknüpfen

Hilchenbachs neuer Bürgermeister Kyrillos Kaioglidis möchte an die Tradition seiner Amtsvorgänger anknüpfen, deshalb weht die Fahne am Mittwoch zum 17. Mal am Markplatz. Der frühere Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab hat seinerzeit den Dalai Lama, den religiösen Führer im tibetischen Buddhismus, sogar persönlich kennenlernen dürfen.

„Allen Völkern steht das Recht zu, selbstbestimmt handeln zu dürfen. Tibet ist mit seinem Einsatz das beste Beispiel, wie ein Volk für die eigene Souveränität ‚kämpfen‘ sollte: gewaltfrei!“, sagt der jetzige Rathauschef. Die Aktion sei für ihn damit nicht nur beispielgebend für den Umgang der Völker untereinander, sondern durchaus auch für das menschliche Miteinander allgemein, das immer von einem großen Respekt gegenüber anderen Menschen geprägt sein sollte.

Im Kreis Altenkirchen sind normalerweise an diesem Tag die Tibetfreunde Westerwald mit einem Autokorso unterwegs und steuern die mitmachenden Rathäuser an, um sich bei den Bürgermeistern für die Zivilcourage zu bedanken. Denn je mächtiger die KP in China wird, desto mehr lässt das Reich der Mitte seine Muskeln spielen. Betzdorfs Bürgermeister Bernd Brato sind in den vergangenen Jahren offizielle Rundschreiben Chinas ins Haus geflattert mit der Aufforderung, die „Einmischung“ in innere Angelegenheiten Chinas zukünftig zu unterlassen.

Betzdorf schließt sich Kampagne an

Der Beigeordnete der VG Betzdorf, Joachim Brenner, der Brato derzeit vertritt, setzt am 10. März zusammen mit anderen Amtsträgern wieder ein Zeichen und schließt sich der Kampagne an. „Das geht weit über Tibet hinaus“ sagt er. „Wir zeigen die Verbundenheit mit allen Völkern, deren Selbstbestimmung im kulturellen und religiösen Bereich ausgehöhlt wird.“

Auch ein paar Kilometer siegabwärts, in Wissen, sieht das Bürgermeister Berno Neuhoff so. „Als Demokraten glauben wir an die Freiheit und Gleichheit aller Menschen.“ Wissen ist seit sechs Jahren mit von der Partie.

Bisher hat sich der Kreis Siegen-Wittgenstein nicht an diesem Tag beteiligt. „Nach unserer Einschätzung müsste der Kreistag entscheiden, ob sich der Kreis Siegen-Wittgenstein künftig daran beteiligen soll“, lässt sich PressesprecherTorsten Manges ein, der von Landrat Müller in dessen Urlaub eine kurze Einschätzung einholen konnte. „Als Verwaltung sind uns bisher keine Anträge oder Diskussionen in diese Richtung bekannt.“

Auch ein offizielles Hissen von Flaggen würde aus Sicht des Kreises einem Beschluss des Kreistages obliegen. Der Landrat habe die Möglichkeit bei der Beflaggung auf lokale Ereignisse zu reagieren. Manges: „Bei dem von Ihnen benannten Anlass handelt es sich aber nicht um eine örtliche Veranstaltung. Von daher wäre aus unserer Sicht eine Kreistagsentscheidung erforderlich.“

Landrat Dr. Peter Enders (damals noch Abgeordneter) und seine Ehefrau Astrid 2014 in Lhasa vor dem Potala-Palast.
  • Landrat Dr. Peter Enders (damals noch Abgeordneter) und seine Ehefrau Astrid 2014 in Lhasa vor dem Potala-Palast.
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Der Landrat des Kreises Altenkirchen, Dr. Peter Enders, lässt am 10. März die tibetische Flagge am Kreishaus an der Parkstraße hissen. Enders ist Arzt und hat eine Qualifikation als Reisemediziner. Eine solche Reise führte ihn 2014 auch nach Tibet. „Die Unterdrückung ist täglich fühlbar“, sagt er und spricht von einem Überwachungsstaat. Seine Beobachtungen: „Überall ist Militär und Polizei, die alles unter Kontrolle haben. Die Tibeter werden regelmäßig drangsaliert und angebrüllt, gelten als Menschen zweiter Klasse. Ist man unter Tibetern, herrscht gleich eine ganz andere, viel freundlichere Grundstimmung.“ Vor seinem Tibetbesuch, erzählt er, habe er zu dem Land keinen Bezug gehabt. Das habe sich mit der Reise schlagartig geändert.

Fahne-Hissen Akt der Zivilcourage

Enders hält das Hissen der Fahne für einen Akt der Zivilcourage. Man müsse auf die Unterdrückung der Menschenrechte aufmerksam machen. Dass es der KP nicht gefalle, das sei ihm klar.

Ihm bleibt das Land unvergesslich. Schon der Aufenthalt im 3650 Meter hoch gelegenen Lhasa bekam einigen in der Gruppe gesundheitlich nicht. Im Tibet-Express, der bis auf 5068 Meter Höhe fährt und dessen Streckenbau zahlreiche Menschenleben kostete, bekamen einige Gruppenmitglieder sogar Ohrenbluten. Reisemediziner Enders hatte jedenfalls alle Hände voll zu tun.

Tibettag: Der Drache grollt Der 10. März ist ein Aktionstag, an dem Tibeter und Unterstützer weltweit auf die noch immer herrschende Unterdrückung aufmerksam machen. Nach Auskunft der Tibet-Initiative Deutschland nehmen aktuell 427 Städte und Gemeinden bzw. Landkreise an der Aktion teil. Die chinesische Regierung verhängt jedes Jahr im März ein Einreiseverbot für Touristen und Journalisten in Tibet. Auch im Ausland lässt die aufstrebende Weltmacht ihre Muskeln spielen und drückt ihren Unmut aus, wenn Politik und Wirtschaft Solidarität mit Tibet bekunden. 2020 gab es in der Schweiz vor dem 10. März eine Aufforderung durch den chinesischen Botschafter, am Stichtag nicht die tibetische Flagge zu hissen. Die rheinland-pfälzische Staatsministerin und Landtagsabgeordnete Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die sich seit Langem bei den Tibetfreunden Westerwald engagiert und in ihrer Zeit als MdB einen überparteilichen Gesprächskreis Tibet als Vize führte, erhielt damals ebenfalls die Aufforderung der chinesischen Botschaft, „mein Engagement einzuschränken, damit die guten Beziehungen, die insbesondere zu Frank Walter Steinmeier (damals noch Außenminister) nach China hat, nicht gestört würden. Das wolle ich doch sicher nicht?!“ Auf Nachfrage der SZ erklärte Bätzing-Lichtenthäler am Dienstag: „Da wird einem schon anders bei so einem Brief. Mich hat es aber nie gestört und ich habe mich nicht beirren lassen. Und so werde ich auch zu diesem 10. März wieder ein klares Statement pro Tibet setzen.“
Am 10. März ist vor dem Betzdorfer Rathaus immer viel los, wenn die Tibetfreunde Westerwald Station machen und Bürgermeister Bernd Brato (M.) eine Ansprache hält. Autokorso und Veranstaltungen sind im Corona-Jahr allerdings nicht möglich. Trotzdem weht auch bei uns an manchen Rathäusern die in China verbotene Flagge von Tibets Exilregierung.
Landrat Dr. Peter Enders (damals noch Abgeordneter) und seine Ehefrau Astrid 2014 in Lhasa vor dem Potala-Palast.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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