Forderungen von Geldstrafe bis Freispruch
Burbach-Großverfahren geht ins Finale

In der Siegerlandkaserne in Burbach sollen sich die Misshandlungen der Flüchlinge abgespielt haben.
  • In der Siegerlandkaserne in Burbach sollen sich die Misshandlungen der Flüchlinge abgespielt haben.
  • Foto: ede
  • hochgeladen von Marc Thomas

mick Siegen. Der Oberstaatsanwalt will viermal Geldstrafe in unterschiedlicher Höhe. Die Verteidiger halten kleinere Zahlen für vertretbar, durchaus aber auch Freisprüche. Das ist das Ergebnis des vorletzten Verhandlungstages im Burbach-Großverfahren, das am 1. Juli mit den letzten Worten der Angeklagten und dem späteren Urteil nach fast drei Jahren ein Ende finden soll.

Erstmals seit längerer Zeit sind an diesem Dienstag wieder Zuschauer dabei, darunter auch frühere Mitangeklagte. Möglicherweise aus diesem Grund wird Oberstaatsanwalt Christian Kuhli etwas ausführlicher in seinen Einlassungen. Er wiederholt die allgemeine Überforderung aller Beteiligten in der Erstaufnahmeeinrichtung Burbach, die schließlich zu jenem System von Repression geführt habe, mit der sich das Gericht nun beschäftigt.

"System Burbach" möglich gemacht

Kuhli wirft den vier Angeklagten vor, mit ihrem Verhalten das „System Burbach“ getragen und möglich gemacht zu haben. Er hält ihnen zugute, dass sie ihr Verhalten heute anders und mit Bedauern betrachten, nimmt die Reue ernst und hat auch zur Kenntnis genommen, dass die Wachleute H. und O. durchaus ein gutes Ansehen in Burbach hatten. Gegen die beiden Männer hat der Oberstaatsanwalt 2125 respektive 2800 Euro Strafe beantragt. Ihr Kollege G. soll 3750 Euro zahlen, der Ex-Sozialbetreuer L. 1350 Euro.

Bei früheren Urteilen gab es über die Anträge keinen größeren Dissens. Am Schluss des langen Verfahrens muss das wohl ein wenig anders sein. Er möchte für L. „eine mildere Strafe“. Sein Mandant sei gar nicht fähig gewesen, Anweisungen zu ignorieren und damit Job und Wohnung zu riskieren. Für G. betont Anwalt Alexander Reitmeier, dass alle angeklagten Taten eine Folge des Systems gewesen seien. Sein Mandant sei zudem von einem Bewohner ernsthaft verletzt worden. Er fordert in einer Sache Freispruch und ansonsten eine maximale Strafe von 1600 Euro für den bedauerlichen Auftritt im berüchtigten Video, der nicht in Abrede gestellt werden könne.

Im Vorfeld mit Polizei kooperiert

Auch Verteidiger Tim Timmer sieht keine strafrechtliche Verantwortung für H. und beantragt Freispruch, hilfsweise eine geringe Geldstrafe. Er habe schon im Vorfeld eng mit der Polizei kooperiert und etwa zahlreiche Wachbücher übergeben.

Bleibt noch O., für den Anwalt Daniel Walker ebenfalls Freispruch verlangt. Er habe zu Beginn nie erwartet, ein derart kurzes Plädoyer halten zu können, sagt der Betzdorfer. Er war vor allem in den ersten Prozessmonaten einer der unnachgiebigsten Anwälte und greift nun zum Abschluss noch einmal tief in die Kiste der juristischen Feinheiten. Sein Mandant sei zu der Video-Situation hinzugekommen, habe aus seiner Sicht mit der Aufforderung an das Opfer, er solle jetzt still sein, sonst gebe es noch einen Schlag, eben diesen verhindern wollen.

Anweisungen der Heimleitung Gefühl der Rechtfertigung

Ob ein Einwirken auf gewaltbereite Kollegen tatsächlich etwas bewirkt hätte, das sieht Walker skeptisch. Beim Verbringen von Personen ins „PZ“ hat sich O. für Walker in einem unvermeidbaren Verbotsirrtum befunden. Die Anweisungen der Heimleitung und auch der Polizei, Unruhestifter einzusperren, hätten den Wachleuten ein entsprechendes Gefühl der Rechtfertigung gegeben. Und nur, weil keine Beweise für das Mitwissen der Polizei im Prozess vorgelegt worden seien, spreche dies nicht völlig gegen deren Existenz.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

13 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Pizzeria da Pino in Geisweid wird 30 Jahre alt. Das Team freut sich über und mit seinen Gästen.
3 Bilder

Einladung an Gäste und Freunde nach Geisweid
Pizzeria da Pino feiert Geburtstag

In diesem Jahr wird die Pizzeria da Pino an der Röntgenstraße 9 in Geisweid 30 Jahre alt. Dieses Ereignis möchte das Team um Inhaber Giuseppe Giannetti und seine Ehefrau Maria am Sonntag, 19. September, ab 11.30 Uhr mit allen Kunden und Freunden, Partnern und Bekannten gemeinsam feiern. Einladung zum Sekt bei der Pizzeria da Pino„Wir sind einfach froh und dankbar, dass unsere Kunden und ihre Kinder und Enkelkinder uns so lange die Treue gehalten haben und immer noch halten. Daher ist unsere...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen