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Wiederaufbau im Freilichtmuseum Detmold
Burgholdinghausener "Haus Stöcker" wird bald eröffnet

Haus Stöcker,  1797 in Burgholdinghausen von Benjamin Moses erbaut, wurde im Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut.
  • Haus Stöcker, 1797 in Burgholdinghausen von Benjamin Moses erbaut, wurde im Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut.
  • Foto: LWL-Freilichtmuseum Detmold
  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Burgholdinghausen/Detmold.  Benjamin Moses hätte wohl die Welt nicht verstanden, hätte ihm damals, im 18. Jahrhundert, jemand prophezeit, dass sein Zuhause einmal Fachwerkbalken für Fachwerkbalken im fernen Detmold wieder aufgebaut würde. Und dies gewissermaßen vor den Augen der ganzen Welt. Genau dies aber ist geschehen: Das neue alte Haus steht nun vor der Vollendung. Seit Sommer 2018 informiert das Freilichtmuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in einem „Bau-Blog“ über den Wiederaufbau von „Haus Stöcker“, also jenes prächtigen Wohnhauses, das Moses anno 1797 am Burgholdinghausener Weiher sehr „modern“ errichtet hatte: Auf einem Bruchsteinsockel stehend, war es gut vor der Bodenfeuchte geschützt.

nja Burgholdinghausen/Detmold.  Benjamin Moses hätte wohl die Welt nicht verstanden, hätte ihm damals, im 18. Jahrhundert, jemand prophezeit, dass sein Zuhause einmal Fachwerkbalken für Fachwerkbalken im fernen Detmold wieder aufgebaut würde. Und dies gewissermaßen vor den Augen der ganzen Welt. Genau dies aber ist geschehen: Das neue alte Haus steht nun vor der Vollendung. Seit Sommer 2018 informiert das Freilichtmuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in einem „Bau-Blog“ über den Wiederaufbau von „Haus Stöcker“, also jenes prächtigen Wohnhauses, das Moses anno 1797 am Burgholdinghausener Weiher sehr „modern“ errichtet hatte: Auf einem Bruchsteinsockel stehend, war es gut vor der Bodenfeuchte geschützt.
Laut LWL war dies der erste nachweisbare Hausbau eines Juden im Kreis Siegen-Wittgenstein. Moses stammte aus dem kurkölnischen Sauerland und war offensichtlich auch der erste Jude, der sich nach den Vertreibungen des Mittelalters im Fürstentum Nassau-Siegen niederließ.
Auf dem Siegerland-Weiler des Open-Air-Museums soll das geschichtsträchtige Siegerländer Wohnhaus Mitte September eröffnet werden, erfuhr die SZ auf Nachfrage beim LWL. Es wird nicht im Originalzustand erlebbar gemacht, sondern zeigt die zeittypischen Renovierungen aus den 1960er-Jahren. Der LWL bezeichnet die Siegerländer Immobilie als große Bereicherung für das Freilichtmuseum – schlage sie doch eine Brücke zur Alltagskultur der 1960er-Jahre. Diese werde vor allem beim Mobiliar sichtbar, das noch von den ehemaligen Besitzern stammt.

Plumpsklo am Hof  und Fernseher in der Stube

„Am Haus Stöcker lässt sich in besonderer Weise der Kontrast des Jahrzehnts aufzeigen, in dem viele Familien gelebt haben. Einerseits bot das Wohnhaus nur beengten Wohnraum und noch ein Plumpsklo im Hof. Andererseits leistete sich die Familie moderne Gerätschaften, wie eine elektrische Waschmaschine und einen Fernseher“, gewährt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger Einblicke. Es gab viel zu sichten, zu untersuchen und zu restaurieren, das zeigte sich schon 2018, als das Fachwerk in Schuss gebracht wurde. Schäden an der Giebelrückwand z. B. galt es zu beheben. Entstanden durch die Witterung, aber auch die Tierhaltung und die damit einhergehende hohe Luftfeuchtigkeit und Ammoniakausdünstungen. Einige Ständer, Riegel und Schwellen mussten erneuert werden. Gewerk für Gewerk nahm der Wiederaufbau Gestalt an.

Für Mitte September ist Eröffnung geplant

Im Mai dann wurde die schwere Eichentreppe im Haus installiert, im Juni übernahmen die Maler das Ruder, wurde die Täfelung installiert. Nun muss das Haus noch wohnlich gemacht werden. „Einige Räume werden eine historische Einrichtung erhalten, wie wir sie aus den Schilderungen unserer Zeitzeugin Annette Stöcker und von einigen alten Familienfotos aus der Zeit um 1957/58 kennen“, teilt Lisa-Marie Niemann vom LWL auf Anfrage mit. „Dabei handelt es sich um viele Details: von Gardinen über die elektrische Beleuchtung bis hin zu Möbeln und Geräten – darunter auch erste elektrische Haushaltsgeräte“ – und besagter Fernseher. Der andere Teil der Einrichtung ist modern gestaltet und setzt sich klar von der historischen Einrichtung ab: „Hier liegt der Fokus auf der Vermittlung der Bewohnergeschichte mit Text, Bild und Ton, darunter auch digitale Vermittlungsangebote.“ Ein Glücksfall für die Historiker: „Das Ehepaar Annette und Herbert Stöcker pflegte ein gemeinsames Hobby. Sie haben fotografiert und die Bilder anschließend selbst in der Küche des Hauses entwickelt. Das wird in der Ausstellung als Thema berücksichtigt“, erklärt Niemann, wonach sich die „Innendekorateure“ richten: „Wir können uns also glücklich schätzen, dass in diesem Fall eine sehr viel größere Bilderauswahl zur Verfügung steht, als dies üblicherweise der Fall ist.“
Die Fotos geben Einblicke in das tägliche Leben der Familie in den späten 1950er-Jahren. Besucher werden sich – wenn denn das Coronavirus nicht wieder dazwischen funkt – ab Mitte September selbst ein Bild davon machen können. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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