Busse: Probleme mit Baustellen

 Ein Beispiel für die Unpassierbarkeit durch Busse: Die enge Baustelle in der Siegstraße. Foto: Michael Roth
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mir - Dicke Luft in der VWS-Chefetage: Immer wieder werden die Verkehrsbetriebe von Vollsperrungen überrascht, ohne dass vernünftige und praktikable Alternativen ergriffen werden können. „Wir werden nicht umfassend in Kenntnis gesetzt“, sagt Klaus-Dieter Wern. So auch vor etlichen Tagen an der HTS-Abfahrt Bahnhof Siegen: „Die haben einfach voll gesperrt. Ich habe Günter Padt vom Zweckverband informiert, der wusste aber auch nichts davon.“ Wohl oder übel müssen die Verkehrsbetriebe untätig zusehen, wie an Straßen und Brücken gebaut bzw. saniert wird. Die Umleitungen sind aus Sicht des ÖPNV-Anbieters schlicht eine Zumutung. Wern: „In Seelbach wurde drei Wochen an einem Wasseranschluss gebaut, die Ersatzhaltestelle lag auf dem vierspurigen Zubringer zur Autobahn. Wer soll da in einen Bus einsteigen? Unglaublich, was da an Geduld gefordert wird.“

Vollsperrungen, warum müssen die sein? Die Verkehrsbetriebe sagen, beispielsweise von Straßen NRW sei man auf eine neue Arbeitsschutz-Richtline hingewiesen worden, nach der zwingend so gehandelt werden müsse. Karl-Josef Fischer, Pressesprecher von Straßen NRW in Dreis-Tiefenbach, bestätigte das: „Seit drei Jahren arbeiten wir mit Vollsperrungen. Per Erlass des Landes NRW sind wir gehalten, so und nicht anders zu verfahren. Der Schutz der Arbeiter geht vor.“ Fischer verdeutlichte gegenüber der SZ, warum manches Projekt besser unter Vollsperrung durchgeführt wird: „Wir sind doppelt so schnell. Und es entsteht später keine Mittelnaht im Asphalt, die leicht aufbrechen kann.“ Außerdem sei es bei Fahrbahnbreiten von unter sieben Metern unmöglich, den Verkehr gefahrlos einspurig an einer solchen Baustelle vorbei zu leiten.

Am Dienstag sprach die SZ über das Problem Vollsperrung mit dem Wasserverband Siegerland: Der baut derzeit zusammen mit der Stadt Netphen in der Siegstraße, später in Kooperation mit der Stadt Siegen und ESi. Seit zwei Jahren laufe die Planung, berichtete Bauleiter Torsten Winchenbach. Zur Vollsperrung: „Die Polizei hat seinerzeit interveniert, die Verkehrssicherheit sei bei einspurigem Verkehr wegen der Tiefe der Baustelle nicht gewährleistet.“ Auch arbeitstechnisch sei es unmöglich, die Tiefbauarbeiter seien akut gefährdet, wenn Busse oder Autos dort fahren dürften. Für die VWS hat das alles massive Folgen. Weil: Die von Dreis-Tiefenbach nach Weidenau in Etappen wandernde Baustelle ist auf ein ganzes Jahr ausgelegt. Heißt im Klartext für die VWS, Busse der Hauptlinie R 16 von Weidenau ins Johannland können die Siegstraße durch Dreis-Tiefenbach nicht befahren. Ersatz ist nur über die HTS möglich. Klaus-Dieter Wern bringt das in Rage: „Ein Jahr lang werden unsere Buskunden im Weidenauer Wohngebiet Meinhardt und im östlichen Teil von Dreis-Tiefenbach vom Busfahren entwöhnt. Die werden alle später nie wieder mit dem Bus fahren. Für uns ist das geschäftsschädigend.“ Klar, die Projektbetreiber könnten zügiger und vor allem billiger bauen. „Die sparen Kosten mit jeder Vollsperrung, aber das geht stets auf unsere Kosten, das ist nicht mehr darstellbar.“

Bürger aus dem Wohngebiet Meinhardt haben sich mittlerweile an Bürgermeister Steffen Mues gewandt. Der wiederum hat seine Abteilungsleiterin Straße und Verkehr, Anke Schreiber, mit dem Problem betraut. Die Grundsatzfrage: Könnte ein kleiner Extrabus Abhilfe schaffen? Die erste Anfrage der Stadt Siegen an die VWS ist gestellt worden, dort wüsste man aber gerne Details zu Tagen und erwünschten Einsatzzeiten. Theoretisch wäre ein solcher Bus auch für die betroffenen Wohngebiete im Nachbarort notwendig. VWS-Betriebsleiter Gerhard Bettermann sieht gerade dort Handlungsbedarf: „Die Menschen in Dreis-Tiefenbach Ost kann man nur bedauern. Wer da wohnt, hat jetzt ein Jahr lang richtig Wandertag, jeden Tag.“ Gerne würden die VWS mit dem Landesbetrieb Straßen NRW über das Thema der Vollsperrungen sprechen. Über den Zweckverband Personennahverkehr im Siegener Kreishaus hat man versucht, einen Kontakt herzustellen. Straßen-NRW-Chef Ludger Siebert hat wissen lassen, ein solches Gespräch könne erst Ende September erfolgen, wenn sein mit der Materie vertrauter Mitarbeiter Eberhard Zimmerschied aus dem Urlaub zurückgekehrt sei. Ein Schelm, der Böses denkt. Aber da sind die VWS wohl auf die „lange Bank“ geschoben worden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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