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Reisebusse in der Corona-Krise
Busunternehmen kämpfen erneut

Die Reisebusbranche leidet nach wie vor bzw. erneut unter dem Coronavirus. Derzeit hagelt es wieder Stornierungen und müssen Reisen komplett abgesagt werden.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

nja Siegen/Drolshagen/Niederfischbach. Rund drei Monate Stillstand hatten die Reisebusunternehmen seit März zu verkraften. Und auch nach dem Ende des Lockdowns nahm das Geschäft nur verhalten Fahrt auf. Wie sind Sommer und Frühherbst verlaufen – und wie bestimmt das Coronavirus die derzeit wieder verwirrenden Zeiten mit europaweit steigenden Infektionszahlen?
Es sind schwierige Zeiten, nach wie vor. Das zeigte sich bei einer SZ-Umfrage – der zweiten nach März. „Die erste Fahrt führte Mitte Juni für acht Tage nach Wangerooge. Im Februar war sie ausgebucht. Aufgebrochen sind wir dann mit 15 Personen. Erlaubt sind mit Mindestabstand maximal 25 Gäste, in unseren Fünf-Sterne-Reisebussen finden normalerweise 40 Platz“, berichtet Andreas Theis von Ideal Reisen mit Sitz in Siegen.

nja Siegen/Drolshagen/Niederfischbach. Rund drei Monate Stillstand hatten die Reisebusunternehmen seit März zu verkraften. Und auch nach dem Ende des Lockdowns nahm das Geschäft nur verhalten Fahrt auf. Wie sind Sommer und Frühherbst verlaufen – und wie bestimmt das Coronavirus die derzeit wieder verwirrenden Zeiten mit europaweit steigenden Infektionszahlen?
Es sind schwierige Zeiten, nach wie vor. Das zeigte sich bei einer SZ-Umfrage – der zweiten nach März. „Die erste Fahrt führte Mitte Juni für acht Tage nach Wangerooge. Im Februar war sie ausgebucht. Aufgebrochen sind wir dann mit 15 Personen. Erlaubt sind mit Mindestabstand maximal 25 Gäste, in unseren Fünf-Sterne-Reisebussen finden normalerweise 40 Platz“, berichtet Andreas Theis von Ideal Reisen mit Sitz in Siegen. Das System musste erst wieder „hochgefahren“ werden. Juli und August seien dann besser verlaufen. Im Schnitt aber hätten pro Fahrt nicht mehr als 17 Gäste im Bus Platz genommen: „Das reicht nicht zum Geldverdienen. Das haben wir dann hauptsächlich gemacht, um zu signalisieren: Es läuft wieder!“ Nun, mit den steigenden Infektionszahlen, „kommen so gut wie keine neuen Buchungen mehr rein, dafür täglich wieder Stornierungen“.

Beherbungsverbot sorgte für kuriose Szenen

Änderungen kommen oft Knall auf Fall. Jüngst z. B. brach ein Bus in Richtung Kühlungsborn, Mecklenburg-Vorpommern, auf: In jener Phase, als das dortige Beherbergungsverbot noch Bestand hatte. 20 Plätze waren ausgebucht – zunächst. Darunter aber sechs Personen aus dem Kreis Olpe und eine aus Niederfischbach. Beides sind nun Risikogebiete, diese Sitze blieben also leer. Der Bus war schon unterwegs, als Theis einen Anruf des Hotels erhielt: Die hessische Heimat von zwei weiteren Anreisenden stehe nun plötzlich auch auf dem Index. Deren Reise endete somit ungewollt und abrupt im Münsterland. Theis: „Mein Vater hat die beiden sofort von einer Raststätte abgeholt und heim gefahren.“
„Unsere Grundstimmung? Wir befinden uns wieder da, wo wir im März auch schon waren. Ich befürchte, das Jahr ist gelaufen. Weihnachtsmärkte z. B. werden zurzeit abgesagt. Es gab Jahre, da war der Dezember der umsatzstärkste Monat. Für Oktober waren 26 Touren geplant; sechs werden wohl stattfinden.“
Etwa 20 Prozent der Kunden, die im Lockdown ihre Reise nicht antreten konnten, verlangten nicht das Geld zurück, sondern wählten die Gutscheinvariante oder verschoben die Reise. Auch mit der staatlichen Überbrückungshilfe und einem Zuschuss des Bundesverkehrsministeriums halte man sich über Wasser. Kurzarbeit sei nach wie vor ein Thema. Spätestens zu Ostern 2021 müsse es wieder bergaufgehen – „so lange können wir uns noch über die Runden retten“, sagt Theis: „Seit wir wieder dürfen, haben wir 700 Gäste glücklich und gesund in die Ferne und wieder nach Hause gefahren.“
„Busse sind nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel für Reisen in diesen Zeiten“, ist sich Stefan Heuel („Sauerlandgruss“ aus Drolshagen) sicher und erklärt: Es gebe feste Sitzplätze und Gruppen, der Mindestabstand werde eingehalten, alle zwei bis vier Minuten finde ein kompletter Luftaustausch im Bus statt. Nicht nur er hat zudem in weitere Luftreinigungssysteme investiert.
Dennoch: Die Lage sei schlecht, im Sommer habe es keine „nennenswerte“ Nachfrage gegeben, die Leute seien zu verunsichert gewesen. Dann gingen Buchungen ein. Von jenen, die gereist seien, habe er ein positives Echo erhalten. Nun werde wieder vermehrt storniert. Und auch Heuel selbst sagte Reisen ab: nach Vorarlberg oder Tirol zum Beispiel. Als diese Regionen zum Risikogebiet ernannt wurden. „Grob kalkuliert sind rund 80 Prozent der Angebote ins Wasser gefallen.“ Kurzarbeit ist seit dem Lockdown ein Thema. Froh ist Heuel über die vielen Stammkunden, die Treue versprechen und Gutscheine statt Rückerstattung wählen. „Wir hoffen, dass das Elend im März/April ein Ende hat. Unsere Branche ist wirklich arg gebeutelt!“

Corona-Regeln für Busunternehmen undurchsichtig

„Wenn wir nicht unsere Linienbusse und die Fernlinien auf den Straßen hätten: Ich weiß nicht, wie wir überleben könnten“, sagt Lars Becker (August Becker aus Niederfischbach). Seit Ende des Lockdown habe er nur fünf (!) Mehrtagesfahren auf die Reise geschickt – nie mit mehr als 18 Passagieren. Normal wären es um die 90 Touren: „Verdienen kann man daran nichts. Das haben wir eigentlich nur angeboten, damit die Kunden zufrieden sind.“
Regeln seien von Land zu Land wieder einmal nicht einheitlich (gewesen): So gelte in Rheinland-Pfalz z. B. die Maskenpflicht unabhängig von der Anzahl der Kunden im Bus, in NRW müsse entweder der Mindestabstand eingehalten oder ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, in Schleswig-Holstein gibt es wieder andere Regularien zu beachten: „Das war vielen Kunden auch zu kompliziert.“
Stichwort Stornierungen: Nur wenige Kunden hätten ihr Geld nicht zurückgefordert: „Sicherlich hilft es uns heute, wenn die Reise stattdessen verschoben wird. Andererseits verschiebt sich damit ja auch das Problem nur in die Zukunft“, sagt Lars Becker hörbar schulterzuckend: „Im Frühjahr muss es endlich wieder losgehen. Sonst werden viele in der Branche das Handtuch werfen müssen.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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