Carolin Kebekus: „AlphaPussy“

 Carolin Kebekus feierte am Freitagabend in der ausverkauften Siegerlandhalle Premiere mit ihrem neuen abendfüllenden Programm „AlphaPussy“. Foto: aww
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aww - „Ich hab viele schlimme Sachen gesagt“, gibt Carolin Kebekus am Ende ihrer Show zu, stellt aber unmissverständlich klar: „Ich hab alles so gemeint.“ Klar, so ganz jugendfrei war einiges nicht von dem, was in den knapp zweieinhalb Stunden davor zu hören (und sehen) gewesen war, da gab es schon ein paar „explicit lyrics“, und manches Mal stellte sich noch während des Lachens insgeheim die Frage nach den Grenzen des guten Geschmacks. Aber: Lachen musste man trotzdem, und zwar richtig von Herzen, denn irgendwie gelingt es der mehrfach preisgekrönten Comedienne, sogar ihre Zoten, Sauf- und Brechgeschichten mit dem ihr eigenen (rheinisch-kölschen) Charme rüberzubringen, so dass man gar nicht anders kann, als sich darauf einzulassen.

Weit über 2000 Amüsierfreudige – überwiegend U-30 – waren am Freitagabend in die rappelvolle Siegerlandhalle gepilgert, um sich anschließend glücklich preisen zu dürfen, in Siegen die „absolute Weltpremiere“ von „AlphaPussy“ erlebt zu haben, dem zweiten abendfüllenden Solo-Programm von Kebekus nach „PussyTerror“. Die Komikerin hatte ihr Publikum mit ihrer „heiteren Witze-Revue für Mann und Frau“ von der ersten Pointe an im Griff. Und es sollten noch endlos viele folgen, ein ordentlicher Teil davon richtig gut! Inhaltlich geht Kebekus, flankiert von zwei großen Videoleinwänden, die ihr witzig-ausdrucksstarkes Mienenspiel bis in die letzte Reihe sichtbar machen, eher sachlich-schlicht vor, arbeitet sich von ihrer Abneigung gegen Weihnachtsmärkte und vor allem Glühwein vor in Richtung dessen, was sie mag: Alkohol, ja schon – „aber es muss Bier sein!“ Sie doziert über „Wegbier“ („Gehen, trinken, gehen, trinken …“), um schließlich in einen Monolog über die Vorzüge des übermäßigen Alkoholkonsums („Besoffen ist schön“), aber auch dessen Folgen hinsichtlich nächtlicher Flatulenzen zu münden. Das Thema wird später übrigens noch mal aufgegriffen, als es um die wilden Partys von früher geht und darum, wie sich ein Kumpel seinerzeit seines Mageninhalts entledigte – manche Dinge bieten einfach Stoff für mehrere Nummern, warum das also nicht ausnutzen? Sex gehört unzweifelhaft zu dieser Kategorie dazu. So wird das männliche Geschlechtsteil gerne zum Gegenstand der humorvollen Betrachtung erhoben – oder auch der Milchbubi aus „Fifty Shades Of Grey“ und das Filmgenre Mutter-Tochter-Porno. Unverfänglicher sind da schon Themen wie Schlager (namentlich Helene Fischer), das heutige Verständnis vom Eltern-Kind-Verhältnis (man sagt nicht mehr Mama und Papa, sondern Mom und Dad), Online-Videos, in denen 15-jährige Beauty-Gurus minutenlang ihren Drogerie-Einkauf auspacken, oder Internet-Tutorials, in denen so essenzielle Dinge wie die Benutzung eines Föns erklärt werden.

Aber Carolin Kebekus kann auch „kritisch“, freilich ohne dabei in allzu tiefe Bedeutungsschwere abzutauchen. „Mein Gehirn zerbröselt wegen YouTube“, jammert die 35-Jährige, beklagt Werbeclips, Empörungsmechanismen im Internet, die allseits beliebten Shitstorms also, und die Komprimierung des Leides der Welt auf eine Minute dreißig. Und sie bricht, jetzt ganz Feministin, eine Lanze für berufstätige Frauen, die immer noch weniger verdienen als Männer, für Mädels, die immer nur dünn sein müssen, süß und keinesfalls schwierig oder zickig. „Kein Wunder, dass das nix wird mit der Gleichberechtigung.“ Sie wünscht sich mehr Selbstbewusstsein für Frauen, Mädchen und „verängstigte Instagram-Rehe“. Und einmal wird es sogar ein wenig ruhig und nachdenklich. Als sie, die Religion und Glaube offensichtlich aus vollstem Herzen negiert, über ihre tiefgläubige verstorbene Großmutter spricht. „Aber was, wenn das alles stimmt …?“

Am Ende eines Abends, der keine Tabus zu kennen schien, an dem Seriosität nicht gerade das Maß der Dinge war, der hier und da derbe und unanständig war, aber dank der quirligen Kebekus voll von Energie und schlagkräftigem Humor, verabschiedet sich der Comedy-Star ohne Zugabe – es gibt halt noch keine –, aber mit einem kleinen Witz von der Bühne. Publikum aus dem Häuschen, Feuertaufe bestanden! Übrigens: Wegen der großen Nachfrage wird ein Zusatztermin am Freitag, 8. April, 20 Uhr, in der Siegerlandhalle angeboten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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