Chris Norman setzte Ausrufezeichen

 Musikalisch kein Oldie, auch wenn er viele spielt: Mit einem durchaus nostalgischen, aber äußerst erfrischenden Konzert setzte Chris Norman am Pfingstmontag das Schluss-Ausrufezeichen hinter das diesjährige KulturPur-Festival auf dem Giller. Foto: René Achenbach
  • Musikalisch kein Oldie, auch wenn er viele spielt: Mit einem durchaus nostalgischen, aber äußerst erfrischenden Konzert setzte Chris Norman am Pfingstmontag das Schluss-Ausrufezeichen hinter das diesjährige KulturPur-Festival auf dem Giller. Foto: René Achenbach
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aww - Dame 1:„Und? War schön!?!“ Dame 2 (freudestrahlend): „Ooooh, wie früher!!!“

Eigentlich wäre mit diesem kleinen Dialog, der sich am Pfingstmontag wenig nach 21 Uhr bei den KulturPur-Shuttlebussen mitlauschen ließ, alles zum Auftritt von Chris Norman gesagt. Vieles wenigstens. Der inzwischen 65-jährige Brite hatte soeben mit einem knackigen anderthalbstündigen Auftritt den Schlusspunkt (nein, ein Ausrufezeichen!) hinter das diesjährige Pfingstfestival auf dem Giller gesetzt und dabei ein Nostalgie-Paket zum Niederknien geschnürt. Von den rund 1500 Fans im großen Zelttheater dürften sich viele rein altersmäßig schon 1975 vorm Radio mit dem sanften Sound des ersten Smokie-Hits „If You Think You Know How To Love Me“ den Sommer versüßt haben (und vielleicht waren sie sogar schon alt genug, um sich dabei zurückzulehnen in die Arme von irgendwem). Vorgestern ließen sie sich nur zu bereitwillig wieder mitnehmen in jene schrecklich-wunderbaren Zeiten der Jugend, in denen die Schmetterlinge im Bauch zum ersten Mal so richtig verrückt spielten. Schließlich hat Smokie ihrer Generation damals über Jahre den Soundtrack zum (un-)glücklichen Verliebtsein geliefert.

Der ehemalige Smokie-Sänger mit der markanten und immer noch kraftvollen Stimme und seine Band ließen sich im kalten Siegerland nicht lange Zeit für die Gefühlsrolle rückwärts: Der melancholische Schmachtfetzen „Lay Back In The Arms Of Someone“ kam schon an dritter Stelle der Setlist, um die Herzen der Besucher zu erwärmen und weit zu machen für die Emotionen und Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten. Die Kälte aus den durchgefrorenen Knochen getrieben hatten zuvor der auch nach 40 Jahren noch packende (und live deutlich rockigere) Kracher „I’ll Meet You At Midnight“ und der fluffige Gute-Laune-Song vom letztjährigen Soloalbum „Crossover“. Eine Mischung aus „old songs from the Smokie days“ und neueren Stücken versprach Norman seinen Fans, die sich einverstanden erklärten, aber nicht undankbar gewesen sein dürften, dass den betagten Klassikern viel Raum gegeben wurde.

Neben fetten Rockern wie „Morning Dew“ (das kann er richtig gut, schließlich hat er die entsprechende Röhre) sind es vor allem die träumerischen, sehnsuchtsvollen, die schlicht-schönen Melodien, die das Publikum von Chris Norman hören will. Bei „Stumblin’ In“, weiland gemeinsam mit Suzi Quatro eingetütet, deren Rolle nun Sängerin/Gitarristin Michelle Plum übernahm, war es vorbei mit der Vollbestuhlung im Zelt: Im Pulk stürmten die Fans nach vorne an die Bühne und wichen nicht mehr bis zum Schluss des Konzerts. So konnten sie auch den Akustikset mit unkaputtbaren Titeln wie „Mexican Girl“ oder „Living Next Door To Alice“ aus nächster Nähe genießen. Als später „Needles And Pins“ erstaunlich rockend aus den Boxen krachte, hatten Norman, Plum, Geoff Carline (Gitarre, Gesang), Martina Walbeck (Keyboards, Gesang), Axel Kowollik (Bass, Gesang) und Dorino Goldbrunner (Drums) die Menge längst zum (je nach individueller Vorliebe) Mitwippen, -schunkeln, -singen und/oder -klatschen gebracht.

Nachdem Chris Norman den glückseligen Zuhörern in der Zugabe mit dem solo kredenzten „San Francisco Bay“ einen besonders intimen Moment beschert hatte, packte die Combo mit „Oh Carol“ erneut tief in die Smokie-Hit-Kiste. Und beim Endspurt mit Chuck Berrys „Roll Over Beethoven“ kam das Gaspedal noch einmal gefährlich in Asphaltnähe. Die Erwartungen der Besucher im Vorfeld des Konzerts mögen unterschiedlich gewesen sein, doch am Ende dürfte Einigkeit geherrscht haben: Chris Norman 2016 ist musikalisch alles andere als ein Oldie, auch wenn er viele spielt. Gewiss ist auch mit folgendem winzigen Dialog, der am Zeltausgang zu vernehmen war, schon eine Menge dazu gesagt:

Dame 1: „War schön, ne?!“ Dame 2 (erstaunt, aber überzeugt): „Ja, hätt’ man nicht vermutet!“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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