Zum internationalen Tag der Handschrift
Christiane Sondermann wirbt für uralte Kulturtechnik

Christiane Sondermann zeigt den Teilnehmern ihrer Kurse, wie vielseitig das Schreiben mit der Hand sein kann.
  • Christiane Sondermann zeigt den Teilnehmern ihrer Kurse, wie vielseitig das Schreiben mit der Hand sein kann.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

gro Siegen. Heute – am 23. Januar – ist der internationale Tag der Handschrift. In Zeiten der Digitalisierung kaum bekannt, oder? Weil immer weniger Menschen noch tatsächlich mit der Hand schreiben. Ob mit Smartphone oder PC – die moderne Kommunikation ist getippter Natur. Anstelle eines Briefes wird schnell eine Whatsapp- Nachricht eingetippt. Oft garniert mit kruden Abkürzungen.
Früher war eine schöne Handschrift von großer Bedeutung. Die so genannte „Schönschrift“ wurde sogar lange Zeit mit einer eigenen Zeugnisnote bewertet – noch Ende der 1960er-Jahre auf jeden Fall. Heute gibt es teilweise ganze „Laptopklassen“, die ohne Stift und Papier auskommen. Verlernen die Menschen also mit der Zeit das Schreiben?

Handlettering und Kalligraphie liegen im Trend

Christiane Sondermann, die als Dozentin an der Volkshochschule Siegen Kurse für das derzeit sehr angesagte Handlettering und Kalligraphie gibt, ist sich zwar sicher, dass die Handschrift so schnell nicht verlernt wird, dennoch besteht Grund zur Sorge: „Naja, ganz verlernen werden wir das Schreiben sicherlich nicht, so wie man letztlich auch das Schwimmen oder Fahrradfahren nicht ganz verlernt. Was wohl leidet, sind die Schnelligkeit, der Rhythmus und die harmonische Gleichmäßigkeit der Schrift, da dem Muskelgedächtnis das Training fehlt“, sagt die Expertin. Deswegen empfiehlt sie auch beim Erlernen von Handlettering oder Kalligraphie, bestimmte, sich wiederholende Striche oder Rundungen mit dem Stift zu „üben“. So verbessert sich mit der Zeit auch die Form und Gleichmäßigkeit der Schrift.

So viel wie möglich ohne Tastatur schreiben

Die Dozentin ist der Meinung, dass man so viel wie möglich ohne Tastatur schreiben solle. Stift und Papier müssten wieder in den Vordergrund rücken: „Die Teilnehmer in meinen Kursen merken häufig sehr schnell, dass das Üben von Schriftelementen oder auch das Schreiben selbst sehr entspannend und geradezu meditativ ist. Darüber hinaus ist es wissenschaftlich bewiesen, dass das Schreiben mit der Hand das Gehirn und sogar die Feinmotorik schult.“ Laut Wissenschaftlern lernen Kinder über das freihändige Nachzeichnen von Buchstabenformen deutlich schneller und besser lesen und schreiben als über die Tastatur, da die Haptik durch das Schreiben ihnen die Form der Buchstaben greifbar und nachvollziehbar mache. Wer mit der Hand schreibt, könne sich Dinge außerdem besser merken.

Schreibschrift wird kaum noch gelernt

Schon in der Grundschule lernen die Kinder mit der Hand zu schreiben. Kurz nach dem Einschulungstag geht es los. Doch die altbekannte Schreibschrift wird in den vergangenen Jahren nur noch sehr selten gelernt, seitdem 2011 eine sogenannte Grundschrift für Grundschulkinder eingeführt wurde. Dies ärgert die Expertin: „Schreibschriften wurden ursprünglich entwickelt, weil man den Schreibprozess damit ökonomisierte und die Schreibwege verkürzte, um letztlich schneller schreiben zu können. Seitdem die neue Schriftreform in den Schulen eingeführt wurde, verschlechtert sich, auch laut vieler Lehrerverbände, die Handschrift von Kindern und Jugendlichen dramatisch.“
Dabei ist die Handschrift für viele Experten so wichtig, eben auch weil jede einzigartig sei. Denn viele Schriftpsychologen, sogenannte Grafologen, glauben, dass die Handschrift Teile der eigenen Persönlichkeit ausdrücken kann. Nach rechts geneigte Buchstaben können, so sagen Experten, beispielsweise auf einen warmherzigen Typ hindeuten, nach links geneigte hingegen zeigen offenbar einen eher verschlossenen Typ Mensch an.

Die Handschrift wird es hoffentlich immer geben

Christiane Sondermann hofft, dass sie mit ihren Kursen den Teilnehmern die Schrift wieder ein Stückchen näherbringen kann: „Ich kann und möchte mir auf gar keinen Fall vorstellen, dass es die Handschrift irgendwann tatsächlich nicht mehr geben wird, weil wir damit so viel Individualität verlieren würden. Wie viel Wert mehr haben handschriftliche Liebesbriefe, Notizen oder Einladungen gegenüber lieblosen Ausdrucken? Ich wünsche mir, dass noch ganz viele Menschen ihre Freude am schönen Schreiben finden“, hofft die Dozentin für Kalligraphie und Handlettering.
Die Handschrift, ist also nicht „Schnee von gestern“. Also, her mit dem Stift, es wird wieder mit der Hand geschrieben!

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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