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City-Galerie-Händler ziehen ernüchterndes Fazit
„Click & Meet“ ein echter Reinfall

Schon nach wenigen Tagen war das Interesse an „Click & Meet“ verflogen. In der Regel sind es Stammkunden, die Anne Becker (l.) bei Engbers begrüßt. Für Samstag hatten sich Birgit und Erich Bruch aus Rudersdorf angemeldet.
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  • Schon nach wenigen Tagen war das Interesse an „Click & Meet“ verflogen. In der Regel sind es Stammkunden, die Anne Becker (l.) bei Engbers begrüßt. Für Samstag hatten sich Birgit und Erich Bruch aus Rudersdorf angemeldet.
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tile Siegen. „Es macht keinen Spaß im Moment.“ Anne Becker, Filialleiterin der Modeboutique Engbers in der City-Galerie, spricht aus, was viele ihrer Kollegen im Handel denken. Zwar freut man sich nach den Lockerungen über den Kontakt zu Kunden, aber die Gesamtsituation ist weiterhin schwierig. „Die Terminvergabe ist nicht so prickelnd und hat in der zweiten Woche nochmal stark nachgelassen“, sagt sie mit Blick auf das „Click & Meet“-Angebot. Die Kunden pro Tag lassen sich an einer Hand abzählen. Ohnehin dürften höchstens zwei Kunden in den Laden kommen, während im Supermarkt oder beim Bäcker kaum jemand auf Abstand achte. „Das ist ungerecht. Man nimmt uns die Möglichkeit, mehr zu verdienen!

tile Siegen. „Es macht keinen Spaß im Moment.“ Anne Becker, Filialleiterin der Modeboutique Engbers in der City-Galerie, spricht aus, was viele ihrer Kollegen im Handel denken. Zwar freut man sich nach den Lockerungen über den Kontakt zu Kunden, aber die Gesamtsituation ist weiterhin schwierig. „Die Terminvergabe ist nicht so prickelnd und hat in der zweiten Woche nochmal stark nachgelassen“, sagt sie mit Blick auf das „Click & Meet“-Angebot. Die Kunden pro Tag lassen sich an einer Hand abzählen. Ohnehin dürften höchstens zwei Kunden in den Laden kommen, während im Supermarkt oder beim Bäcker kaum jemand auf Abstand achte. „Das ist ungerecht. Man nimmt uns die Möglichkeit, mehr zu verdienen!“

Bei den Einzelhändlern geht die Job-Angst um

Aktuell hält Anne Becker allein die Stellung, die Kolleginnen sind in Kurzarbeit, die Öffnungszeiten verkürzt. Angesichts möglicher weiterer Schließungsmaßnahmen geht die Job-Angst um. „Uns trifft es als Erste“, macht sie sich im Fall der Fälle keine Illusionen.
Meistens sind es Stammkunden, die sich in den Laden verirren. Wie Birgit und Erich Bruch aus Rudersdorf, die am Samstag die Gelegenheit nutzen, endlich mal wieder etwas zu unternehmen. „Die Steine zu Hause begrüßen einen schon mit Namen, man ist froh, ein bekanntes Gesicht zu sehen“, sagt Birgit Bruch, die herzlich von Anne Becker begrüßt wird. Obwohl man sich kennt, werden die Zettel zur Kontaktnachverfolgung sorgsam ausgefüllt.

Die Sehnsucht nach „Luftveränderung“ ist am Samstag greifbar. Eine 34-jährige Mutter und ihr Teenager-Sohn probieren erstmals „Click & Meet“ aus. Im Saturn gab es zwar keine persönliche Beratung, aber sie konnten durchs Sortiment streifen. „Wir sind froh, dass Einkaufen wieder möglich ist“, sagt sie der SZ in der kurzen Wartezeit vor „NewYorker“.

CDU-Bundestagsabgeordneter Volkmar Klein (l.) hörte sich an, was der Center-Manager und Mieter der City-Galerie zu sagen hatten. Angesichts steigender Inzidenzen und des drohenden dritten Lockdowns hatte aber auch er keine Alternativen zu erneuten Schließungen parat: "Ich bin ratlos."
  • CDU-Bundestagsabgeordneter Volkmar Klein (l.) hörte sich an, was der Center-Manager und Mieter der City-Galerie zu sagen hatten. Angesichts steigender Inzidenzen und des drohenden dritten Lockdowns hatte aber auch er keine Alternativen zu erneuten Schließungen parat: "Ich bin ratlos."
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Geschäfte in der City-Galerie Siegen halten sich

Im Normalfall strömen samstags etwa 26.000 Besucher in die City-Galerie, jetzt sind es 8000 bis 13.000. Aber noch hat das große Sterben in Siegens Mall nicht begonnen. Nur sechs Geschäfte stehen leer, erklärt Center-Manager Wladimir Senkewitsch den heimischen CDU-Abgeordneten Anke Fuchs-Dreisbach, Jens Kamieth (beide Landtag) und Volkmar Klein (Bundestag). Selbst Konzerne in Schieflage wie Klier, Hussel und Douglas halten sich noch. „Siegen ist ein Top-Standort“, betont der Chef der City-Galerie. Die Sorge ist dennoch groß. „Wir steuern auf Lockdown Nummer 3 zu, es geht um Existenzen, es kann ganz schnell gehen.“ Derzeit führe man Gespräche über mögliche Entlastungen bei den Mieten.

"Click & Meet" als Minusgeschäft für den Einzelhandel

Einkaufen nach Termin – für viele lohne sich das nicht. „Es ist ein Minusgeschäft“, sagt Wladimir Senkewitsch. Nur 72 der 101 Mieter haben geöffnet. Die Türen bei Christ und DER Deutsches Reisebüro etwa sind geschlossen. Lichtblicke gibt es nur vereinzelt. Die Termine im 30-Minuten-Rhythmus bei Roman Zaharoc und Sofia Sarigianni im Mobilcom-Debitel-Shop sind ausgebucht, zusätzlich klopfen immer wieder spontan Kunden an, das Telefon zur Fernberatug steht nicht still. „Die Umsätze sind nicht auf Normal-Niveau, aber wir haben gut zu tun“, sagt Roman Zaharoc. In den vergangenen Monaten habe sich viel angestaut – sowohl im Service als auch im Verkauf.

Corona-Lockerungen werden wohl zurückgenommen

Durchwachsen fällt das Fazit von „Uhrenprofi“ Tarik Hamami aus. Vor allem Service-Leistungen werden über „Click & Meet“ nachgefragt, Uhren verkauft er keine. Der Neustart sei stotternd angelaufen. Die Maßnahmen seien zu kompliziert, die Kunden hätten nicht verstanden, wo eine Terminvereinbarung nötig ist und wo nicht, ergänzt Wladimir Senkewitsch. Die erste Woche sei chaotisch gewesen.
Und nun droht beim Corona-Gipfel am Montag neues Ungemach für den Handel. Kanzlerin Angela Merkel hat bereits angekündigt, Lockerungen zurücknehmen zu wollen.

Angela Merkel will zurück in den Lockdown

Dann würden auch die Gäste bei PizzaMi wieder ausblieben. Ohnehin sei das „To go“-Geschäft trotz der Lockerungen nur „ein bisschen besser“, geworden, sagt Geschäftsführer Domenico Forciniti. Treu seien unter der Woche nur die Stammkunden aus der Stadt in der Mittagspause. Im Lockdown habe er samstags manchmal nur eine Pizza verkauft. Viel mehr seien es jetzt aber auch nicht.
Zu Unrecht, meint der Center-Manager: „Wir sind kein Ansteckungsort!“ Das sagten alle von sich, so Volkmar Klein. Aber „die Ansteckungszahl ist ein Resultat der Kontaktzahlen“. Die produzierende Wirtschaft habe oberste Priorität. Irgendwo aber müsse man beschränken – und vieles im Einzelhandel sei eben nicht lebensnotwendig. Das sei „kein böser Wille“, aber er sehe keine Alternativen: „Ich bin ratlos.“

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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