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Ramadan im engsten Familienkreis
Corona beeinträchtigt Tradition der Muslime

Önder Sahin im Gebetsraum der Selimiye-Moschee in Geisweid. Zu den Nachtgebeten im Ramadan erwartet er etwa 40 Besucher – seit der Pandemie bleiben viele Gläubige lieber zu Hause.
  • Önder Sahin im Gebetsraum der Selimiye-Moschee in Geisweid. Zu den Nachtgebeten im Ramadan erwartet er etwa 40 Besucher – seit der Pandemie bleiben viele Gläubige lieber zu Hause.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sp Siegen. Das Fasten im Monat Ramadan ist ein wesentlicher Bestandteil im Islam. Ab der Morgendämmerung wird nichts mehr gegessen und getrunken. Das ist erst wieder erlaubt, wenn die Sonne untergegangen ist. Das Fastenbrechen am späten Abend wird von den Gläubigen gemeinsam begangen – in großer Gemeinschaft und mit viel Essen. Nicht aber im vergangenen Jahr und auch 2021 wird das aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich sein. Am Dienstag, 13. April, beginnt der Fastenmonat, einmal mehr unter ungewohnten Vorzeichen.

Önder Sahin ist Mitglied in der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Siegen. Er bedauert: „Es ist natürlich alles sehr stark eingeschränkt, das ist einerseits schade, andererseits ist uns bewusst, dass Corona uns fest im Griff hat.

sp Siegen. Das Fasten im Monat Ramadan ist ein wesentlicher Bestandteil im Islam. Ab der Morgendämmerung wird nichts mehr gegessen und getrunken. Das ist erst wieder erlaubt, wenn die Sonne untergegangen ist. Das Fastenbrechen am späten Abend wird von den Gläubigen gemeinsam begangen – in großer Gemeinschaft und mit viel Essen. Nicht aber im vergangenen Jahr und auch 2021 wird das aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich sein. Am Dienstag, 13. April, beginnt der Fastenmonat, einmal mehr unter ungewohnten Vorzeichen.

Önder Sahin ist Mitglied in der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Siegen. Er bedauert: „Es ist natürlich alles sehr stark eingeschränkt, das ist einerseits schade, andererseits ist uns bewusst, dass Corona uns fest im Griff hat.“ Sahin erzählt, wie in den vergangenen Jahren gemeinsam das „Iftar“, das Fastenbrechen am Abend, in der Selimiye-Moschee in Geisweid gefeiert wurde. Mehrere Hundert Menschen hätten daran teilgenommen. Ein Koch, der besondere Gerichte mit im Gepäck gehabt habe, sei eigens aus der Türkei eingeflogen worden. „Es kamen immer sehr viele Gäste, auch Nicht-Gemeinde-Mitglieder.“

"Das schmerzt sehr"

Studenten, Politiker, Menschen aus anderen Religionsgemeinschaften und Kirchen… Gemeinsam habe man gegessen, sich unterhalten, kennengelernt, Kontakte gepflegt. „Das alles fällt dieses Jahr leider aus, so wie im letzten“, sagt Sahin: „Das schmerzt sehr, und jeder in der Gemeinde bedauert es.“ Er selbst werde das Fastenbrechen in der Kernfamilie begehen, das sei auch die Empfehlung des Vorstands der Gemeinde.

Nach dem Essen am späten Abend findet ein Nachtgebet statt, zu dem sich viele Gläubige in der Moschee versammeln – das ist auch weiterhin möglich. Denn: Die Allgemeinverfügung des Kreises Siegen-Wittgenstein macht in Bezug auf Zusammenkünfte auf privaten Grundstücken Ausnahmen bei der Religionsausübung. So wie in Kirchen unter bestimmten Bedingungen, beispielsweise eine Person auf 10 Quadratmetern und maximal 100 Personen, Gottesdienste möglich sind, so können sich auch die Muslime zum gemeinsamen Gebet in der Moschee treffen. Hygienemaßnahmen müssen eingehalten werden. „Den Gebetsteppich muss jeder von zu Hause mitbringen. Persönliche Gespräche sind keine mehr möglich, die Teestube bleibt leer“, erklärt Sahin. Zu den Gebeten kämen seit der Pandemie sowieso weniger Menschen. „Die Teilnehmerzahl hat sich deutlich reduziert, viele bleiben sicherheitshalber zu Hause.“

Ausnahme von der Ausgangssperre

Der Kreis Siegen-Wittgenstein betont auf Nachfrage der SZ, dass das gemeinsame Beten erlaubt ist, aber: „Das Tragen der medizinischen Maske darf während der Dauer der Zusammenkunft nicht zum Verzehr von Speisen oder Getränken unterbrochen werden.“ Das gemeinsame Essen nach Sonnenuntergang ist in der Moschee also nicht erlaubt.

Und die Ausgangssperre von 21 Uhr abends bis 5 Uhr morgens? Auch hier gibt es Ausnahmen. Der entsprechende Passus in der Allgemeinverfügung lautet „sonstige vergleichbar gewichtige Gründe“ – zu diesen zählen laut Kreis Siegen-Wittgenstein religiöse Traditionen, die an Tageszeiten gebunden sind. „Die Ausnahme bezieht sich ausdrücklich auf das Gebet mit angemessener An- und Abreise“, heißt es aus dem Kreishaus. Sahin erklärt, es gebe eine Bescheinigung von der Moschee, die den Besuch dort bestätige. Man werde aber genau hinschauen, wer eine solche bekomme, man kenne ja seine Gemeindemitglieder. „Das soll nicht missbraucht werden“, betont Sahin.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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