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Nutzen oder Risiko?
Corona-Impfung bei Schwangeren

Sollten Schwangere sich gegen Corona impfen lassen? Die SZ hat mit zwei Frauenärzten gesprochen.
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ap Siegen. Jetzt bloß nicht mit dem Coronavirus anstecken – das gilt insbesondere für schwangere Frauen. Befürchtet wird ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Aus diesem Grund wird Schwangeren schon in mehreren Ländern dringend zu einer Corona-Impfung geraten, während sich Deutschland bislang (noch) eher zurückhaltend zeigt. Wie sinnvoll eine Impfung dieser Gruppe ist und ob werdende Mütter auch hierzulande eine baldige Chance auf die schützende Dosis haben, fragte die SZ zwei hiesige Frauenärzte.
Impfung nur im Einzelfall„Im Moment erfolgt eine Impfung nur im Einzelfall“, nimmt Dr. Flutura Dede, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe vom Diakonie Klinikum Jung-Stilling, vorweg. Bei jeder individuellen Entscheidung werden dann Nutzen und Risiko gegeneinander abgewogen.

ap Siegen. Jetzt bloß nicht mit dem Coronavirus anstecken – das gilt insbesondere für schwangere Frauen. Befürchtet wird ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Aus diesem Grund wird Schwangeren schon in mehreren Ländern dringend zu einer Corona-Impfung geraten, während sich Deutschland bislang (noch) eher zurückhaltend zeigt. Wie sinnvoll eine Impfung dieser Gruppe ist und ob werdende Mütter auch hierzulande eine baldige Chance auf die schützende Dosis haben, fragte die SZ zwei hiesige Frauenärzte.

Impfung nur im Einzelfall

„Im Moment erfolgt eine Impfung nur im Einzelfall“, nimmt Dr. Flutura Dede, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe vom Diakonie Klinikum Jung-Stilling, vorweg. Bei jeder individuellen Entscheidung werden dann Nutzen und Risiko gegeneinander abgewogen. In der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) heißt es: „Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung kann in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden.“

Virusmutationen neue Herausforderung

Dass aber auch schwangere Frauen ohne Vorerkrankungen teils schwere Verläufe erleiden, beobachten Dede und ihre Klinikkollegen immer häufiger: Nach Angaben der Siegener Chefärztin für Geburtshilfe und Pränatalmedizin hat nicht nur die Zahl der an Covid-19 erkrankten Schwangeren seit Jahresbeginn zugenommen, sondern auch die Zahl derer, die intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Hinter dieser Entwicklung vermutet Dede die neuen, ansteckenderen Virusmutationen. Zudem ist das Immunsystem während einer Schwangerschaft Immunsystem generell etwas herabgesetzt und die Sauerstoffaufnahme reduziert.

Verhaltensregeln strikt einhalten

„Wir beobachten mittlerweile mehr Infektionen bei Jüngeren unter 50 Jahren“, berichtet auch Dr. Badrig Melekian, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im St.-Marien-Krankenhaus. „Es scheint fast so, als würden Frauen im gebärfähigen Alter eher vom Virus erreicht werden.“ Aus seiner Sicht sei ein ausschlaggebender Punkt für die vermehrten Ansteckungen, dass sich Schwangere im familiären Umfeld, zum Beispiel bei ihren eigenen Schulkindern, anstecken. Melekian appelliert deshalb, die Verhaltensregeln zum Schutz vor einer Ansteckung besonders strikt einzuhalten und eine Impfung gemeinsam mit dem Frauenarzt vor Ort in Erwägung zu ziehen. Der Partner hingegen solle möglichst geimpft sein, betont der Frauenarzt.

Verunsicherung unter Schwangeren

Nicht nur die Sorgen vor möglichen Folgen einer Impfung, sondern auch die (berechtigten) Ängste vor Covid-19 führten bei ihren Patientinnen für große Verunsicherung, erzählt Dede. Zurecht: „Es gibt eine hohe Rate an Schwangerschaftsvergiftungen, Schwangerschaftsdiabetes und viele weitere Komplikationen“, erklärt die Frauenärztin. Und auch Frühgeburten kämen bei Corona-Erkrankten doppelt so häufig vor wie bei nicht-Infizierten.

Antikörper werden weitergegeben

Davor schützen können sich werdende Mütter mit einer Impfung. Und auch der ungeborene Nachwuchs profitiert davon gleich mit: Einer US-Studie zufolge geben Schwangere die gebildeten Antikörper an ihr Baby weiter. Später könne es diese auch über die Muttermilch bekommen. „Das ist für die Kinder sehr wichtig in den ersten Monaten, weil das Immunsystem bei Neugeborenen noch nicht so entwickelt ist“, so Dede. Deshalb spricht sich die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe für eine baldige Freigabe für alle Schwangeren, die sich gerne gegen das Virus impfen lassen würden, aus.
Da die Datenlage zur Anwendung der Corona-Vakzine während einer Schwangerschaft derweil aber noch unzureichend ist, gehe man im Moment noch auf Nummer sicher. Die Siegener Frauenärztin zeigt sich aber zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass die Stiko bald eine Empfehlung für alle Schwangeren aussprechen wird.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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